27.01.2015 10:30
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
St. Gallen
SG: Täuschung bei Schweinefleisch
In einem Schweinemastbetrieb im Hinterthurgau wurden Schweine als QM-Tiere vermarktet und landeten im Detailhandel. Gemäss einem Urteil des Kreisgerichts Toggenburg haben aber drei Männer die Kontrolleure getäuscht. Sie wurden nun wegen Urkundenfälschung, Übertretung des Heilmittelgesetzes und Tierquälerei verurteilt.

Der Vorfall ereignete sich im thurgauischen Wängi. 2008 verpachtete ein Stallbesitzer seinen Schweinestall an einen Aargauer Futtermittelhändler. Dieser engagierte einen pensionierten Bauern, der sich in der Folge um die Schweine kümmerte.

1200 Schweine falsch gekennzeichnet

Gemäss einem Bericht in der Montagsausgabe des „St. Galler Tagblatt“ haben sich aber weder der Händler noch der pensionierte Bauer bei Qualitätsmanagement Schweizer Fleisch (QM) angemeldet. Bei den Schlachttieren aber wurden die QM-Etiketten des Verpächters benutzt, der sich bei QM nicht abmeldete.

Der Pächter verkaufte über den QM-Kanal bis 2010 insgesamt über 1200 falsch gekennzeichnete Schweine. Die Tiere wurden anschliessend in Bazenheid SG geschlachtet und landeten über die Micarna und die Fenaco-Tochter Ernst Sutter AG auch im Detailhandel. Viele der Tiere hätten aber Gebrechen und Schäden an Organen aufgewiesen. Zudem hätten sie teilweise eine zu hohe Dosis an Medikamenten erhalten, heisst es weiter.

Und auch bei den Kontrollen wurde gemauschelt. Nicht der Betreiber, sondern der Stallbesitzer empfing die Kontrolleure bei ihren angemeldeten Besuchen. „Wir bedauern, dass unsere Qualitätskontrolle unterlaufen wurde“, teilte Daniel Albiez, Leiter Qualitätsmanagement von QM, mit. Das widerrechtliche Tun der Involvierten wurde nun aber vom Kreisgericht Toggenburg bestraft.

Betrug, Urkundenfälschung und Verstösse gegen Heilmittelgesetz

Die Staatsanwaltschaft warf den Männern Betrug, Urkundenfälschung sowie Verstösse gegen das Tierschutz- und Heilmittelgesetz vor. Die Schweinemäster hätten die amtlichen Kontrollen umgangen, das QM-Managementsystem getäuscht und sich unrechtmässig bereichert.

Der Futtermittelhändler wurde vom Gericht wegen mehrfacher Urkundenfälschung und der Anstiftung dazu verurteilt. Auch wurde wegen vorsätzlicher Verletzung von Vorschriften über die Abgabe von Tiermedikamenten belangt. Bezüglich des Vorwurfs des Betruges wurde er freigesprochen. Grund: Die Tiere wurden „grundsätzlich“ nach QM-Norm gehalten, so das Gericht.

Urteil wird angefochten

Der Stallbesitzer erhielt wegen Gehilfenschaft zur Urkundenfälschung eine bedingte Geldstrafe. Der pensionierte Bauer wurde wegen mehrfacher Urkundenfälschung, Tierquälerei in zwei Fällen sowie wegen Übertretung des Heilmittelgesetztes verurteilt. Die Bussen bewegen sich zwischen 1800 und 2500 Franken, die bedingten Geldstrafen zwischen 800 und 2400 Franken.

Der pensionierte Bauer lässt das Urteil nicht auf sich sitzen. Er will das Urteil anfechten und weiterziehen.

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