12.04.2016 10:37
Quelle: schweizerbauer.ch - sal/blu
Organisationen
SMP: Finanzierung der Lactofama genehmigt
An der Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) in Bern wurde der Finanzierung der Lactofama bis Ende Jahr zugestimmt. Von einer Mengensteuerung will die SMP-Spitze hingegen nichts wissen. Mit Videostatements

Die Finanzierung der Lactofama ist gesichert. Dies haben die Delegierten beschlossen. Sie stimmen mit 147 Ja zu. Nur 9 Delegierte stimmten Nein, 9 enthielten sich der Stimme. Die Nein-Stimmen kamen vor allem aus der Ostschweiz (Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) und Thurgauer Milchproduzenten). Die Generalversammlung der TMP stimmte Ende März grossmehrheitlich der Parole zu,  den Fonds zur saisonalen Marktentlastung weiterhin mit dem Produzentenbeitrag von 0.35 Rp./kg Milch zu unterstützen.

Der Vorstand der SMP beantragt die Finanzierung der Lactofama von 1. April bis Ende 2016: 0,35 Rp./kg für sämtliche Milch und 0,1 Rp./kg für Milch der Lactofama-Aktionäre.

Der Lactofama-Geschäftsführer Stephan Hagenbuch informiert über die Wichtigkeit der Exportfirma:"Die Aktivitäten der Lactofama waren und sind ein wichtiges Argument in den Milchpreisverhandlungen mit der Branchenorganisation Milch (BOM). Nach intensiven Diskussionen sind die Meinungen jetzt gemacht." Die Sanktionskommission der BOM habe die Vereinbarkeit mit dem Segmentierungsreglement bestätigt. "Es gibt derzeit keine alternative Massnahme, die sofort umsetzbar und von 95 Prozent der Milchprpduzenten getragen wird", macht Hagenbuch deutlich.

Stützung des C-Preise verstösst nicht gegen Reglemente

Roland Werner, Verwaltungsratspräsident der Thur Milch Ring AG und Godi Siegfried, Präsident der PMO Züger/Forster, wiesen in ihrer Anzeige darauf hin, dass eine Stützung des C-Milchpreises nicht konform mit dem Segmentierungsreglement sei. Die Sanktionskommission der BOM kam zum Schluss, dass die Aktivitäten der Lactofama in Bezug auf die Segmentierung reglementskonform seien. Es bestehe kein Sanktionsbedarf, bewtonte die BOM. Die Stützung des C-Preises durch die Lactofama verstösst damit nicht gegen die Reglemente.

Lactofama

Die Lactofama AG ist eine gemeinsame Exportgesellschaft von Aaremilch AG, Arnold Produkte AG, Nordostmilch AG, Milchverband der Nordwestschweiz MIBA, Berner Emmi-Milchlieferanten Organisation Bemo, Milchproduzenten Mittelland MIMO, PMO Zentral-/Nord- und Ostschweiz ZeNoOs, Prolait Fédération laitière société coopérative, Fédération des sociétés fribourgeoises de laiterie FSFL, Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP, Producteurs de lait des Laiteries Réunies LRG, Biomilchpool GmbH, Association des producteurs de lait de Cremo du Valais APLCV und Schweizer Milchproduzenten SMP.

Charlotte Hofstetter, Marketing-Chefin der Schweizer Milchproduzenten, warnt auch vor einer weiteren Gefahr: "Der Veganismus droht leider zu einem Lifestyle-Trend zu werden. Die Sojamilch gewinnt Marktanteile. Ohne Gegenposition besteht die Gefahr, dass die fleischlose oder vegane Ernährung bald als normal angesehen wird." Die SMP haben deshalb ein Positionspapier Veganismus geschaffen mit dem Untertitel "Kunsternährung nein - natürlich essen ja!".

Wie wurde die Milch 2015 verarbeitet

Gemäss der Milchstatistik der TSM wurden 2015 in der Schweiz (inkl. Zonenmilch Genf, Milch aus Liechtenstein und den Sömmerungsbetrieben) rund 3,486 Mrd. Kilo Milch produziert. Die Menge hat sich gegenüber 2014 um 1,5 Prozent oder 54 Millionen Kilo reduziert. In der Schweiz haben im vergangenen Jahr noch 21‘765 Betriebe Milch produziert. 

188‘806 Tonnen Käse wurden im letzten Jahr in der Schweiz produziert. Gegenüber 2014 entspricht dies einem Plus von 1,9 Prozent. Gemäss TSM Treuhand GmbH erreichte die Käseherstellung damit einen Höchststand. Trotz Mehrproduktion wurde nicht mehr Milch verkäst, weil vermehrt Frischkäse (+11,6%) und weniger Hartkäse (-3,8%) hergestellt wurden. Die Produktion von Weichkäse (-2.7 %) und Hartkäse (-3.8 %) hat ebenfalls abgenommen. Die Butterproduktion sank um 3% auf 46‘844 Tonnen. Quark (+20,6%) und Konsumrahm (+3%) legten zu, während Trinkmilch (-3,3%), Jogurt (-1,2%) und Dauermilchwaren (-5,9%) ein Minus verzeichnen.

Politik gibt keine Signale für Allgemeinverbindlichkeit

Hanspeter Egli, Präsident der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost, hält Roch entgegen: "Wir stellen fest, dass nach 7 Jahren nach der Aufhebung der Kontingentierung es keine Referenz mehr gibt, die nur einigermassen korrekt ist und von allen akzeptiert wird." Auch die Politik gäbe nicht das geringste Signal, dass sie eine Mengesteuerung für allgemeinverbindlich erklären würde, so Egli.

Nun kommt auch die Prolait, eine Westschweizer Produzentenorganisation, zu Wort. Deren Vizepräsident Didier Roch, mahnt: "Ist der Preis tief genug, damit wirklich griffige Massnahmen ergriffen werden?". Es brauche regionale Parternschaften mit Verarbeitern, wo der Preis und die Menge jährlich im Voraus definiert werde. " Wenn man keine Mengensteuerung willl, welche Lösungen will man dann?", fragt Roch die Delegierten.

Zu Labels, Marken und anderen spezifischen Kennzeichnungen mit Mehrwert hält Nüesch fest: "Wir haben zwei Bedingungen: 1. Es darf keine Profilierung auf Kosten anderer Milch geben. 2. Ein angemessener Teil des Mehrwerts muss zum Produzenten gelangen."

Nüesch's Absage an Mengensteuerung

Auch zur akutelllen Swissness-Debatte äussert sich der SMP-Direktor. "Die Klagen der Nahrungsmittelindustrie sind teilweise berechtigt, das das grosse Getöse ist völlig unverhältnismässig." Die Nahrungsmittelindustrie ist über die Einführung der neuen Swisness-Regeln auf den 1. Januar 2017 verärgert. Einige Unternehmen haben gedroht, auf das Schweizer Kreuz zu verzichten. In den Augen der Industrie sind die Regeln zu starr und zu einschränkend. Einige Unternehmen wollen gar die Produktion verlagern, wurde in verschiedenen Medien berichtet.

SMP-Direktor Kurt Nüesch hält zur Prolait-Forderung, das Milchangebot zentral zu steuern, fest: "Im vergangenen Herbst haben wir eine Auslegeordnung gemacht und dabei definiert, welche Massnahmen realistisch sind und welche nicht." Für Nüesch ist eine Mengensteuerung damit unrealistisch. Die SMP würden aber noch einmal eine Auslegeordnung machen, verspricht der Direktor.

Prolait-Antrag

Die Westschweizer Produzentenorganisation Prolait hat beschlossen, die Verbandsbeiträge an die Schweizer Milchproduzenten (SMP) vorübergehenden zurückzuhalten.  Die Verbandsbeiträge in der Höhe von 0,15 Rappen/Kilo für das Jahr 2016 auf einem Sperrkonto zurückzubehalten, wie Prolait mitteilt.

Die Beiträge könnten nur unter der Voraussetzung ausbezahlt werden, dass die SMP konkrete Massnahmen umsetzen, um das Angebot der Nachfrage anzupassen und verhindern, dass strukturelle Produktionsüberschüsse einen inakzeptablen Druck auf den Produzentenpreis ausüben, heisst es weiter.

SMP-Direktor Kurt Nüesch erklärt, dass der EI-Milchpreis 2009 noch leicht tiefer lag als heute. "Doch damals lag der Wechselkurs CHF/Euro bei 1.50 und bei 1.10."

Eine einzige Massnahme gibt es nicht

Der Präsident der Schweizer Milchproduzenten, Hanspeter Kern, wendet sich an die Delegierten: „Die Situation auf dem Milchmarkt hat sich gegenüber dem Frühling 2015 noch einmal verschlechtert.“ 

Eine Patentlösung dagegen gäbe es nicht. Die eine und einzige Massnahme, die den Milchpreis in die Höhe schnellen lässt, gibt es nicht, so Kern. Und der Präsident macht klar: „Ohne Lactofama wäre der Richtpreis auf dem 1. April 2016 für industriell verarbeitete Milch des A-Segments nicht um 3, sondern um 4 Rappen gesunken.“ Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat den Richtpreis um 3 Rappen auf 65 Rp./kg gesenkt.

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