19.02.2016 09:44
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Fleischmarkt
So kommt der Proviande-Preis zustande
Peter Schneider ist Leiter Klassifizierung und Märkte bei Proviande. Im Interview erklärt er, wie die Branchenorganisation wöchentlich die Schlachtviehpreise erhebt und wieso es beim Schweinepreis anders funktioniert.

«Schweizer Bauer»: Wie oft essen Sie Fleisch?
Peter Schneider: Ich bin ein durchschnittlicher Fleischesser. Es gibt auch bei mir ab und zu Tage, an denen ich kein Fleisch esse. Daneben esse ich regelmässig Fleisch. Nicht in rauen Mengen, aber sehr gerne.

Welche Meilensteine haben Sie in Ihren ersten 1 Jahren als Leiter Klassifizierung und Märkte erlebt?
Wir konnten die Umstellung der MFA(Magerfleischanteil)-Schätzformel mit neuer Preismaske bei den Schweinen einführen. Die Farbfleischmessung bei den Kälbern hat sich etabliert, die 21-Tage-Branchenlösung Tränkekälber konnte realisiert werden, und  zuletzt haben wir von der Arbeitsgruppe unter der Leitung des Schweizer Bauernverbandes den Auftrag erhalten, die Tränkerpreise festzustellen. Ein Thema, worüber man schon Jahre diskutiert hat.

Wie läuft es heute mit dem neuen Tränkerpreissystem?
Dass die Tränkerpreise neu von der Proviande erhoben werden und schweizweit gelten sollen, hat zu Beginn Diskussionen ausgelöst, weil es darum ging, etwas jahrelang Geltendes zu ändern. Seit der Einführung im Januar 2016 hat sich das System aber gut eingependelt. Letztes Jahr sind die Tränkerpreise zum Teil ausgeufert. Ob wir das mit dem neuen System verbessern können, wird sich weisen. Ich bin überzeugt, dass das System Zukunft haben wird.

Die Feststellung der Schlachtviehpreise ist Bestandteil des Leistungsauftrages des Bundes. Wer bezahlt die Erhebung der Tränkerpreise?
Hier haben wir eine privatrechtliche Vereinbarung mit den Verbänden, die das neue System initiiert haben, unter anderem der Schweizer Bauernverband, Swiss Beef, der Schweizer Kälbermästerverband und die Schweizer Milchproduzenten. Sie sind es, die diese Dienstleistung bezahlen.

Wie entstehen eigentlich die Proviande-Preise?
Wir haben drei Gruppen, die uns die Preise melden: die Produzenten, meist Produzentenverbände, der Handel und  die Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe – total 26 Meldestellen. Jede Meldestelle wird entsprechend ihrer Grösse am Markt gewichtet. Als Sicherheitsventil gegen spekulative Preise werden deutlich zu hohe oder zu tiefe Preise automatisch rausgestrichen. Schliesslich wird von jeder der drei Gruppen ein Preismittelwert berechnet, der zu je einem Drittel zählt.

Und wie kann man sich den Ablauf konkret vorstellen?
Von Montag bis Mittwoch erfragen wir bei den 26 Preismeldern per E-Mail die aktuelle Marktlage und die bezahlten Preise für die einzelnen Schlachtvieh- und Tränkerkategorien. Am Donnerstagnachmittag kontaktieren wir die Meldestellen einzeln per Telefon. Da informieren sie uns im persönlichen Gespräch über den Markt und die Preise für die kommende Woche. Der daraus errechnete Mittelwert wird auf den nächsten Zehner gerundet und ergibt den neuen Preis der Proviande-Wochenpreistabelle für die nächste Woche.

Wieso wird der Schweinepreis nicht von der Proviande erhoben?
Man hat mehr als einmal einen Anlauf genommen, die Schweinepreise mit in die Preiserhebung einzubeziehen, insbesondere in schlechten Zeiten auf dem Schweinemarkt.  Aber das kam nie zustande. Die Börse der Suisseporcs ist eine jahrzehntealte Tradition und funktioniert. Ich denke nicht, dass wir heute mit einem anderen System eine zuverlässigere Preisfeststellung hätten.
Seit gut einem Jahr wird ein Teil der Importkontingente im Rind- und Lammfleischbereich wieder nach der Inlandleistung zugeteilt.

Was ist Ihr Fazit?
Ich bin der Überzeugung, dass die Inlandleistung den Produzenten zugutegekommen ist. Die Verwerter haben profitiert, indem sie mehr Planungssicherheit haben über den Anteil, der innerhalb des Kontingentes importiert werden kann. Zudem entfällt hier der Steigerungszuschlag. Diese Vorteile haben sie den Produzenten in Form von guten Rindvieh- und Lämmerpreisen honoriert.

Das Ziel ist, dass die Klassierung der Schlachtkörper durch die Proviande im Schlachthof gleich ausfällt wie die Lebendtaxierung auf dem Markt. Gibt es da Zahlen?
Intern machen wir regelmässig Auswertungen. Es sind zwei unterschiedliche visuell vorgenommene Klassifizierungssysteme. Die Übereinstimmung ist in den letzten Jahren stetig besser geworden. Der Einsatz eines Geräts wurde eingehend geprüft, hat aber teilweise eine schlechtere Zuverlässigkeit ergeben als die visuelle Klassifizierung. 

Welche Herausforderungen sehen Sie auf dem Fleischmarkt?
Ich sehe verschiedene Herausforderungen. Bei den Schweinen etwa geht es darum, das Problem der Überproduktion zu lösen und den Konsum mindestens zu stabilisieren. Im Rindfleischbereich machen uns die abnehmenden Milchkuhbestände Sorgen. Dadurch fehlt es zunehmend an Tränkern für die Munimast. Eventuell kann hier das Spermasexing helfen. Die Rinder- und Ochsenproduktion hat deutlich zugenommen. Dieser Markt ist bereits gesättigt. Im Gegensatz dazu sinken Kalbfleischproduktion und -konsum weiter.

Gibt es noch weitere Knackpunkte?
Eine Herausforderung ist auch das Arbeitsvolumen in den Schlachtbetrieben, das mit den sinkenden Rindviehbeständen ebenfalls abnimmt. Entgegen der weitläufigen Meinung geht es der Proviande aber nicht darum, die Konsumenten zu animieren mehr Fleisch zu essen, sondern sie in erster Linie für den Konsum von Schweizer Fleisch zu sensibilisieren und den Gesamtkonsum zu halten.

Zur Person

Peter Schneider ist gelernter Metzger und arbeitete während Jahren zusammen seinem Bruder im elterlichen Metzgereibetrieb in Herzogenbuchsee BE. 1998 stieg er aus dem Geschäft aus und wurde bei der damaligen GSF (Genossenschaft für Schlachtvieh und Fleischversorgung), der Vorgängerorganisation der Proviande, tätig. In den Jahren darauf hat Schneider mitgeholfen, das Klassifizierungswesen zu entwickeln.

Am 1. Juli 2014 hat der 55-Jährige die Leitung des Geschäftsbereichs Klassifizierung und Märkte der Proviande von Peter Christen übernommen und sagt dazu: «Ich schätze den Kontakt zu allen Branchenmitgliedern, vom Produzenten über die Verwerter bis zum Konsumenten sehr.»  gro

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