4.03.2017 10:54
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Energie
Strom in Betonkugel speichern
Forscher versuchten herauszufinden, ob sich Strom aus Offshore-Windparks bereits vor Ort speichern lässt. Ein erster Test mit einer riesigen Betonkugel im Bodensee ist vielversprechend verlaufen.

«Bislang war das eine theoretische Überlegung, jetzt konnten wir es auch in der Praxis zeigen», sagte Projektleiter Matthias Puchta vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel.

20 Tonnen schwer

«Wir konnten erfolgreich Energie speichern. Es hat letztlich alles genauso funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben.» Am Freitag wurde die 20 Tonnen schwere Betonkugel vor Überlingen mit einem Bergungsschiff an die Wasseroberfläche gezogen. In den kommenden Tagen soll sie über den See in den Industriehafen Hard gebracht werden. Dort hebt ein Autokran die Kugel aus dem Wasser, später wird sie ins Institut nach Kassel gebracht.

Die Betonkugel hatte seit Anfang November rund 100 Meter tief im Wasser des Bodensees gelegen und war für die Messungen und Tests mit umfangreicher Technik und zahlreichen Kabeln versehen worden.

Leere Kugel bedeutet volle Batterie

Die hohle Kugel funktioniert nach Angaben der Wissenschaftler so: Einströmendes Wasser treibt eine Turbine an, die Strom erzeugt. Ist überschüssiger Strom vorhanden, wird das Wasser wieder teils oder ganz aus der Hohlkugel gepumpt, so dass sie wieder für die Stromerzeugung einsatzfähig ist.

Eine leere Kugel entspricht dabei einer vollen Batterie. Durch dieses System könnte beispielsweise in der Nähe von Offshore-Windparks im Meer Strom gespeichert werden. Die wirtschaftliche Speicherung überschüssigen Stroms ist bisher eine zentrale Herausforderung im zukünftigen erneuerbaren Energiesystem.

Noch grössere Kugeln

Im nächsten Schritt wollen die Forscher eine noch grössere Kugel im Meer realisieren und dort längerfristige Tests betreiben, bevor das Verfahren kommerzialisiert werden soll. Derzeit würden noch mögliche Standorte anhand der Ergebnisse vom Bodensee genauer bewertet - etwa in Südeuropa oder auch in Norwegen, sagte Puchta.

«Wir haben uns aber noch nicht festgelegt. Man muss dabei das Kosten-Nutzen-Verhältnis betrachten und beispielsweise schauen: Wie ist die Entfernung zur Küste oder sind eventuell schon Kabel vorhanden?» Er rechne mit dem Start der Tests im Meer in etwa drei bis fünf Jahren.

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