22.04.2016 06:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Organisationen
So machen die Veganer dem SMP das Leben schwer
Vegan-Aktivisten verteilten in der Stadt Bern kritische Flyer, noch bevor die Passanten am Tag der Milch zu den offerierten Milchshakes greifen konnten.

Am vergangenen Samstag war Tag der Milch. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) verteilten in der ganzen Schweiz Milchshakes und trugen sportliche Wettkämpfe aus. Auf der grossen Open-Air-Geburtstagsparty in Neuenburg fand ein Live Konzert statt. „Was für ein Fest!“, hiess in der Medienmitteilung der SMP.

Tausende Flyer verteilt

Der Tag der Milch war aber nicht für alle ein Fest. Die Tierrechtsorganisation „Tier im Fokus“ hatte im Vorfeld angekündigt, sie werde der Milchpropaganda Paroli bieten. Mit Flugblättern, Kostümen und „fundierten“ Argumenten gerüstet, wollte sie „den Schwindel hinter der Fassade von Heidiland entlarven“. Die Aktivisten wollten damit ein Bewusstsein für die Ausbeutung der Kühe wecken.

Ein Augenschein in der Stadt Bern beim Standort Käfigturm (ganz in der Nähe des Bundeshauses), zeigte, dass dort tatsächlich vier Mitarbeiterinnen von Swissmilk drei Tierrechts-Aktivisten gegenüberstanden. Diese waren in graue Overalle gekleidet und trugen einen Kuhkopf und verteilten allen Passanten, erst recht denen, die zum Swissmilk-Stand wollten, einen Flyer. Allein an diesem Standort wurden Hunderte, wenn nicht Tausende Flyer verteilt.

SMP: Milchkritiker werden immer frecher

Der Veganismus war auch an der SMP-Delegiertenversammlung in Bern vor gut einer Woche  ein Thema. Marketing-Chefin Charlotte Hofstetter erklärte: „Der Veganismus droht leider zu einem Lifestyle-Trend zu werden. Die Sojamilch gewinnt Marktanteile. Ohne Gegenposition droht die Gefahr, dass die fleischlose Ernährung bald als normal angesehen wird.“ Deshalb hat der SMP ein Positionspapier zum Veganismus geschaffen.

Es trägt den Untertitel: „Kunsternährung nein – natürlich essen ja!“ Generell sagte Hofstetter, dass „die Behauptungen der Milchkritiker immer frecher werden.“ Das sei gerade in den Städten eine Bedrohung. Der SMP versuche „all dem Nonsense, der da rumerzählt wird“ mit Fakten-Inseraten in grossen Publikumszeitungen zu begegnen.

Auf Papier milder formuliert

Im Positionspapier Veganismus ist auf Seite 31 die offizielle Haltung von Swissmilk wiedergegeben. Sie tönt milder, als Hofstetters Äusserungen erahnen lassen. Es heisst etwa: „Swissmilk respektiert die individuelle Haltung von Konsumenten, denn die Gestaltung der Ernährung ist eine private Entscheidung.“ Swissmilk stelle die Berechtigung alternativer Ernährungskonzepte keineswegs in Frage.

„Wir setzen aber die Grenzen dort, wo Fakten negiert, wo subjetive Überzeugungen zu allgemein gültigen Wahrheiten erhoben und wo ideologisch gefärbte Schuldzuweisungen gemacht werden.“ Es wird betont, dass aus Sicht SMP ein Verzicht auf tierische Produkte nicht erforderlich sei und dass die Milchproduktion aus klimatischen und geografischen Gründen sehr standortgerecht sei.

Kasten: Das stand auf dem Flyer

Der Flyer hat das Ziel, die Kuh zu vermenschlichen.

Auf dem Flyer stand auf der Vorderseite „Ich vermisse mein Kind“.

Auf der Rückseite hiess es wörtlich:

„Mutterliebe gibt es nicht nur bei Menschen.

Nach 9 Monaten ist es endlich da. Sanft berührt die Kuh ihr Neugeborenes. Doch so nahe wie jetzt wird sie dem Kleinen nie mehr sein.

Kurz darauf nimmt man der Mutter das Kälbchen weg. Während sie vergeblich nach ihrem Jungen ruft.
So geht es jährlich über 500‘000 Milchkühen in der Schweiz. Sie müssen pausenlos gebären, damit sie ständig Milch liefern. Doch die Kälber werden den Müttern entrissen – damit die Menschen die Milch trinken können. Ein Jahr später hängen die ersten Kälber am Fleischhaken.

Wehr Dich für die Wehrlosen.

Hilf mit, die sinnlose Gewalt gegen Kühe und Kälber zu beenden. Indem Du die brutale Milchindustrie nicht länger unterstützt. Schon heute gibt es genügend Lebensmittel, die Du statt Milchprodukte verwenden kannst. Geniess das Leben. Nicht den Tod.“

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE