14.04.2015 17:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann/blu
Milchmarkt
SMP appellieren an Politik und Marktakteure
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind in Sorge. Bisher wollten Politik und Verwaltung aber nicht recht hinhören.

«Äusserst anspruchsvoll» sei das laufende Milchjahr 2015, im Markt und in der Politik, erklärte SMP-Präsident Hanspeter Kern in seiner Eröffnungsrede. Die neue Wechselkurssituation seit dem 15. Januar 2015 schwäche die Milchwirtschaft in der Schweiz grundlegend, indem der Importdruck steige und die Exporte erschwert würden. Zusätzlich treffe die AP 14–17 die meisten Milchproduzenten mit Direktzahlungskürzungen. Auf ein solches Szenario sei die Agrarpolitik nicht ausgerichtet.

EU-Milchfreihandel ad acta legen

Mit den Interventionen der Lactofama AG ab 1. Februar 2015 zeigten die Milchproduzenten auch Selbst- und Eigenverantwortung in einer schwierigen Situation. Es brauche aber unbedingt langfristig Korrekturen in der Politik, so Kern. Deshalb unterstützten die SMP die Volksinitiative für Ernährungssicherheit, zum Gegenvorschlag des Bundesrates sage man Nein.

Die Forderungen und Massnahmen der SMP

Die hohe Milchproduktion in der Schweiz und das Aufheben des Mindestkurses haben den Druck in der Schweizer Milchbranche deutlich erhöht. Die SMP hat deshalb verschiedene Massnahmen und Forderungen umgesetzt respektive gestellt:

  • Die Forderung an die Politik zur Aufstockung des „Schoggigesetz-Nachtragskredites“ wurde deutlich bekräftigt, schreiben die SMP. Im Weiteren erwarten die Milchproduzenten zusätzliche Absatzförderungsmittel für ausserordentliche Massnahmen im Inland und den Käseexport.
  • Die Schweizer Milchproduzenten SMP haben sich mit Vehemenz beim Detailhandel und den Milchverarbeitern gegen unnötige Preissenkungen auf dem Rücken der Milchproduzenten eingesetzt.
  • Innerhalb der Branchenorganisation Milch setzen sich die SMP-Vertreter zusammen mit den weiteren Produzenten für eine klare und konsequente Umsetzung der Reglemente zur Segmentierung der Milchmengen ein.
  • Die SMP hat beschlossen, die Marktstabilisierungsmassnahmen über die Firma LactoFama AG "situationsgerecht" per 1. Februar 2015 weiter umzusetzen. Insbesondere wird damit die kurzfristig frei verfügbare C-Milch vor allem auch aus den Käsereien („Einschränkungsmilch“) aus dem Markt genommen.
  • Swissmilk-Marketing hat kurzfristig ein Projekt „Swissmilk inside“ lanciert, welches die Konsumenten für den Kauf von Milchprodukten aus Schweizer Milch sensibilisieren und animieren soll.
  • Die generelle Situation verdeutlicht aber eindrücklich, dass sich mittelfristig eine Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen für eine standortgerechte und nachhaltige Milchproduktion im Gras- und Milchland Schweiz grundlegend aufdrängt.

Auch SMP-Direktor Kurt Nüesch appellierte an Behörden und Marktakteure. Die diskutierte Öffnung der weissen Linie (EU-Milchfreihandel) müsse ad acta gelegt werden. Die Swissness-Vorlage dürfe nicht verwässert werden. Bei der AP 14–17 müssten Fehlanreize korrigiert werden. Molkereien müssten ihre Gewinnziele senken.

Migros sperrt sich (noch) dagegen

«Das Marketing wird in Zukunft noch wichtiger werden. Wir müssen alles dafür tun, um die Marktanteile zu halten», betonte SMP-Präsident Hanspeter Kern. Marketingchefin Charlotte Hofstetter erklärte: «Für uns war der Entscheid der Nationalbank am 15. Januar eine Art Super-GAU.»

Umfrage

Die SMP führen zusammen mit dem Schweizer Bauernverband eine Umfrage bei 5000 Landwirtschaftsbetrieben durch. SMP-Präsident Hanspeter Kern rief zum Mitmachen auf. Auch er sei zuerst skeptisch gewesen, weil dies einen weiteren administrativen Aufwand darstelle. Aber er habe sich überzeugen lassen: «Um gegen die Papierflut und gegen die zum Teil fehlgeleitete AP zu kämpfen, brauchen wir Grundlagen und Argumente!» Jeder Bauer tue gut daran, sich die Zeit für die Umfrage zu nehmen. sal

Nun sei die bereits geplante Sammelpromotion ausgeweitet worden. Ab Ende Mai soll auf möglichst allen Schweizer Milchprodukten ein Kleber mit der Aufschrift «Swiss milk inside» sein. Wer eine bestimmte Anzahl Punkte gesammelt hat, erhält ein Produkt oder einen Gutschein. Molkereien wie Emmi und Cremo machen mit, ebenso Coop. Mit der Migros aber führe man noch Gespräche. 

Beiträge genehmigt

Einstimmig oder fast einstimmig genehmigten die Delegierten die Beiträge für die Interessenvertretung (0,15 Rp./kg), für den Marketingfonds (0,525 Rp./kg), für das Käsemarketing (0,2 Rp./kg) und für das Inkasso zugunsten des SBV (0,04 Rp./kg Verkehrsmilch). Kern wertete die Abstimmungsresultate als Vertrauensbeweis und als Signal an die Verwaltung, für die beiden Marketingfonds wieder die Allgemeinverbindlichkeit zu erteilen.

Vorstands-Wahlen

SMP-Präsident Hanspeter Kern und die Vizepräsidenten René Vonlanthen und Ruedi Schnyder wurden von den Delegierten wiedergewählt. Ebenso  die bisherigen Vorstandsmitglieder bis auf Christian Burren (Bemo), der nach 9 Jahren zurücktrat. Neu in den Vorstand gewählt wurden Thomas Hirsbrunner, Häusernmoos im Emmental BE (Bemo), Christophe Noël, Vuissens FR (FSFL), Karl Häcki, Hausen am Albis ZH (VMMO), und Ernst Bachmann, Flaach ZH (ebenfalls VMMO). sal

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