27.01.2019 06:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Lüthi
Freiburg
Streit wegen befürchteten Gerüchen
Seit Jahren wird gestritten. Auslöser ist der Standort für eine geplante Halle, in der Mist und Gemüseabfälle zu Kompost werden.

Die BG Bioleguma in Ried bei Kerzers FR produziert seit 1996 Frischgemüse im Freiland und in Gewächshäusern nach den Richtlinien von Bio Suisse. In der Fruchtfolge wechselt das Freilandgemüse mit Getreide und Kunstwiese (mindestens 10% der Betriebsfläche). Zusammen mit den Weiden ergibt dies eine Futterfläche von mehr als 20 ha, welche für die Mutterkuhhaltung genutzt wird.

Komposthalle geplant

Ziel der Bioleguma ist es seit mehreren Jahren, die alten Stallungen im Dorf durch einen Neubau ausserhalb des Dorfes zu ersetzen. 2013 fasste die BG den Entschluss, die in den Gewächshauskulturen sowie beim Rüsten der Gemüse anfallenden Grünmassen vor der Ausbringung auf den Feldern zu kompostieren und mit Tonerde zu vermischen.

Der Verlust an Pflanzennährstoffen kann durch die Bindung an tonhaltige Erde stark reduziert werden. Bis heute wird eine Feldrandkompostierung durchgeführt. Kompostmieten unter freiem Himmel sind jedoch der Witterung ausgesetzt, und die Verluste an Nährstoffen sind entsprechend hoch. Aus diesem Grund will die BG in Zukunft die Kompostierung in einer Halle durchführen, um geschützt vor Niederschlägen und Sonne einen geruchsneutralen, qualitativ hochstehenden Kompost für den eigenen Betrieb herzustellen.

Aus wirtschaftlicher Sicht zeigte sich, dass der Bau eines neuen Mutterkuhstalles kombiniert mit einer Kompostierhalle am gleichen Ort am sinnvollsten wäre. In Zukunft soll der Tretmist aus der Mutterkuhhaltung zusammen mit Rüstabfällen des Betriebes in der Halle kompostiert werden. Geplant ist eine Kompostierung von 3800 t Rohmaterial pro Jahr.

Sechs Einsprachen

Im Juli 2015 erfolgte die Eingabe des Vorgesuches durch die BG. Nach dessen positiver Beurteilung erfolgte im Februar 2016 das Baugesuch mit öffentlicher Auflage. Während der einmonatigen Auflagefrist wurden insgesamt sechs Einsprachen eingereicht, wovon eine Sammeleinsprache 48 Einsprecher umfasste.

Wie aus dem Entscheid des Oberamtmannes des Seebezirks vom 20. Dezember 2018 betreffend die Einsprachen zu entnehmen ist, «beschränken sich die Einsprachen auf die projektierte Kompostieranlage, das Bauprojekt Mutterkuhhaltung ist unbestritten». Bei der Durchsicht des negativen Entscheides des Oberamtmannes betreffend die Einsprachen ist ersichtlich, dass die Intensität der voraussichtlich vom Bauprojekt ausgehenden Emissionen, speziell der Geruchsemissionen der Kompostierhalle, der Hauptgrund für die Einsprachen waren, denn ostwärts, in rund 250 m Entfernung des geplanten Objektes, befindet sich ein Wohnquartier.

Die Bewohner befürchten aufgrund von Geruchsemissionen bei Westwind eine Verminderung ihrer Wohnqualität mit entsprechend negativen Folgen für den Wert ihrer Liegenschaften.  

Weihnachtsgeschenk?

Am 21. Dezember 2018 erhielt die BG den positiven Entscheid für ihr Baugesuch mit der Sonderbewilligung vom Oberamt Murten. Sie betrachtete dies als «erfreuliches Weihnachtsgeschenk». Gemäss Rolf Etter von der Bioleguma besteht jedoch die Möglichkeit, dass trotz dieses positiven Entscheides der Behörden nach der knapp viereinhalbjährigen Bewilligungsphase weiterhin nicht mit dem Bau begonnen werden kann.

Betroffene Einsprecher drohen, die Baubewilligung bis vor Bundesgericht anzufechten, was weitere zwei Jahre in Anspruch nehmen und zusätzliche Kosten verursachen würde. Für Etter geht das Ganze zu weit: «Private Anwohner konnten ohne Kostenfolgen eine Verzögerung des Bauvorhabens von mehreren Jahren verursachen und dies trotz Zonenkonformität des Projektes und positiv beurteiltem Vorgesuch.

«Unser Projekt ist kein Einzelfall», sagt Etter. «Dies ist in Zukunft nicht mehr tragbar, und es braucht dringend eine entsprechende Gesetzesänderung. Einsprachen nach einem bewilligten Vorgesuch müssen Kostenfolgen haben», ist Etter überzeugt, «sei es, um die Umtriebe auf den jeweiligen Ämtern oder allenfalls auch Ausfälle der geschädigten Bauherren zu decken.»

Wohin mit der Produktion?

Im Gutachten von Agriexpert für die BG wird die Geruchsbelastung folgendermassen beurteilt: «Gesamthaft ist davon auszugehen, dass ausgehend von dem geplanten «Mutterkuhstall samt Kompostieranlage» auf der Parzelle 66 ‹Talmatte› die Baugebiete von Ried zu keiner Zeit von übermässigen Geruchsemissionen beeinträchtigt werden.» Laut dem Tensor-Gutachten der Sammeleinsprecher muss im Gegensatz dazu von starken Geruchsemissionen ausgegangen werden (vgl. Entscheid des Oberamtmannes des Seebezirks vom 20. Dezember 2018). Wie der Sonderbewilligung vom 9. April 2018 zu entnehmen ist, besteht ein Alternativstandort für die Komposthalle, in deren näheren Umgebung sich nur eine Industrie- und Gewerbezone befindet. Die betreffende Parzelle entlang der Eisenbahn ist gemäss eigenem Augenschein von Gebäuden für den Gemüsebau umgeben und grenzt direkt an Treibhäuser und Lokalitäten der Bioleguma. 

Anton Henninger, Rechtsanwalt und Vertreter der Sammeleinsprecher, gab folgende Gründe für die gerichtliche Anfechtung der Baubewilligung bekannt: Beim Bewilligungsverfahren seien gewisse Aspekte nicht abgeklärt worden, ferner gehe es um die befürchteten Geruchsimmissionen sowie die Verkehrssituation.  Der Standort der Kompostieranlage im Landwirtschaftsgebiet in der Nähe einer Siedlungszone sei stossend, denn ein geeigneter Alternativstandort wäre vorhanden. Bei dem Projekt gehe es um eine industrielle Verarbeitung unter dem Deckmantel der Landwirtschaft. cl

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