24.05.2017 15:58
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Mobiltelefonie
Sunrise verkauft Antennenmasten
Premiere in der Schweiz: Als erste Telekomfirma hierzulande verkauft Sunrise einen grossen Teil ihrer Handyantennenmasten. Mit dem Geld will die Nummer zwei der Branche die drückende Schuldenlast verringern, was die Aktionäre erfreut. Allerdings besitzt Sunrise dann nicht mehr die wertvolle Infrastruktur.

Eines stellte Sunrise-Chef Olaf Swantee am Mittwoch gleich von Anfang an klar: «Wir verkaufen nicht unser Mobilfunknetz.» Es gehe um die Auslagerung von Beton- und Stahlelementen. «Wir sind keine Immobilienfirma.»

Die eigentlichen Sendeanlagen an den Handyantennen blieben dagegen im Besitz von Sunrise. Diese werde man weiterhin selber managen, sagte Swantee im Gespräch. «Mit dem Deal können wir mehr investieren.» Man wolle sich darauf konzentrieren, die Spitzenposition in der Netzqualität hierzulande zu verteidigen, sagte Finanzchef André Krause.

Verkaufspreis von 500 Millionen

Konkret verkauft Sunrise 2239 seiner insgesamt 3600 Mobilfunkmasten für eine halbe Milliarde Franken an ein Konsortium, das mehrheitlich der spanischen Mobilfunknetzfirma Cellnex gehört. Weitere Aktionäre sind der Versicherer Swiss Life (28 Prozent) und die Deutsche Telekom (18 Prozent).

Die restlichen Handyantennen habe man nicht verkaufen können, weil sie entweder gemeinsam mit den Konkurrentinnen Swisscom und/oder Salt genutzt würden oder für Drittfirmen nicht interessant seien, sagte Krause.

Den Zugang zu den verkauften Sendemasten habe sich Sunrise mit einem 20-jährigen Servicevertrag gesichert. Der Vertrag könne um bis zu weitere 20 Jahre verlängert werden, sagte Krause.

In dem Vertrag sei auch vereinbart, dass Sunrise das Mobilfunknetz ausbauen oder bei Problemen jederzeit schnell reagieren könne, sagte Swantee. Einer Einführung neuer Technologien wie beispielsweise der fünften Mobilfunkgeneration 5G, die ab 2020 erwartet wird, stehe nichts im Wege. Auch um neue Antennenstandorte kümmere sich das Konsortium.

Keine Überraschung

Der Verkauf ist keine Überraschung. Sunrise hatte bereits im Januar bekannt gegeben, über eine Veräusserung nachzudenken. Mit der Transaktion betritt die Nummer zwei der hiesigen Branche Neuland in der Schweiz: Alle drei grossen Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt besassen ihre Antennenmasten bislang selber. Bei Swisscom und Salt ist ein solcher Verkauf gemäss früheren Angaben kein Thema.

In anderen Ländern gibt es den Trend zum Verkauf und Zurückleasen schon seit einigen Jahren. So hat etwa der französische Mobilfunkanbieter Bouygues im vergangenen Sommer mehrere hundert Masten in ländlichen Gebieten ebenfalls an die spanische Mobilfunknetzfirma Cellnex Telecom veräussert.

Dieses Modell habe sich anderen Ländern bewährt, sagte Swantee. Cellnex hat sich auf dieses Geschäft spezialisiert. Mit dem Sunrise-Deal bewirtschaftet die spanische Firma über 23'000 Antennenstandorte in Spanien, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Grossbritannien und neu auch in der Schweiz.

Das Geschäft erschien auch dem Versicherer Swiss Life attraktiv, der angesichts tiefer Zinsen händeringend gute Anlagemöglichkeiten für seine Gelder sucht. Infrastrukturanlagen böten einen langfristigen Investitionshorizont mit stabilen und prognostizierbaren Geldflüssen, was sehr gut zu den langlaufenden Verbindlichkeiten der Swiss Life passe, erklärte ein Konzernsprecher.

Bessere finanzielle Lage

Hauptgrund für den Verkauf war die Verbesserung der finanziellen Lage. Von den 500 Millionen Verkaufspreis will Sunrise 450 Millionen für den Schuldenabbau einsetzen. Damit spare man künftig Zinsen, sagte Krause. Und Sunrise könne heuer 30 Millionen Franken mehr investieren als bisher geplant. Das Geld solle in den Netzausbau und die Shops fliessen.

Auf der anderen Seite führt der Verkauf der Masten jedoch zu höheren Kosten. So schlagen die Gebühren für den Servicevertrag jährlich mit 35 Millionen Franken auf den Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA). In der Summe rechnet Sunrise nur noch mit einem bereinigten EBITDA von 577 bis 592 Millionen Franken für das Geschäftsjahr 2017. Das sind 18 Millionen weniger als bisher.

Gleichzeitig profitieren von dem Deal die Aktionäre, weil Sunrise die Dividende massiv erhöhen will. An der schwächeren Schweizer Börse legte die Aktie bis gegen 14.10 Uhr um 1,7 Prozent zu.

Analysten bewerteten den Deal wohlwollend. Der Schuldenabbau sei positiv. Wermutstropfen sei allerdings, dass der Telekomkonzern nicht mehr im Besitz der wertvollen Infrastruktur sei. «Wir hoffen daher, dass sich dieser Schritt für Sunrise strategisch nicht irgendwann einmal rächt», schrieb die Neue Helvetische Bank.

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