15.10.2020 10:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Schwyz
Sie nimmt den Bauern Arbeit ab
Bauern, denen die Zeit fehlt, um eine eigen Internetseite aktuell zu bewirschaften, können sich an Lara Steiner wenden. Die Bauerntochter kreierte eine Webseite, auf der sie Bauernhöfe und Produkte vorstellt.

Sie ist 26 Jahre jung, Bauerntochter, und sie spricht nebst Deutsch auch fliessend Französisch, Italienisch und Englisch. Aufgrund von starkem Heuschnupfen und einem Bruder, der den Betrieb seiner Eltern dereinst übernehmen will, war es für Lara Steiner aus Feusisberg nie eine Frage, selbst Bäuerin zu werden. Sie liess sich stattdessen zur Primarlehrerin ausbilden, arbeitet heute aber als Kundenberaterin bei einer Grossbank. 

Macht sich Sorgen

Bei ihrer Arbeit wurde ihr bewusst, wie gross die Kontraste sind zwischen Menschen, die pro Monat mehr verdienen als manche Bauern im ganzen Jahr. «Am meisten beschäftigt mich jedoch die Tatsache, dass in der Schweiz jährlich rund 1000 Bauernhöfe schliessen», sagt Steiner, «das sind pro Tag drei Familien, die in der Landwirtschaft keine Zukunft mehr sehen.»

Wenn sie etwas beschäftige, könne sie jedoch nicht tatenlos zusehen. Klar sei ausserdem, dass Bauern als erstes Glied einer langen Kette von der Preispolitik grosser Supermarktketten abhängig seien. «Der einzige Ausweg besteht darin, die Direktvermarktung zu fördern», kam sie zum Schluss. So begann sie erst mit neuen Produkten zu experimentieren, etwa Proteinshakes aus Milch oder Getreideriegeln. Doch dann stiess sie beim Stöbern auf privaten Webseiten mancher Bauern auf offensichtliche Fehler. «Es macht wenig Sinn, mitten im Sommer auf einen Weihnachtsmarkt aufmerksam zu machen», erklärt sie. 

100 Profile

Gleichwohl ist ihr klar, dass vielen Bauern die Zeit fehlt, um ihre eigenen Webseiten regelmässig bewirtschaften zu können, weshalb sich ein Fauxpas wie der beschriebene leicht einschleichen kann. Hinzu kommt, dass es auch mit grossem finanziellem Aufwand verbunden sein kann, eine Domain zu kaufen oder gar einen Shop einzurichten – für viele Bauern, die ausser Milch oder Obst nur wenig zum direkten Verkauf anzubieten haben, lohnt sich dieser Aufwand meist nicht.

So begann sie die viersprachige Webseite www.mucca.ch zu kreieren und aktiv zu verwalten. Innerhalb von nur zwei Jahren hat sie schon fast 100 Profile von Bauernhöfen angelegt, die meisten vorerst aus der Zentralschweiz, teils mit der Möglichkeit, Hofprodukte in einem Shop zu bestellen. Manche Bauernhöfe bieten Bed&Breakfast an, andere Honig, Brennholz oder Blumen zum direkten Verkauf. Für Milchproduzenten hat sie darüber hinaus die Idee zu einem Milch-Abo entwickelt, für Obstproduzenten die Baumpatenschaften.

Bilder vom Hof

Mit einem Milch-Abo für 365 Franken pro Jahr – wobei auch kürzere Laufzeiten von drei oder sechs Monaten möglich sind – können Konsumenten wöchentlich bis zu fünf Liter Milch von einem Bauern holen. Bei einer Baumpatenschaft sind bei einer Laufzeit von ein oder drei Jahren jährlich fünf Kilo Früchte von diesem Baum inbegriffen. Ab zehn Jahren besteht sogar die Möglichkeit, dass der Baumpate einen neuen Baum pflanzen kann. So sollen möglichst viele Hochstammbäume erhalten und ProSpecieRara-Sorten gefördert werden.

Bis anhin hat Steiner ihre Dienstleistung praktisch gratis angeboten. Um wenigstens die laufenden Kosten für Werbung und Internetsupport decken zu können, soll ab Januar das Standard-Profil monatlich 6.50 Franken kosten. Das entspreche gerade mal einem Drittel der Fixkosten, die man für eine eigene Homepage aufwenden müsse, die es zusätzlich noch selbst zu gestalten und zu verwalten gelte. «Der einzige Aufwand, den Bauern haben, sind ein paar Minuten Zeit, um mit mir zu telefonieren, damit ich ein Profil erstellen und einen Beschrieb vom Hof schreiben kann und um mir ein paar Bilder von ihrem Hof zu schicken», erklärt Lara Steiner.

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