12.04.2017 14:51
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Aargau
Strasse durch Bauernhof bewegt
In der aargauischen Gemeinde Gipf-Oberfrick soll eine neue Strasse den nördlichen Teil des Ortes erschliessen. Das Bauwerk soll quer durch einen Bauernhof führen. Die Art der Kommunikation der Gemeinde missfällt der Bevölkerung.

In Gipf-Oberfrick wird bereits seit 11 Jahren an der sogenannten Norderschliessung geplant, schreibt die «Aargauer Zeitung».  Die neue Strasse, die weiter zum Fricker Bahnhof führt, soll quer durch den Bauernhof der Familie Hinden führen. Diese ist damit gar nicht einverstanden.

Gemeinde: Variante Mitte erfüllt alle Ziele

Die Gemeinde will mit der neuen Strasse eine «sichere, direkte und attraktive Fuss- und Velo-Verbindung zum Bahnhof» realisieren, wie Gemeinderat Jos Bovens im März erklärte. Sie soll zudem zukünftige Erschliessungen sicherstellen und Lösungen für «diverse Baustellen», wie etwa die (zu) schmalen Trottoirs, angehen. Die Nachbargemeinde Frick will mit der Norderschliessung primär den Bahnhofplatz vom Mischverkehr befreien.

Mit der Variante «Mitte» können laut Bovens alle Ziele von Gipf-Oberfrick realisiert werden. Ein weiterer Vorteil sei, dass bei dieser Variante alle Lärmquellen am Bauzonenrand und nicht im Quartier liegen, führte er weiter aus. Er sagte aber auch, dass es bei solchen Projekten immer Verlierer gäbe. Einer davon ist die Bauernfamilie Minder. Denn die Strasse würde quer durch ihren Hof verlaufen.

Familie Hinder: «Nur Nachteile»

Bei ersten Gesprächen konnte sich die Familie eine Aussiedlung noch vorstellen. Eine Woche vor der geplanten Infoveranstaltung haben Hinders diese Pläne verworfen.  «Wir haben lange abgewogen. Die Variante Mitte hat für uns nur Nachteile», sagten sie der «Aargauer Zeitung».  Die Norderschliessung soll das Grundstück der Familie durchqueren. Abgerissen werden müsste der Schopf. Die Gemeinde hielt aber trotz dem "Nein" der Familie an der Veranstaltung fest.

In die Kritik kommt die Gemeinde nun ob ihrer Kommunikationsweise. An der Infoveranstaltung pries sie die Vorzüge der Variante «Mitte» an. Nur ganz am Schluss erwähnte die Gemeinde, dass die Familie Hinder nicht einverstanden ist.

Bürger: So eine grossflächige Enteignung geht nicht

Die Bürger der Gemeinde fühlen sich vor den Kopf gestossen. Dies sei schlechter Stil, kritisierten sie. Die Zeitung befragte 11 Personen von Gipf-Oberfrick. Der Tenor war eindeutig: Eine derart grossflächige Enteignung, wie dies im Fall der Familie Hinden der Fall wäre, geht nicht.

Man müsse nun zusammen mit der Familie rasch eine Lösung finden. Denn das Schicksal der Familie Hinden liegt vielen am Herzen. Unterlasse dies die Gemeinde, werde sie vor dem Volk «Schiffbruch» erleiden, ist sich ein Bürger sicher. Einige bringen einen Tunnel ins Spiel. Dieser würde 16 Millionen Franken kosten. Die Gemeinden haben dieser Variante bereits eine Absage erteilt.

Rechtsstreit vermeiden

Die Gemeinde wie die Familie Hinder wollen sich derzeit nicht dazu äussern. «Das Dorf soll etwas zur Ruhe kommen», erklärt die Bauernfamilie. In Gipf-Oberfrick wartet man auf die Signale aus dem Gemeindehaus und von der Familie Hinden. Deutlich wird: Wenn sie nicht will, ist die Variante ‹Mitte› bereits Geschichte. Denn auf einen Rechtsstreit, «darf man sich nicht einlassen», sagen die Einwohner der «Aargauer Zeitung».

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