19.03.2020 11:32
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
Geldpolitik
SNB setzt expansive Geldpolitik fort
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) führt ihre expansive Geldpolitik fort. Sie interveniert nun aber verstärkt am Devisenmarkt und gibt den Banken mehr Handlungsspielraum. Denn das Coronavirus macht zusätzliche Massnahmen notwendig.

Die Zinsen werden hingegen nicht angetastet. Konkret bleibt der SNB-Leitzins sowie der Zins auf Sichtguthaben bei -0,75 Prozent. In dieser ausserordentlichen Situation sei die expansive Geldpolitik der Nationalbank für die Gewährleistung angemessener monetärer Bedingungen in der Schweiz nötiger denn je, teilte die SNB am Donnerstag im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung mit.

Am Devisenmarkt intervenieren

Daher betont die SNB auch, dass sie nun «verstärkt» am Devisenmarkt intervenieren werde, um zur Stabilisierung der Lage beizutragen. Dies hat sie wohl bereits in den letzten Wochen getan, wie sich an den Sichtguthaben der Banken bei der SNB ablesen lässt.

Negativzins und Interventionen sind laut SNB notwendig, um die Attraktivität von Anlagen in Franken zu reduzieren und wirken so dem Aufwertungsdruck entgegen.

Mehr Kredite ermöglichen

Die SNB kommt mit ihren Strafzinsen den Geschäftsbanken zwar weiter entgegen, nimmt sie aber auch in die Verantwortung. «Die Handlungsweise der Banken spielt für die wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz speziell über die nächste Zeit eine zentrale Rolle», erklärten die Währungshüter. So bleibt zwar der Strafzins, den Banken für Sichteinlagen bei der SNB ab einem gewissen Freibetrag zahlen müssen, bei 0,75 Prozent. Doch den sogenannten Freibetragsfaktor hebt die SNB auf von 25 auf 30 an. Damit wird der Spielraum der Banken zur Kreditvergabe gelockert.

Ferner prüft die SNB, ob der antizyklische Kapitalpuffer gelockert werden könne - trotz der Risiken am Hypothekar- und Immobilienmarkt. Denn die Banken hätten über die letzten Jahre substanzielle Kapital- und Liquiditätspuffer aufgebaut.

Und schliesslich wird die SNB bei Bedarf zusätzliche Massnahmen zur Sicherung der Liquidität treffen. «Das Schweizer Finanzsystem ist mit ausreichend Liquidität ausgestattet», betonte die SNB allerdings am Donnerstag. Die Nationalbank arbeite zudem eng mit dem Bundesrat zusammen mit dem Ziel, die Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen.

Wirtschaft wird schrumpfen

Das Coronavirus hat laut SNB auch in der Schweiz die kurzfristigen wirtschaftlichen Aussichten «stark eingetrübt», was zu einem starken Rückgang der Wirtschaftsaktivität in der ersten Jahreshälfte führen werde. Sobald die nationalen und internationalen Eindämmungsmassnahmen aufgehoben werden könnten, dürfte die Wirtschaftstätigkeit zwar allmählich zur Normalität zurückkehren.

Doch selbst unter dieser Annahme dürfte das BIP-Wachstum über das ganze Jahr gesehen «negativ ausfallen», so die SNB. Im Dezember noch hatte die Nationalbank für 2020 mit einem Wachstum zwischen 1,5 und 2 Prozent gerechnet.

Die Normalisierung der Lage ab der zweiten Jahreshälfte könnte daraufhin dann in einem stark positiven Wachstum im Jahr 2021 zum Ausdruck kommen, hofft die SNB weiter. Wie rasch sich die Weltwirtschaft erholen werde, hänge dabei entscheidend von der kombinierten Wirkung der gesundheits-, fiskal- und geldpolitischen Massnahmen ab.

Tiefere Inflationsprognose

Es gibt allerdings einen Vorbehalt: In der gegenwärtigen Situation sei die Einschätzung der wirtschaftlichen Aussichten äusserst schwierig, so die SNB. Die Prognosen unterlägen derzeit einer «unüblich grossen Unsicherheit».

Dies gelte auch für die Inflation. Die neue bedingte Inflationsprognose liegt tiefer als im Dezember. Der Hauptgrund dafür seien tiefere Erdölpreise, deutlich schwächere Wachstumsaussichten und der stärkere Franken. Für 2020 geht die SNB neu von einer Inflation von -0,3 Prozent aus (alt: +0,2%). Für 2021 werden nun +0,3 Prozent (alt: +0,5%) und für 2022 +0,7 Prozent vorhergesagt.

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