25.04.2014 16:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Futtermittel
Sojakuchen aus der Schweiz
In der Hammermühle Olten werden Sojabohnen zu Öl und Kuchen gepresst. Dies macht sonst kaum jemand mehr in der Schweiz. Hinter dem Projekt steht die Handelsfirma Agrokommerz aus Marbach LU.

Es rattert und lärmt. In der Hammermühle in Olten schlägt einem ein starker, warmer Geruch entgegen. Der Boden ist ölig. Hier werden Sojabohnen aus aller Herren Ländern gepresst. Speziell daran ist, dass das Zielprodukt nicht das Öl ist, sondern der Kuchen, welcher als hochwertiges Proteinfuttermittel verkauft wird.

Zollschutz auf Schrot

2004 beteiligt sich die Entlebucher Firma Agrokommerz als Aktionärin an der Hammermühle. Das Futtermittelhandelsunternehmen aus Marbach baut die Mühle zu einem Sojapresswerk um. Damals wurde auf importiertem Sojaschrot noch ein Zoll erhoben. Bohnen konnten zollreduziert eingeführt werden. Dieser finanzielle Vorteil verschwand jedoch 2007, als der Zollschutz auf Sojaschrot wegfiel. Mit dem Ausstieg einiger Firmen aus der Sojapressung vor ein paar Jahren ist inzwischen die Hammermühle der grösste Schweizer Sojapresser.

Mechanische Pressung

Werner Birrer, der für den Betrieb in der Hammermühe sorgt, erklärt auf einem Rundgang den Vorgang des Pressens:«Die Bohnen werden in den Zellen zwischengelagert, bevor sie in einem Brecher zu Stückchen zerkleinert werden.» Dieser Sojabruch gelangt anschliessend in den Extruder, wo mittels Druck und Reibung Hitze entsteht und der Bruch zu Mus wird. Durch diesen Prozess werde die Proteinqualität erhöht und die unerwünschte Urease (ein Enzym) weitgehend inaktiviert, erklärt Birrer.

Die extrudierten Bohnen werden anschliessend gepresst, der daraus entstehende Kuchen gekühlt und zu einer optimalen Struktur gebrochen. Das Sojaöl wird gefiltert und an die Futtermittelindustrie verkauft. Bei diesem rein mechanischen Verfahren wird keine Chemie benötigt, wie es bei der Sojaölextraktion, also beim Sojaschrot, der Fall ist. Der Sojakuchen mit Namen Hamex enthält dadurch mehr Fett und somit mehr Energie als Sojaschrot.

40 Prozent Biosoja

«Wir verarbeiten momentan 20 bis 30 Tonnen Sojabohnen pro 24 Stunden», sagt Birrer. «Und dies sieben Tage die Woche.» Die Anlage sei selbstständig und schalte bei einem Problem automatisch ab.

Mit einer Ölausbeute von 13% werden täglich rund 27 Tonnen Sojakuchen produziert. Vom gesamten Produktionsvolumen seien ca. 40% Biosoja und 60% konventionelle Soja, erklärt Andi Häfliger, Geschäftsführer der Hammermühle und Händler bei Agrokommerz. «Seit Kurzem sind wir zudem für Donau-Soja zertifiziert.»

Bohnen aus aller Welt

Die verarbeiteten Sojabohnen kommen aus den verschiedensten Ländern. «Unsere Biobohnen stammen vor allem aus Rumänien und Italien und in letzter Zeit auch aus Indien», weiss Häfliger. Bei den konventionellen Bohnen sei die Herkunft im 2012 oft Brasilien gewesen. 2013 seien viele Bohnen aus Frankreich gekommen, und heuer käme viel aus Osteuropa — je nach Angebot und natürlich immer gentechnikfrei.

Für Hühner und Kühe

Der Hamex-Sojakuchen wird an Wiederverkäufer und an Futtermühlen in der gesamten Schweiz geliefert. «Unser konventioneller Sojakuchen kostet rund 1 bis 5 Fr./dt mehr als High- Protein-Sojaschrot», rechnet der Geschäftsführer. Hamex werde vor allem bei Wiederkäuern und Geflügel eingesetzt. «Für die Schweinefütterung eignet er sich wegen der Fettqualität weniger gut», sagt Häfliger.

Das Ziel für die nähere Zukunft sei, noch mehr Donau-Soja verarbeiten zu können, da die Nachfrage gross sei. «Wir könnten auch noch eine dritte Produktionslinie einbauen», so Häfliger. «Dies sei aber vorerst nicht geplant.» Mit den grossen Lagerkapazitäten in der Mühle könne man Nachfrageschwankungen gut ausgleichen.

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