Montag, 28. November 2022
11.08.2017 14:10
Ernährungssicherheit

Selbstversorgungsgrad unter 50%

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Von: lid/sda

Der Netto-Selbstversorgungsgrad 2016 liegt gemäss einer Schätzung erstmals unter 50 Prozent. Grund sind schlechte Ernten im Pflanzenbau. Laut Agristat handelt es sich aber um ein Ausnahmejahr. Die neusten Zahlen kommen gut sechs Wochen vor dem Urnengang über die neue Verfassungsbestimmung über die Ernährungssicherheit.

Agristat, der statistische Dienst des Schweizer Bauernverbands, schätzt den Brutto-Selbstversorgungsgrad (inkl. importierte Futtermittel) für das Jahr 2016 auf 55 Prozent und den Netto-Selbstversorgungsgrad (ohne importierte Futtermittel) auf 48 Prozent. Es sei das erste Mal, dass letzterer Wert deutlich unter 50 Prozent liege, heisst es im Statistischen Monatsheft.

Schlechte Ernten im Ackerbau

Grund für den aussergewöhnlich tiefen Netto-Selbstversorgungsgrad sind schlechte Ernten im Ackerbau. Die Produktion von Nahrungsmittelenergie bei Zuckerrüben lag 2016 um 6 Prozent, bei Raps um 17 Prozent und bei Getreide um 24 Prozent tiefer als im Jahr zuvor. Die Kartoffelernte fiel 2016 ähnlich schwach aus wie 2015. Insgesamt nahm laut Agristat die Inlandproduktion von pflanzlicher Nahrungsmittelenergie um rund 12 Prozent ab. Die Produktion von tierischen Produkten wie Fleisch und Milch hingegen verlief stabiler, sie nahm 2016 lediglich um 1 Prozent gegenüber 2015 ab.

Agristat geht davon aus, dass 2016 mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Ausnahmejahr bleibt. Während der Brutto-Selbstversorgungsgrad in der Vergangenheit stabil blieb, ist der Netto-Selbstversorgungsgrad leicht rückläufig. Grund dafür ist laut Agristat der sinkende Inlandanteil bei den Futtermitteln. Insbesondere Eiweissfuttermittel würden zunehmend aus dem Ausland importiert.

Abstimmung am 24. September

Die neusten Zahlen kommen gut sechs Wochen vor dem Urnengang über die neue Verfassungsbestimmung über die Ernährungssicherheit. Im Entwurf des Initiativtextes war auch ein Passus über einen Selbstversorgungsgrad enthalten. Dieser war aber umstritten und wurde im Laufe des politischen Prozesses gestrichen. Die am 24. September zur Abstimmung gelangende neue Verfassungsbestimmung scheint relativ unbestritten. Gemäss einer Onlineumfrage des Medienkonzerns Tamedia tendieren 53 Prozent zu einem Ja, 27 Prozent sind dagegen. Allerdings sind 20 Prozent noch unentschieden.

Konkret soll in der Verfassung verankert werden, dass der Bund die Voraussetzungen schafft, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Erstens sollen die landwirtschaftlichen Produktionsgrundlagen gesichert werden, insbesondere das Kulturland. Zweitens soll die Produktion von Lebensmitteln den örtlichen Gegebenheiten angepasst und ressourceneffizient sein.

Drittens soll die Land- und Ernährungswirtschaft auf den Markt ausgerichtet sein. Viertens sollen grenzüberschreitende Handelsbeziehungen zur nachhaltigen Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen. Fünftens soll der Bund die Voraussetzungen für einen ressourcenschonenden Umgang mit Lebensmitteln schaffen.sda

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