8.08.2013 10:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Klaus Blume, dpa
Deutschland
Sonne und Wind statt Atom - Deutschlands teure Energiewende
Nach jahrzehntelanger Kontroverse hat sich Deutschland als Folge von Fukushima endgültig für den Ausstieg aus der Atomenergie entschieden. Die Förderung erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne macht den Strom für die Bürger aber immer teurer.

Bis zum verheerenden Tsunami im März 2011 hatten wohl die wenigsten Deutschen je vom Atomkraftwerk Fukushima gehört. Doch das Reaktorunglück in Japan hatte in Deutschland weitreichende Folgen: Europas grösste Volkswirtschaft will nun binnen weniger Jahre ganz aus der Atomstromerzeugung aussteigen. 

Erste Schritte im Jahr 2000

Es war eine bemerkenswerte politische Kehrtwende. Im Jahr 2000 hatte die damalige Regierung aus Sozialdemokraten und Grünen schon einen schrittweisen Atomausstieg bis zum Jahr 2020 beschlossen - allerdings gegen den Widerstand der oppositionellen  Christdemokraten und Liberalen. 

Als diese nach der Bundestagswahl 2009 gemeinsam regieren konnten, verlängerten sie die Laufzeiten der Atomreaktoren wieder um viele Jahre - so wie sie es in ihren Wahlprogrammen angekündigt hatten. 

Atomausstieg als politischer Konsens 

Doch der Ausstieg aus dem Atomausstieg hatte nur wenige Monate Bestand. Mit einem feinen Gespür für die Stimmung im Lande leitete Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Fukushima im Frühjahr 2011 die Energiewende ein. Acht der damals 17 deutschen Kernreaktoren wurden stillgelegt, die übrigen neun sollen nach einem Stufenplan bis spätestens 2022 vom Netz. Anders als zu rot-grünen Zeiten ist der Atomausstieg in Deutschland jetzt politischer Konsens. 

Windräder und Sonnenkollektoren sollen einen Teil der Atommeiler ersetzen. Der Anteil der Nuklearenergie an der Stromerzeugung lag 2012 nach amtlichen Statistiken noch bei 16,1 Prozent. Schon mehr als ein Fünftel des Stroms kam im vorigen Jahr aus erneuerbaren Energien, zu denen ausser Sonne und Wind auch Biogas, Wasserkraft und Erdwärme zählen. 

Anstieg der CO2-Emissionen 

Bisher sind wegen der Energiewende die Lichter in Deutschland nicht ausgegangen, und das Land musste auch keinen Strom importieren. Dank üppiger Förderung hat es in den vergangenen Jahren einen wahren Solar- und Windboom in gegeben. Um den Strom aus dem dünner besiedelten Norden in den energiehungrigen Süden zu leiten, sind indes gewaltige Überlandleitungen erforderlich, die erst noch gelegt werden müssen. Doch dagegen formiert sich bereits der Widerstand von Bürgerinitiativen. 

Trotz aller Diskussion um die erneuerbaren Energien stammt aber der grösste Teil des Stroms in Deutschland (44,8 Prozent) aus Braunkohle und Steinkohle, Tendenz seit dem Abschalten der älteren Atomkraftwerke steigend. So haben wegen der Energiewende auch die Emissionen des Treibhausgases CO2 wieder zugenommen. 

Förderkosten in Milliardenhöhe 

Am meisten erregen die deutsche Öffentlichkeit aber die hohen Förderkosten für die erneuerbaren Energien. Wer eine Solaranlage oder ein Windrad anschliesst, erhält für den Strom, den er ins Netz einspeist, 20 Jahre lang einen Festpreis. Der liegt weit über dem Marktpreis an der Strombörse. 

Allein die Solarenergie wird in diesem Jahr mit gut zehn Milliarden Euro gefördert. Energieintensive Unternehmen müssen die Ökostromumlage aber nur in minimalem Umfang bezahlen, damit sie international wettbewerbsfähig bleiben. Was die Fabriken weniger bezahlen, zahlt der Privatkunde mehr. 

Mit Blick auf die Zeit nach der Bundestagswahl im September hat Kanzlerin Merkel eine grundlegende Reform der Ökostromförderung versprochen, vorausgesetzt, dass sie weiter regieren darf. Allerdings können die Fördersätze für bestehende Anlagen nicht nachträglich gekürzt werden. Keine Partei hat bisher ein Patentrezept dafür parat, wie die Energiewende in Deutschland bezahlbar bleiben kann.

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