26.08.2014 06:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann/Samuel Krähenbühl
Cremo
«Senkung beträgt niemals 3 Rp./kg»
Die Cremo überarbeitet das 2013 eingeführte Milchpreissystem. Die Aaremilch sagt, dass dies einer Preissenkung von 3 Rp./kg entspreche. Cremo-Generalsekretär Michel Pellaux dementiert dies im Interview.

«Schweizer Bauer»: Die Cremo hat seit 2013 ein neues Milchpreissystem. Warum?
Michel Pellaux: Wir hatten in den Jahren zuvor gemerkt, dass grosse Mengen Butter und andere Produkte an Lager zu haben, wegen der Preisvolatilität wie ein Casino-Spiel ist. Wir wollten deshalb ein System einführen, das näher am Markt ist, damit wir kurzfristig reagieren können. Der zweite Grund: Die Branchenorganisation Milch (BOM) hatte seit Juni 2012 keinen Richtpreis mehr festgesetzt. Die BOM hatte auch entschieden, dass es ab 1. Januar 2013 keinen Fonds mehr gibt, um Butter zu exportieren.

Sind Sie jetzt nicht so nah am Markt, dass der Milchlieferant nur noch das Restgeld bekommt? Trägt nicht der Bauer das ganze Risiko?
Nein. Cremo trägt auch ein Risiko. Jeder Milchproduzent ist Aktionär von Cremo. Und Cremo ist nicht an der Börse. Wir müssen keinen Gewinn an Investoren ausschütten. Deshalb profitiert letztlich auch jeder Produzent von einem guten Resultat. So nah wie möglich am Markt bleiben heisst, dass auch unsere Verkäufer am Markt die Preise manchmal sehr rasch anpassen mussten. Das war gerade zwischen Sommer 2013 und Frühling 2014 der Fall, als die Preise relativ schnell stiegen. Da profitierten unsere Milchproduzenten sehr rasch. Anfang 2014 bezahlten wir den höchsten Milchpreis der Schweiz. Ein weiterer Grund für das neue System war, dass die Bauern eine grössere Flexibilität bezüglich Zucht und Fütterung haben. Denn wir bezahlen nach Gehalt. Zwischen den vier Bauern, welche den höchsten Gehalt liefern, und den vier Bauern, welche die tiefsten Gehalte liefern, gibt es eine Milchpreisdifferenz von 15 Rp./kg.

Die BOM nahm dieses System unter die Lupe und setzte eine Sanktionskommission ein. Wie ging das aus?
Wir waren etwas überrascht über die Kritik an unserem neuen Milchpreissystem. In der Schweiz ist es neu, in anderen Ländern wurde es aber schon praktiziert. Wir haben der BOM aufgezeigt, wie transparent das System für unsere Lieferanten ist. Diese sehen in der Abrechnung die verschiedenen Preise: Fett Inland, Fett Ausland, Protein Inland, Protein Ausland mit den jeweiligen Anteilen Inland/Ausland. Am Ende entschied dann die Sanktionskommission, dass unser System mit dem BOM-Reglement konform ist.

Welche Rolle spielen die BOM-Richtpreise für Sie noch, vor allem der A-Richtpreis?
Der A-Richtpreis ist wichtig. Denn für den Fettpreis im Inland spielt es eine Rolle, wenn der Richtpreis geändert wird. Auch der Eiweisspreis Inland wird darin reflektiert.

Nun wollen Sie aber vom Fettpreis im Inland, wie ihn die BOM vorgibt, abweichen...
Das BLW publiziert nicht nur einen Milchpreisindex, sondern auch einen Milchfettpreisindex. In Zukunft möchten wir unser System auch auf diesen Milchfettpreisindex stützen. Wir haben mit unseren Lieferanten abgemacht, dass wir das schrittweise einführen, damit es keinen zusätzlichen Preisdruck gibt. Für den Milchfettpreis Export nehmen wir den Fettpreis, den die BOM für C-Milch berechnet.

Die neue Preisbasis beim Milchfett ist tiefer als der heutige BOM-Fettpreis. Das bedeutet eine Milchpreissenkung. 
Nicht unbedingt. In der BOM hatten wir die Diskussion, den Milchfettpreis an diesen Index zu koppeln. Der BOM-Vorstand lehnt das im Moment ab.  Ich bin aber sicher, dass etwas in der Richtung kommt. Wir bei Cremo diskutieren derzeit, ob das neue System jetzt eingeführt werden soll. Weil die Butterlager etwas zu gross sind, könnten wir den Exportanteil beim Fett von 3% auf 5% erhöhen. 

Wie viel macht die Senkung des Fettpreises aus? Eine Lieferantin kritisierte, der tiefere Fettpreis und ein neuer Index beim   exportierten Eiweiss  hätten minus 3 Rp./kg zur Folge.
Die Fettpreiskorrektur macht weniger als 1 Rp./kg aus. Die Kritik kam von einer Produzentenorganisation, die eine grosse Menge C-Milch hat, weil sie ihre Milch nicht vertraglich binden wollte. Sie ist selber schuld. Wir exportieren 65 bis 70 Prozent des Proteins. Die Preise sind international  zurückgegangen. Eine Zeitlang war Eiweiss im Ausland teurer als im Inland. Jetzt hat der Wind gedreht.

Sie haben aber auch die Berechnung des Eiweisspreises im Export geändert...
Für den Eiweisspreis im Export verwendeten wir bisher den Index MPC 70 von Global Dairy Trade. Diesen Index gibt es nicht mehr. Deshalb bilden wir aus Magermilchpreisen aus der EU und weltweit einen Mischpreis, damit wir einen Index fixieren können. Wir haben den MPC 70 mit unserem neuen System für 2013 verglichen. Über das ganze Jahr hätte die Änderung durchschnittlich keinen Einfluss auf die Preise gehabt. Das wurde alles mit den Produzenten diskutiert.

Das sind nur die Direktlieferanten, die Pool-Lieferanten werden nicht einbezogen...
Wir bezahlen den Pool-Lieferanten den genau gleichen Preis (franko Rampe, bei den Direktlieferanten holen wir die Milch). Ab diesem Jahr gibt es aber Differenzen zwischen den Lieferanten. Dies, weil wir seit Anfang Jahr nur für unsere Bedürfnisse entsprechende Verträge gemacht haben. Als wir gesehen haben, dass die Milchproduktion ab Februar/März überraschend hochging, haben wir allen unseren Lieferanten in einem Brief mitgeteilt, dass alle Milch, die über die Verträge geliefert wird, nur noch als C-Milch angenommen wird. Deshalb gibt es Differenzen zwischen den Organisationen, die sich an die vertraglich abgemachte Menge halten, und denjenigen, die grosse Mengen Milch nicht vertraglich binden wollten und die jetzt Schwierigkeiten haben, diese irgendwo in der Schweiz zu platzieren. Bei diesen ist der Milchpreis gesunken.

Aber Christian von Känel, Präsident der Aaremilch AG, sagte, die beiden Änderungen bedeuteten ein Minus von 3 Rappen.
Das stimmt nicht. Die Aaremilch hat enorm hohe Mengen C-Milch. Seit Anfang Juli stützt die Lactofama den C-Preis nicht mehr. Deshalb sinkt der Preis der Aaremilch.

Sie wollten das System aber schon per Anfang Juli ändern?
Nein, beim Fett nicht. Beim Eiweiss gab es schon im Juli eine kleine Senkung der Exportpreise, aber niemals um die genannten 3 Rappen. Im August könnte der Exportpreis beim Eiweiss weiter sinken, aber das hat keine derart grossen Folgen.

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