18.09.2014 09:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Biolandbau
«Stark verarbeitete Bioprodukte sind unnötig»
Heute strahlt SRF 1 den Dok-Film «Bioland Schweiz» aus. Moderiert wird er von Kathrin Winzenried, Bauerntochter und bekannt aus der Sendung «Kassensturz». Sie ist Biokonsumentin, aber mit Vorbehalten.

«Schweizer Bauer»: Sie sind als Bauerntochter aufgewachsen. Produzierten Ihre Eltern biologisch?
Kathrin Winzenried: Nein, meine Eltern und jetzt mein Bruder führen den Betrieb nach den IP-Suisse-Richtlinien.

Welche Einstellung haben Sie zum Biolandbau?
Ich finde die biologische Produktion eine gute Sache und unterstützenswert.

Worum geht es im Dok-Film «Bioland Schweiz», den Sie moderieren?
Wir wollten einerseits die Geschichte des Biolandbaus in der Schweiz erzählen und aufzeigen, weshalb wir zu den Bio-Pionieren gehören. Andererseits gehen wir der Frage nach, ob Bio wirklich besser ist für die Natur und in der Ernährung. Es steht keine Mission dahinter, und es sollte auch kein grundsätzlich kritischer Film werden.

Was ist dabei herausgekommen?
Die Leistung der Bio-Pioniere, die ungeachtet aller Widerstände ihre Überzeugung lebten, wird gewürdigt. Was sie immer behaupteten, hat die Wissenschaft später bestätigt: Der Biolandbau ist besser für das Bodenleben. Ob Bioprodukte hingegen wirklich gesünder sind für den Menschen, ist noch nicht nachgewiesen.

Kaufen Sie oft Bioprodukte?
Ich bin keine sture Biokonsumentin. Im Gegenteil: Mich stört es, wenn Leute meinen, man müsse um jeden Preis Bioprodukte kaufen und dabei Saison und Herkunft vernachlässigen. Ich finde auch stark verarbeitete Bioprodukte unnötig und bedauere es, dass sich Bio von den grossen Detailhändlern als guter Werbeträger zur Imagepflege einspannen lässt. Die Regionalität ist für mich ebenso wichtig. Ich kaufe genauso gerne bei einem bekannten Landwirt direkt ein, auch wenn er nicht biologisch produziert.

Hat der Film Ihre Einstellung zum Biolandbau verändert?
Nein, ich finde es immer noch zwingend notwendig, der Natur Sorge zu tragen. Spritzmittel und Kunstdünger gehören für mich nicht aufs Feld. Tiere verdienen anständig gehalten zu werden. Mich beeindruckte, wie die Biolandwirte, die im Film vorkommen, überzeugt sind von ihrer Anbaumethode. Es ist, als stünde weniger der Verkauf im Vordergrund als vielmehr ihre Überzeugung. Bei ihnen war nicht der bessere Preis für das Produkt ausschlaggebend für die Umstellung, sondern der Wille, etwas verändern zu wollen. Mir gefallen halt diese Kämpfer und Idealisten. Und ja, etwas hat sich verändert: meine Haltung gegenüber Unkraut!

Dok-Film auf SRF1

Am Donnerstag, 18. September, um 20 Uhr,  strahlt das Schweizer Fernsehen auf SRF 1 den Dokumentarfilm «Bioland Schweiz» aus. Der Film zeigt die Geschichte des Biolandbaus in der Schweiz auf. Er wird von Barbara Frauchiger produziert und von Kathrin Winzenried moderiert. gro

Wie denn das?
Ich bin so aufgewachsen, dass Unkraut auf keinen Fall toleriert werden darf. Weder im Garten noch auf dem Feld. Das sieht zum Beispiel Ernst Frischknecht, ehemaliger Bio-Suisse-Präsident und Biobauer, viel entspannter. Im Film erklärt er, warum ein Kartoffelfeld voller Unkraut auch sein Gutes hat. Natürlich ist er irgendwo extrem in seinen Ansichten. Aber bedenkenswert.

Hatte Ihre persönliche Einstellung einen Einfluss auf das Filmprojekt?
Nein, aber dadurch, dass ich den Biolandbau unterstützenswert finde, hätte ich unmöglich einen völlig kritischen Bio-Film machen können. Grundsätzlich fanden wir einfach, dass die Geschichte des Biolandbaus für das breite Publikum wissenswert ist. Immerhin ist die Schweiz  ein Pionierland im organischen Biolandbau, der durch Dr. Müller begründet wurde. Ebenso ist das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick AG ein Pionierinstitut und findet weltweit grosse Beachtung. In den historischen Dok-Filmen des Schweizer Fernsehens (SRF) geht es immer um eine Geschichte unseres Landes oder unserer Gesellschaft. 

Als «Kassensturz»-Moderatorin kennen Sie sicher auch die kritischen Geschichten über Bioprodukte?
Ja, natürlich. Kürzlich wurde zum Beispiel in einem «Kassensturz»-Beitrag thematisiert, wie gentechniknahe Verfahren auch beim Biogemüse angewendet werden. Kritisiert wurde auch der Kraftfutterzukauf auf Biobetrieben, insbesondere von Soja aus Monokulturen aus der ganzen Welt. Das alleine ist aber für mich noch kein Grund zu sagen «Bio ist schlecht». Es ist vielmehr eine Folge des Bio-Booms. Bioprodukte sind heute leider Lifestyle-Produkte geworden. Die schärfsten Kritiker dieser Entwicklung kommen aus der Biobewegung selber. UHT-Milch, Convenience-Produkte usw. empfinden sie als Verrat an ihren ursprünglichen Werten.

Wie stehen Sie zum «Bioland Schweiz» im wahrsten Sinn des Wortes?
Ich fände es natürlich toll, wenn sich der Biolandbau weiter durchsetzen könnte. Würden sich die IP-Bauern noch vom Kunstdünger und der Spritzerei verabschieden, würde die Schweiz schlagartig zum Bioland. Das wärs!

Zur Person

Kathrin Winzenried ist in Herzwil (Gemeinde Köniz BE) auf einem mittelgrossen Bauernbetrieb aufgewachsen. Heute bewirtschaftet ihr Bruder den IP-Suisse-Betrieb mit Milchwirtschaft und Ackerbau. Winzenried arbeitet seit 14 Jahren beim Schweizer Fernsehen als Moderatorin und Redaktorin. Seit 2009 ist sie stellvertretende Moderatorin der Sendung «Kassensturz» und arbeitet bei Dok. Kathrin Winzenried lebt mit ihrer Familie in Bern.  gro

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