30.12.2017 08:32
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Futtermittel
Soja im Trog in Kritik
Gras ist das wichtigste Futtermittel der Schweiz. Es macht in der Futtermittelbilanz den grössten Anteil aus. Nutztiere fressen aber nicht nur Gras, sondern auch Kraftfutter und Abfälle der Lebensmittelindustrie. In der Serie Futtermittel erfahren Sie mehr darüber.

Als Tofu, Tempeh Lecithin oder Sojasahne liegt Soja voll im Trend. Im menschlichen Speiseplan wird die kleine Bohne europaweit immer gefragter und die Palette an (veganen) Sojaprodukten wird laufend erweitert. Als Hilfsmittel in ökologischen Waschmitteln, als Bestandteil von Farben und Lacken, als Agrartreibstoff oder Bestandteil von Kunststoffen gilt Soja als guter, weil nachwachsender Rohstoff.

Schlechtes Image

Das ändert sich sobald Soja im Futtertrog landet, dann wird es stark kritisiert. Dann ist das schlechte Image auf die Art und Weise zurückzuführen, wie die Sojapflanze angebaut wird. Soja ist zwar ein wichtiger Eiweisslieferant für Mensch und Tier und eine entscheidende Einkommens- und Devisenquelle für die Anbauländer, doch die Hülsenfrucht sorgt auch für Umweltprobleme.

Die reichen von der Abholzung von Regenwäldern über Wasserverschmutzung bis hin zu Bodenerosion und abnehmender Artenvielfalt. Durch die veränderte Landnutzung, die Produktion und den Einsatz von Dünger für den Sojaanbau entstehen hohe Treibhausgasemissionen. Auch führt die Ausdehnung des Sojaanbaus zu gesellschaftlichen Konflikten und Spannungen zwischen den Erzeugern und den jeweiligen Gemeinden aufgrund von Land- und Arbeitnehmerrechten, Landflucht usw.

Effiziente Nutzpflanze

Dabei ist Soja eine der wichtigsten und effizientesten Nutzpflanze weltweit. Als Hülsenfrucht kann sie sich sogar grösstenteils selbst mit Stickstoff versorgen. Die Sojabohne zählt zu den Ölsaaten, ist aber wegen des hohen Eiweissanteils auch ein Eiweissfuttermittel. Global betrachtet Sojaöl das zweitwichtigste Speiseöl (nach Palmöl) und das mit Abstand wichtigste pflanzliche Eiweissfuttermittel (vor Raps).

Die günstigen Produktionskosten und hohen Proteinwerte sowie Eiweiss-Zusammensetzung (die Aminosäuren sind mit tierischem Eiweiss vergleichbar) macht die Pflanze für eine vielseitige Verwendung interessant. Die Verfügbarkeit auf dem Weltmarkt ist hoch, die Preise im Vergleich zu anderen Eiweissfuttermitteln relativ gut. Und es gibt eine ausgebaute und funktionierende Logistik zur Trennung von GVO- und GVO-freier Soja.

75 Prozent für Nutztierfütterung 

Rund 75 Prozent der weltweit produzierten Soja wird für die Nutztierfütterung verwendet. Die höchsten Sojaanteile finden sich in Proteinkonzentraten für Milchvieh. Sojaanteile von 20 Prozent und mehr finden sich im Geflügel-Futter und teilweise in der Rindviehmast. Mastschweine haben einen eher geringen Soja-Anteil von 5 bis 10 Prozent im Mischfutter, da sich zu viel Soja negativ auf die Fleischqualität auswirkt. In der Schweiz ist der Import von Sojaschrot und Sojabohnen auf knapp 290'000 Tonnen angestiegen. Trotzdem macht Soja nicht viel mehr als 15 Prozent des Eiweissfutters aus.

Sojanetzwerk

Die ökologischen und sozialen Probleme sind nicht neu, welchedie Sojaproduktion in Südamerika in den letzten Jahren gebracht hat. Deshalb haben Coop und WWF schon 2004 die sogenannten "Basler Kriterien" für einen nachhaltigen Sojaanbau definiert. 2011 wurde das Soja Netzwerk Schweiz gegründet. Die Mitglieder des Vereins (es handelt sich um einen Zusammenschluss aus Sojabeschaffern, Produzentenverbänden, Label- und Umweltorganisationen, Herstellern und Detailhändlern) setzen sich seither aktiv dafür ein, dass primär Soja aus verantwortungsbewusster Produktion importiert wird.

Zu den Bedingungen gehört, dass keine Primärwaldflächen gerodet sowie Boden und Wasser geschützt werden. Der Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln soll minimiert werden. Auch soziale Kriterien werden berücksichtigt: Es gelten Arbeitsrechte, Kinderarbeit ist verboten, die Arbeitsbedingungen müssen fair sein und die Landrechte respektiert werden. Zudem muss das Soja gentechfrei sein. 99 Prozent vom im Jahr 2016 in die Schweiz importierten Futtermittelsoja erfüllt diese Kriterien. Die Zielerreichung wird jährlich gemessen.

Quelle: Sojanetzwerk, www.sojanetzwerk.ch

Nischenprodukt Schweizer Soja

In der Schweiz wird nur wenig Soja angebaut. Der Grund liegt nicht nur im Klima (Soja hat einen hohen Wärmebedarf) und den bescheidenen Erträgen, sondern auch am Preis: Mit den Futtermittelpreisen aus Übersee kann Schweizer Soja nicht mithalten. Wenn Soja hierzulande angebaut wird, dann fast nur für die Produktion von Lebensmitteln wie Tofu, vor allem in Bioqualität. Das Hauptproblem im Bio-Sojaanbau ist das Unkraut. Dessen Bekämpfung treibt die Produktionskosten im Bioanbau in die Höhe. Im Jahr 2016 haben rund 600 Bauern auf 1'777 Hektaren 4'900 Tonnen Soja in der Schweiz produziert.

Agroscope nimmt mit einem Züchtungsprogramm an der Umsetzung einer europäischen Protein-Strategie teil. Die ersten Agroscope-Sorten ohne grasigen Geschmack (der bei der Produktion von Tofu unerwünscht ist) wie „Aveline“ und „Amandine“ sind vielversprechend. Und das Forschungsinstitut FiBL unterstützt Biobauern beim Anbau von Bio-Soja in der Schweiz. Es bleibt dennoch illusorisch den gesamten Eiweissbedarf der Schweizer Nutztiere mit Soja aus heimischem Anbau zu decken. Dafür wäre rund ein Drittel bis die Hälfte der offenen Ackerfläche der Schweiz nötig. Diese Fläche würde dann nicht mehr für Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Co zur Verfügung stehen.

Alternativen zum Sojaschrot

Es gibt Lösungsvorschlage, die auf einen Rückgang der inländischen tierischen Produktion abzielen. Das ändert aber nichts an der globalen Nachfrage nach Soja, solange der Konsum tierischer Nahrungsmittel gleich bleibt. Im Gegenteil: Der Verzicht auf Soja in der Schweiz würde die Produktion in Länder verlagern, die weit mehr Soja verfüttern und dieses erst noch aus GVO-Anbau beziehen. Das käme höchstens einer Problemverlagerung gleich, wäre aber keine Lösung. Alternativen zum Soja gibt es einige, doch längst nicht alle sind so einfach zu handeln wie Soja.

Bei Wiederkäuern könnte man am ehesten auf Soja verzichten. Dort liesse sich der Eiweissgehalt des Grundfutters erhöhen, indem die Weide intensiviert wird. Ein allfällig bestehendes Eiweissdefizit liesse sich mit Rapsschrot/-kuchen, Kartoffelprotein oder Maiskleber decken. Bei den Nicht-Wiederkäuern ist es schwieriger. Rapsschrot hat eine andere Zusammensetzung und einen vergleichsweise hohen Phosphor-Gehalt, was in der Schweinemast nicht erwünscht ist.

Entlastung durch Tiermehl

Maiskleber hat ein unausgewogenes Aminosäurenmuster. Kokosschrot wird war sehr preisgünstig angeboten, ist aber oft stark mykotoxin-belastet. Mykotoxin ist ein Pilzgift, das in der Fütterung zu Problemen führt. Kartoffelprotein ist teurer und nur begrenzt verfügbar. Eiweisserbsen, Ackerbohnen und Luzerne haben einen tieferen Eiweissgehalt und teilweise unerwünschte Inhaltsstoffe. Es gibt eigentlich nichts, das mit Soja mitziehen kann.

Eine Entlastung könnte die Verfütterung von Tiermehl bringen. Tierisches Proteinmehl ist eine wertvolle Futterkomponente, auch wenn sein Einsatz auf 4 bis 10 Prozent in der Futterration begrenzt ist. Die Verarbeitung und Zulassung der nicht-kannibalischen Verfütterung von Schweine- und Geflügelabfällen wird in der EU diskutiert. Die Schweiz wird keinen Alleingang wagen. Eine echte Problemlösung kann man aber nicht erwarten: Das Potenzial in der Schweiz beträgt laut Experten maximal 20'000 bis 30'000 Tonnen.

Knospe-Futter bald nur noch aus Europa

Bio schützt vor Importen nicht. Auch Biobauern sind mitunter auf zusätzliches Futter aus dem Ausland angewiesen. Allerdings darf der Anteil an Kraftfutter für Wiederkäuer, Pferde und Kaninchen auf Bio Suisse Betrieben maximal zehn Prozent betragen, was den Importanteil reduziert. Ausserdem hat Bio Suisse entschieden, nur noch Importe aus Europa zuzulassen. Seit Anfang 2017 werden die Importe von Knospe-Futtermitteln aus Übersee schrittweise abgebaut. Ab 2019 soll sämtliches importiertes Knospe-Futtermittel aus Europa stammen.

Diese Branchenvereinbarung mit Bio Suisse bezieht sich hauptsächlich auf Soja. Der Biosoja-Import erfolgte in den letzten Jahren mehrheitlich aus China, 2014 stammten 70 Prozent des Knospe-Sojas von dort. Ab 2017 soll der Anteil an europäischem Soja mindestens 40 Prozent und ab 2018 mindestens 70 Prozent betragen. Ab 2019 muss dann sämtliches importiertes Knospe-Futtermittel aus europäischem Anbau stammen. Das ist eine sportliche Herausforderung. Noch übersteigt der Bio-Sojabedarf in der Schweiz die Verfügbarkeit von Knospe-Soja aus Europa. Die europäische Produktion muss folglich weiter ausgebaut werden. Deshalb unterstützt das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) den biologischen Soja-Anbau in Ländern Osteuropas.

Quelle: Bio Suisse

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