19.06.2013 10:06
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Energie
Studie: Atomausstieg lohnt sich auch finanziell
Der Atomausstieg kommt für die Schweiz günstiger als die Beibehaltung des Status Quo. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES), die am Mittwoch in Bern den Medien präsentiert worden ist.

In der Studie wurde untersucht, wie sich die Kosten mit oder ohne Energiewende entwickeln werden. Untersucht wurde der Zeitraum bis 2050. Die Studienautoren haben jeweils berechnet, wie sich die Kosten mit gleichbleibenden respektive ansteigenden Energiepreisen verändern. Das Fazit: Die Energiewende lohnt sich spätestens ab 2040 auch finanziell. 

Mehrkosten durch Investitionen

Die Studienautoren gehen davon aus, dass bei einer konsequenten Energiewende der Stromverbrauch bis 2050 um 40 Prozent sinkt, auf 148 Terrawattstunden. Erneuerbare Energien sollen bis dann 60 Prozent des Strombedarfs decken, heute sind es 20 Prozent. 

Die Mehrkosten der Energiewende entstehen laut SES vor allem durch den Einsatz von effizienteren Technologien in allen Energiesektoren. So wären etwa Investitionen in Gebäudehüllen oder effizientere Fahrzeuge notwendig. Einsparungen ergeben sich hingegen dadurch, dass weniger Geld für nicht erneuerbare Energieträger in den Bereichen Wärme, Strom und Verkehr ausgegeben wird. 

Anfangs führe dies zu Mehrkosten von bis zu 1,4 Milliarden Franken pro Jahr. Die Einsparungen bei der Wärmeerzeugung, Elektrizität und Mobilität würden erst im Laufe der Zeit Wirkung zeigen. 

Bei Nicht-Wende nur 17 Prozent tieferer Verbrauch

Beim Szenario Nicht-Wende gehen die Studienverfasser davon aus, dass der Stromverbrauch bis 2050 nur um 17 Prozent gesenkt wird und erneuerbare Energien 35 Prozent ausmachen. In diesem Fall sind die grössten Kostenverursacher heute wie auch 2050 Energieträger für Verkehr, Elektrizität und Wärme. 

Weiter haben die Studienautoren für beide Szenarien berechnet, wie sich ein massiv höherer Ölpreis auf die Kosten der Energiewende auswirken würde. Bei einem Ölpreis von 210 US-Dollar pro Barrel (heute rund 100 US-Dollar) rentiere die Energiewende noch früher. In diesem Fall rechne sich die Energiewende bereits ab 2020 statt 2040 (Szenario Energiewende ohne Anstieg der Energiekosten). Jährlich könnten so im Vergleich zum Nicht-Wende-Szenario 374 Franken pro Person und Jahr eingespart werden. 

Geldabflüsse um 7 Milliarden reduziert 

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass es bei einer Energiewende zu einer «erheblichen Umlenkung der finanziellen Mittel für die Energieversorgung kommt». Im Inland werde - zum Beispiel für Effizienzmassnahmen - mehr ausgegeben. Dafür fliesse weniger Geld ins Ausland, da weniger Energieträger importiert werden. 

Die Geldabflüsse könnten somit mit der Energiewende um 7 Milliarden Franken reduziert werden. Ein Teil des Geldes werde eingespart, ein anderer Teil im Inland investiert, was ein grosses Wertschöpfungs- und Arbeitsplatzpotenzial mit sich bringe. 

Bund rechnet mit schlechteren Zahlen 

Bundesrat und Parlament haben im Jahr 2011 den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Das Schweizer Energiesystem muss demnach bis 2050 umgebaut werden. Dies soll mit Hilfe der «Energiestrategie 2050» gelingen. Ein erstes Massnahmenpaket hat zum Ziel, den Energie- und Stromverbrauch sowie den CO2-Ausstoss zu senken und erneuerbare Energien zu fördern. 

Die Energiestiftung kommt mit ihren Berechnungen zu einem positiveren Resultat als frühere Kosten-Studien zur Energiewende. Warum? «In einer Studie des Bundes wird zum Beispiel mit den Ölpreisen von 2010 gerechnet, wir haben die Preise von 2012 verwendet. Das macht bereits einen grossen Teil der Kostenunterschiede aus», sagt Studienautor Beat Meier, Inhaber der Firma «bemepro». 

Das Bundesamt für Energie hatte 2012 berechnet, dass die Energiewende bis 2050 direkte volkswirtschaftliche Mehrkosten von 51 bis 60 Milliarden Franken verursachen wird. Das sind gegen 1,5 Milliarden pro Jahr. Eine ETH-Studie im Auftrag des Verbandes «Swisscleantech» rechnet bei einer konsequenten Energiewende mit einem maximalen Wohlstandsverlust von 0,4 Prozent. 

ETH-Studie spricht von kleiner Verzögerung

Eine weitere ETH-Studie spricht von einer Verzögerung des Wachstumseffektes um ein Jahr. Wenn also die Stromversorgung umgebaut wird, der Atomausstieg bewerkstelligt und der CO2-Ausstoss massiv gesenkt, werde ein bestimmtes Einkommensniveau erst 2051 statt 2050 (ohne Energiewende) erreicht. 

«Andere Studien haben generell das Problem, dass die Preis- und Kostenannahmen kaum variierten», sagt Meier. Für eine verlässliche Aussage über die künftige Kostenentwicklung ist es aber wichtig, dass man von verschiedenen Entwicklungen ausgeht. Das haben wir mit der vorliegenden Studie nun gemacht.«

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