8.02.2015 13:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Konjunktur
SNB weiter zu Devisen-Käufen bereit
Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses bedeutet nicht, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht mit weiteren Euro-Käufen den Franken zu schwächen versucht. «Wenn es sich als nötig erweist, werden wir auch am Devisenmarkt aktiv», bekräftigte SNB-Präsident Thomas Jordan.

In der Sendung «Samstagsrundschau» von Schweizer Radio SRF sagte Jordan auf die Frage, ob die SNB derzeit interveniert: «Wir sagen nichts zu unseren Transaktionen am Markt. Aber es kann ganz klar festgestellt werden, dass der Schweizer Franken immer noch überschiesst; er ist im Moment stark überbewertet.»

Auf weitere Interventionen deuten Giroguthaben hin

Der Wechselkurs habe Einfluss auf die monetären Bedingungen, sagte Jordan. «Und wenn eben der Bedarf vorhanden ist - das haben wir ganz klar gesagt am 15. Januar - dann werden wir auch aktiv am Devisenmarkt.» Die Nationalbank bleibe am Ball. Auf weitere Interventionen der SNB deuten die Giroguthaben hin, die auch seit dem Ende des Euro-Mindestkurses Mitte Januar deutlich gestiegen sind. Auf diesen Konten schreibt die SNB unter anderem den Banken, die für sie Devisen kaufen, den Franken-Gegenwert gut.

Zudem sind die Devisenbestände der SNB im Januar umgerechnet um 3,3 Mrd. auf 498,4 Mrd. Fr. gestiegen, obwohl die relevanten Währungen - vor allem Euro und Dollar - gegenüber dem Franken deutlich an Wert verloren haben. Zuletzt wurde viel darüber spekuliert, ob bei der jüngsten leichten Abwertung des Frankens die SNB ihre Finger im Spiel hatte. Gerüchte zu einem angeblichen inoffiziellen Euro-Kurszielband der SNB von 1,05 bis 1,10 Franken mochte Jordan nicht kommentieren, genauso wenig die Frage nach dem fairen Wechselkurs des Euro-Franken-Paares.

Geringeres Wirtschaftswachstum

Wie stark das Wachstum in der Schweiz beeinträchtigt wird, hängt laut Jordan stark davon ab, wo sich der Franken-Kurs einpendelt. Es könne davon ausgegangen werden, dass die Überbewertung über die Zeit wieder korrigiert werde.

Allerdings räumte Jordan ein, dass das Wachstum der Schweizer Wirtschaft sicher tiefer ausfallen werde, als die SNB noch im Dezember prognostiziert habe. Vor dem Hintergrund von Rezessionsängsten sagte der Präsident des SNB-Direktoriums: «Es ist durchaus möglich, dass das eine oder andere Quartal negativ ausfallen wird.»

Kurzarbeit «sehr gutes Instrument»

Trotz der möglichen Folgen habe die SNB keine andere Wahl gehabt, als den Euro-Mindestkurs aufzugeben. «Alle Alternativen wären noch viel schlimmer gewesen für die Schweiz», sagte Jordan. «Ein Aufschieben des Entscheids hätte enorme negative Konsequenzen gehabt für die Schweiz insgesamt und auch für die Nationalbank.»

Es sei noch zu früh, um die Konsequenzen auf die Arbeitslosigkeit abzuschätzen, sagte Jordan weiter. Der Entscheid des Bundesrates, die Bedingungen für Kurzarbeit zu erleichtern, bezeichnete er aber als «sehr gutes Instrument». Ob es ein Konjunkturprogramm brauche, müsse der Bund beurteilen.

Keine Spezialbehandlung von Pensionskassen

Die von der Nationalbank gegen die Flucht in den Franken eingeführten Negativzinsen zeigten Wirkung, so Jordan. Die SNB habe noch Spielraum. Es gebe bei Negativzinsen sicher eine Grenze, erklärte Jordan. «Die Frage ist, wo die genau erreicht wird. Aber ich glaube, bei der derzeitigen Höhe von minus 0,75 Prozent ist die Grenze sicher nicht erreicht.»

Nichts wissen will Jordan von Forderungen der Pensionskassen, die sich gegen die Negativzinsen wehren und eine Ausnahme für sich verlangen. Die Negativzinsen wirkten nur, wenn es keine Möglichkeiten zur Umgehung gebe, sagte Jordan. Für alle Finanzmarktakteure sollten dieselben Massnahmen gelten.

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