24.06.2016 17:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Seit 7. Juni importiert Züger Milch
Seit dem 7. Juni importiert die Züger Frischkäse AG Biomilch. Bis September werden es 4 Millionen kg sein. Züger stellt daraus Bio-Mozzarella her, der wieder exportiert wird. Doch warum hat es nicht genug Biomilch?

Die Situation ist im Grunde paradox. Da stöhnt die ganze Schweizer Milchbranche wegen der Milchkrise, die Butterlager sind rekordhoch, die Milchpreise im Keller. Trotzdem importiert die Züger Frischkäse AG diesen Sommer rund 4 Mio. kg Milch.

Der Grund, warum das überhaupt möglich ist: Es handelt sich um Biomilch, welche im Rahmen des aktiven Veredelungsverkehrs wieder vollständig exportiert werden muss, wie Christoph Züger auf Anfrage bestätigt. Aus den rund 4 Millionen kg, welche vom Juni bis September importiert würden, stelle Züger Bio-Mozzarella her, der vollumfänglich wieder exportiert werde.

Alles wird exportiert

Auf die Frage, ob die gesamte verarbeitete Milch – also namentlich auch die Butter – wieder exportiert werde, antwortet Züger: «Ja. Es wird eingestellte (das heisst fettreduzierte) Milch eingekauft, sodass keine Butter anfällt. Aus dieser fettreduzierten Milch entsteht nur Mozzarella-Käse und Molke. Auch diese Biomolke wird exportiert.» Bewilligt wurden die Importe von der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV).

Ursprünglich wollte Züger eigentlich noch 1 Mio. kg mehr importieren. Doch die EZV sah es dann anders. «Die Menge wurde um 1,0 Mio. kg gekürzt, nachdem wir für den Monat Mai mit Schweizer Organisationen eine Lösung für Schweizer Biomilch gefunden haben. Ab Juli 2016 kann uns keine Schweizer Organisation mehr genügend Biomilch zur Verfügung stellen», erklärt Züger.

Märkte entkoppeln sich

Auch hier stellen sich weitere Fragen: Warum können die Milchhandelsorganisationen — trotz genereller Überproduktion auf dem Milchmarkt — nicht genügend Biomilch liefern? Und warum steigt dann der Biomilchpreis nicht markant an, wenn in diesem Segment Knappheit herrscht?

«Man muss verstehen, dass sich der Markt für konventionelle und den für biologisch produzierte Milch in jüngster Zeit immer weiter entkoppelt hat und heute weitgehend unabhängig voneinander funktionieren», erklärt Cemil Klein, Geschäftsführer des Biomilchpools, der Nummer eins im Biomilchhandel. Dass die Züger Frischkäse AG derzeit tatsächlich nicht genügend Schweizer Biomilch beziehen kann, ist für Klein vom Biomilchpool keine Überraschung.

Biomilch sei ein sehr knappes Gut, die saisonalen Schwankungen sehr ausgeprägt und der Markt im Sommer zusehends ausgetrockneter. «Seit der Einführung der neuen AP 14 –17 und den attraktiveren Sömmerungs- und Alpungsbeiträgen werden vermehrt Biokühe gesömmert», so Klein.

Fast kein Bio-Spotmarkt

Auch bezüglich der Annahme, dass im Gegensatz zum konventionellen Markt, wo das Überangebot zu einem Preiszerfall führt, bei Bio das Gegenteil der Fall sein müsste, winkt Klein ab. «Bei uns werden fast alle Mengen für ein Jahr vertraglich geregelt. Nur sehr wenig ist am Spotmarkt zur Verfügung, wo Angebot und Nachfrage den Preis kurzfristig beeinflussen», so Klein.

Ähnliches lassen die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) verlauten. «Grundsätzlich steigt bei uns der Preis ausserhalb der Monatsvertragsmenge in den Sommermonaten deutlich an. Dieser ist bereits schon im Juni 2016 um 5 Rappen angehoben worden», schreibt ZMP-Kommunikationsleiterin Carol Aschwanden.

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