15.10.2015 19:46
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Syngenta
Starker Dollar und Lateinamerika verhageln Syngenta den Umsatz
Der starke Dollar, schwierige Bedingungen in Lateinamerika und auch das Herbizid Glyphosat haben dem Agrarchemiekonzern Syngenta im dritten Quartal den Umsatz verhagelt. Auch in den ersten neun Monaten lief's nicht nach Wunsch; der Umsatz sank um 11 Prozent.

Der Umsatz im dritten Quartal sank um 12 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar, wie die Basler am Donnerstag mitteilten. Zu konstanten Wechselkursen hätte er sich gegenüber dem Vorjahresquartal nicht verändert. Im zweitwichtigsten Syngenta-Markt Brasilien erreichte die Landeswährung Real neue Tiefststände zum Dollar. Zudem gab es Liquiditätsengpässe und tiefe Rohstoffpreise. In Argentinien harzte es ebenfalls mit den Krediten an Landwirte. Zusätzlich lasteten Ausfuhrsteuern für Soja auf den Bauern.

In Landeswährungen gab es dennoch einen Anstieg um 13 Prozent, weil sich in Brasilien der Verkauf von Pflanzenschutzmitteln im dritten statt im vierten Quartal niederschlug. In dem südamerikanischen Land ist das vierte Quartal wegen des dann beginnenden Sommers das wichtigste.

Glyphosat-Verkauf reduziert

Den Anstieg neutralisierte aber die von Syngenta bewusst eingeleitete Reduktion des Verkaufs von Glyphosat. Dieser Unkrautvertilger wird von der Weltgesundheitsorganisation als möglicherweise krebserregend eingestuft. Um diese Reduktion und die Verkaufsverschiebung in Brasilien bereinigt ergab sich ein Rückgang um 8 Prozent.

In der Region Asien/Pazifik setzten die anhaltende Dürre in den Asean-Staaten und der schwache Monsun in Indien dem Konzern zu. Der Umsatz ging um 17 Prozent zurück.

In Europa, Afrika und dem Nahen Osten stagnierte der Umsatz verglichen mit dem Vorjahresquartal und das trotz des Hitzesommers in Landeswährungen. In der Syngenta-Berichtswährung Dollar sank er um 19 Prozent - die Euroschwäche lässt grüssen. In Nordamerika sank der Absatz von Pflanzenschutzmitteln; einerseits wegen des Glyphosats, andererseits wegen einer Umsatzverschiebung bei den selektiven Herbiziden. Zudem beeinflussten die tiefen Rohstoffpreise den Umsatz mit Düngemitteln. Der Umsatz brach regelrecht ein - und zwar um 23 Prozent.

In den ersten neun Monaten sank der Umsatz um 11 Prozent auf 10,3 Milliarden Dollar, wie Syngenta weiter meldete. In Landeswährungen lag ein kleines Plus von 2 Prozent drin. Mit dem Halbjahresergebnis hatte Syngenta noch überzeugt. Trotz Umsatz- und Gewinnrückgang hatte sich das Unternehmen besser als erwartet geschlagen.

Prognose zurückgenommen

Syngenta hatte im August einen Übernahmeversuch des US-Konkurrenten Monsanto abgeblockt, der das Schweizer Unternehmen für 47 Milliarden Dollar schlucken wollte. Nach den nun vorgelegten Zahlen ist der Glanz als mögliche Braut etwas verblasst.

Konzernchef Mike Mack geht für den Rest des Jahres von weiterhin schwierigen Bedingungen in Lateinamerika aus. Der Umsatz dürfte zu konstanten Wechselkursen in etwa auf der Höhe von 2014 liegen. Der Betriebsgewinn könnte hingegen «im mittleren einstelligen Bereich» zurückgehen, hiess es weiter. Bislang hatte Syngenta ein stabiles Ergebnis angepeilt.

Das Syngenta-Management bleibt trotz des aktuellen Gegenwinds in Brasilien optimistisch für diesen wichtigen Absatzmarkt. Insbesondere komme das Fungizid Elatus am Markt gut an, sagte Finanzchef John Ramsay in einer Telefonkonferenz. Bislang seien im Jahresverlauf 2015 über 65 Prozent des Gesamtvolumens von 2014 abgesetzt worden.

Beim Verkauf der zur Disposition stehenden Geschäftsteile sieht sich Syngenta auf Kurs. «Es gibt diverse Interessenten», sagte Ramsay der Finanznachrichtenagentur AWP. Für den Bereich Blumensaatgut rechnet er damit, in den nächsten Wochen voranzukommen, beim Gemüsesaatgut sei mit einem Abschluss erst im nächsten Jahr zu rechnen. Weitere Veräusserungen seien aktuell nicht vorgesehen.

Ramsay gab sich ausserdem überzeugt, mit den Teilverkäufen und dem am Freitag startenden Aktienrückkaufprogramm die Aktionäre nach dem Scheitern der Fusion mit Monsanto zu beruhigen. Diverse Investoren hatten sich dem Vernehmen nach über die Abwehrhaltung von Syngenta sehr geärgert.

Börsenkurs taucht weiter

Die Anleger reagierten mit Verkäufen. Die Aktien von Syngenta setzen die Talfahrt der letzten Tage am Donnerstag ungebremst fort. Der Börsenkurs sank am Donnerstag um 1,4 Prozent. Der Gesamtmarkt gemessen am Blue-Chip-Index SMI erholte sich im Tagesverlauf um 0,9 Prozent.

Die Umsatzerwartungen des Marktes wurden verfehlt. In ersten Kommentaren machten viele Analysten ihrem Unmut Luft. Nicht zum ersten Mal sei der Umsatz schwächer als erwartet ausgefallen, lautete der Tenor.

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