5.03.2013 09:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
St. Gallen
St. Gallen: Bohrstart zum Geothermie-Projekt ist erfolgt
«Meissel frei!» Mit diesem Befehl hat am Montagmorgen um 7.07 Uhr in St. Gallen die mit Spannung erwartete Bohrung nach heissem Wasser begonnen. Ein Erdwärme-Kraftwerk soll dereinst bis zur Hälfte der Häuser in der Stadt umweltfreundlich heizen.

Kurz vor 7 Uhr wurde der Bohrer vom 60 Meter hohen Bohrturm im Sittertobel in den Schacht gesenkt, wie die Stadt mitteilte. Seither gräbt er sich in die Tiefe. Am ersten Tag sind 50 Meter Vortrieb geplant. Dann wird das Gestänge nochmals hochgefahren für die Montage der empfindlichen Mess- und Steuergeräte.

Finanzielles Risiko

Auf die Mannschaft der deutschen Itag Tiefbohr-GbmH wartet in den kommenden Monaten Arbeit rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. In einer Tiefe von 4000 bis 4500 Metern erwarten die Geologen eine Schicht mit 140 Grad heissem Wasser. Gewissheit darüber werden die nächsten Monate bringen.

Für die Stadt St. Gallen ist das Geothermie-Projekt eine grosse Chance, aber auch ein finanzielles Risiko. Die Stimmbürger hiessen 2010 mit grossem Mehr einen 160-Millionen-Kredit gut. Etwa die Hälfte davon kosten die Tiefenbohrung und der Bau des Geothermie-Kraftwerks.

Die andere Hälfte ist für den Ausbau des Fernwärmenetzes vorgesehen. Verläuft alles nach Plan, können mittelfristig bis zur Hälfte der Gebäude in der Stadt umweltfreundlich mit Erdwärme aus dem Sittertobel geheizt werden. Zudem kann das Kraftwerk Strom erzeugen.

Verzögerungen

Ursprünglich sollte Ende 2011 mit den Bohrungen begonnen werden. Wegen Einsprachen gegen die Ausschreibung des Bohrauftrags und weil kein Bohrturm verfügbar war, verzögerte sich der Start. Nun ist der «Vater» des Projekts, Stadtrat Fredy Brunner, guter Dinge.

Brunner hofft, dass rechtzeitig zum Open-Air im Sittertobel Ende Juni eine Dampfwolke vom Erfolg der Bohrungen zeugt. Auch der St. Galler Bischof Markus Büchel gab dem Projekt seinen Segen, bei einer Feier zu Ehren der Heiligen Barbara.

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