18.07.2015 08:44
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
St. Gallen
SG: Berufsfischer hat nicht manipuliert
Ein Berufsfischer am Bodensee hat seine Netze nicht manipuliert. Das Kreisgericht Rorschach hat den 46-Jährigen freigesprochen. Die 23 beschlagnahmten Netze bekommt der Fischer aus dem Kanton St. Gallen zurück. Zudem wird er vom Staat für die Kosten seines Verteidigers entschädigt.

Wie der Verteidiger des Fischers am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte, ist der Beschuldigte zufrieden mit dem Urteil des Kreisgerichts Rorschach, das der sda vorliegt.

Schwere Vorwürfe

Die Anklage warf dem Fischer vor, er habe zwischen 2009 und 2012 mit illegalen Netzen gearbeitet, um mehr Fische zu fangen. Er habe den See überfischt und andere Berufsfischer benachteiligt. Ausserdem habe er die Schonbestimmungen von Felchen und Barschen missachtet.

Der Beschuldigte habe die Netze manipuliert indem er die amtlichen Plomben abschnitt und an Netze mit feineren Maschen knüpfte. Mit Hilfe der Plomben kann der Fischereiaufseher auf dem See kontrollieren, ob die Maschen der gesetzten Schwebe- und Bodennetze nicht zu klein sind.

Minime Abweichung

Der Angeklagte wies an der Gerichtsverhandlung vom vergangenen Dienstag alle Schuld von sich. Die Maschen müssten sich durch den langjährigen Gebrauch der Netze zusammengezogen haben.

Die Maschengrösse der beschlagnahmten Netze sei nur mit einem sehr feinen Messgerät festzustellen. «Dem Fischer fiel das nicht auf, denn die Abweichung ist nur so dick wie ein Blatt Papier», sagte der Verteidiger. Auf die Grösse der gefangenen Fische habe dies ohnehin keinen Einfluss gehabt. «Falls ich hätte schummeln wollen, hätte ich viel feinere Netze genommen», sagte der Fischer. Die Anschuldigungen habe der Fischereiaufseher gegen ihn erhoben, weil dieser ihn nicht ausstehen könne.

Netze geflickt, nicht manipuliert

Laut dem Gerichtsurteil gibt es keine Beweise für eine Manipulation der Netze. Der Fischer habe plausibel erklären können, dass die Netze an den fraglichen Stellen geflickt worden seien. Dies sei erlaubt und auch reparierte Fanggeräte erhielten die vorgeschriebene Plombierung.

Der Staatsanwalt hatte wegen Übertretung des Fischereigesetzes und Missachtung der Schonbestimmungen eine bedingte Geldstrafe von 310 Tagessätzen zu 110 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren gefordert. Zudem sollte der Fischer eine Busse von 3300 Franken bezahlen. Die beschlagnahmten Netze sollten vernichtet werden.

Lehrtochter kann bleiben

Der Fischer ist froh, dass seine Tochter nun die Ausbildung als Berufsfischerin bei ihm weiterführen kann. Im Falle einer Verurteilung hätte die Lehrtochter einen andern Lehrmeister suchen müssen.

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