12.04.2014 08:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Appenzell Ausserrhoden
Sie hat ihr Glück gefunden
Um Milchtechnologin zu lernen, kam Christina Preisig in die Schweiz. Heute arbeitet sie in diesem Beruf und führt zusammen mit ihrem Mann Reto Preisig in Stein AR einen Bio-Milchwirtschaftsbetrieb.

Der Hof von Christina und Reto Preisig liegt etwas ausserhalb von Stein im Wilen. Zwei Pensionspferde stehen auf einer kleinen Koppel. Zehn Hühner und zwei Enten suchen ihr Futter. Fünf Katzen sind auf Abenteuersuche. Aus dem Aufzuchtstall strecken Kälbchen neugierig ihre Köpfe ins Freie. Im Laufstall sind die 30 Kühe untergebracht, um die sich auf diesem Betrieb alles dreht. Deren Milch wird in der Schaukäserei Stein seit 1996 zu Bio-Appenzeller-Käse verarbeitet.

Lehrstelle gefunden

Dort hat die Schweiz-Land-Geschichte von Christina Preisig aus Norddeutschland ihren Anfang genommen. «Zwölf Jahre lang arbeitete ich in Bayern in einem Pferderennstall», erzählt sie. «Das gab sehr viel Arbeit bei einem sehr tiefen Lohn. Deshalb überlegte ich mir mit damals 29 Jahren einen Neuanfang.»

Sie merkte bald, dass ihr der Umgang mit der Milch und deren Verarbeitung zu Käse zusagen würde. Doch in Bayern war niemand bereit, sie auszubilden. Übers Internet fand sie in der Schaukäserei eine freie Lehrstelle. «Nach drei Tagen Probearbeiten war klar, dass ich mit der Ausbildung beginnen durfte.»

Beste Note

Also drückte Christina Preisig zusammen mit Jugendlichen, aber auch drei älteren Lehrlingen, nochmals die Schulbank.  «Es war eine spannende und lehrreiche Zeit.» Sie verlief auch sehr erfolgreich. Denn Christina Preisig schloss ihre Lehre mit der besten Note ihres Jahrgangs von 5,9 ab. «Sie haben mich halt das Richtige gefragt», sagt sie bescheiden.

Ihre Lebenserfahrung dürfte das Ihre dazu beigetragen haben. Heute übt sie ihren Beruf jeweils am Morgen in der Käserei von Mathias Koch in Gonten mit den Produkten aus Ziegenmilch aus. «Das Käsen macht unheimlich viel Spass.»

Problemlose Integration

Ihre Integration im Appenzellerland erlebte die Deutsche als problemlos. Sie engagierte sich im Turnverein. Hilfreich war aber auch, dass sie in einem Bereich tätig ist, in dem genug Arbeit vorhanden ist. «Ich freue mich heute noch, wie freundlich ich aufgenommen worden bin. Heimweh nach Deutschland kenne ich nicht.» Selbst den Appenzeller Dialekt hat sie unterdessen ganz gut im Griff. Das ist auch notwendig, denn seit Mai 2013 ist sie mit Reto Preisig verheiratet.

Liebe zu den Tieren

Christina Preisig hat sich in der Landwirtschaft gut eingelebt. Auf dem Betrieb mit seinen 26 Hektaren, davon 20 eigene, arbeitet sie zusammen mit ihrem Mann und ihrem Schwiegervater Hand in Hand. Klar ist, dass die beiden ihre Organisation anpassen werden, sobald sie eine Familie gründen wollen. «Die Belastung ist im Moment vor allem für meine Frau mit dem frühen Arbeitsbeginn zu hoch», sagt Reto Preisig.

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