31.01.2019 11:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Julia Spahr
Gastronomie
Swiss Tavolata ist nicht am Ende
Landfrauen und Bäuerinnen werden weiterhin Gäste aus dem In- und Ausland bei sich auf dem Hof bekochen. Bei Swiss Tavolata geht es weiter, wenn auch mit einer neuen Geschäftsstelle und neuem Namen.

Landfrauen und Bäuerinnen bekochen auf ihren Betrieben Gäste mit hofeigenen und regionalen Produkten. Das ist das Konzept des Projekts Swiss Tavolata. Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) gründete den Verein Swiss Tavolata 2013 zusammen mit der Home Food Media GmbH. 

Übergabe an Gastgeberinnen

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) zahlte  in den vier Jahren von 2013 bis 2017 344'025 Franken an den Verein, der SBLV warf Mittel auf, und der Schweizer Bauernverband stellte Sandra Helfenstein für den Vorstand zur Verfügung. Eine Geschäftsstelle kümmerte sich um den Internetauftritt, die Buchungsplattform und verwaltete die Finanzen. Ein Gast buchte über die Internetseite und bezahlte direkt bei der Geschäftsstelle (76 Franken für ein Menü ohne Wein, 96 Franken für eines mit). So konnten die Gäste danach ohne Portemonnaie zu einer Landfrau essen gehen. Sie kümmerte sich nur um das Essen. Dafür gaben die Gastgeberinnen 20 Prozent des Menüpreises an die Geschäftsstelle.

Auch in diesem Jahr sollen die Gäste weiterhin zu den momentan 30 Gastgeberinnen essen gehen können. Das Projekt Swiss Tavolata läuft weiter. Der SBLV hat die Geschäftsführung allerdings an die Gastgeberinnen übergeben. Renate Wolf Knick, Leiterin der neuen Geschäftsstelle, sagt dazu: «Mit Swiss Tavolata geht es weiter. Das ist keine Frage.» Der neue Verein warte nur noch auf den Geschäftsabschluss des alten Vereins. 

Rückzug

«Sobald wir alle Informationen haben, werden wir offiziell über Neuerungen Auskunft geben. Für die Gäste wird sich jedoch wenig ändern, und die Swiss-Tavolata-Internetseite www.swisstavolata.ch bleibt bestehen», so Renate  Wolf Knick. Und – so viel könne sie schon verraten: In Zukunft heisse das Projekt «Swiss Tavolata – Landfrauen kochen für Sie».

Warum aber übernehmen die Gastgeberinnen nun die Geschäftsstelle? Im Hintergrund hat sich seit der Gründung 2013 einiges verändert. «Die Home Food Media hat sich bereits vor einem Jahr aus dem Verein zurückgezogen», sagt Christine Bühler. Sie war als SBLV-Präsidentin auch Präsidentin des Vereins Swiss Tavolata. Home Food Media habe von Anfang an den operativen Teil übernommen und über finanzielle Angelegenheiten entschieden. «Ich hatte dort bescheidenen Einfluss, und nach drei Jahren waren die Finanzen nicht mehr gesichert», so Bühler. 

Kritik an Abgaben

Barbara Eisl, die zusammen mit Brigit Langhart von Home Food Media Swiss Tavolata mit initiierte, nimmt auf Anfrage dazu Stellung: «Das Geschäftsmodell sah vor, dass innerhalb von zwei Jahren rund 150 Gastgeberinnen aktiv mitmachen würden. Diese Zahl haben wir zusammen mit den Verantwortlichen des SBLV erarbeitet. Trotz grosser Anstrengungen der Geschäftsstelle von Swiss Tavolata konnten nicht genügend Gastgeberinnen gewonnen werden.» Deshalb sei das Projekt finanziell nicht aufgegangen. Der SBLV führte den Verein nach dem Abgang von Home Food Media während eines Jahres weiter. «Wir konnten uns finanziell wieder stabilisieren, indem wir Marketingausgaben ganz zurückfuhren und die Geschäftsstelle einschränkten», sagt Bühler.  

Trotzdem scheint die Zusammenarbeit zwischen SBLV und den Gastgeberinnen nicht mehr funktioniert zu haben. Von einigen Seiten hört man, die 20 Prozent Abgaben seien den Frauen zu viel gewesen. Dagegen wehrt sich Bühler. «Eine Homepage aufzubauen, die Finanzen und Abrechnungen zu verwalten und die Buchungsplattform zu betreuen, braucht  Personal, und das kostet.» Auch auf den Vorwurf, der Mitgliederbeitrag von 300 Franken sei zu hoch, reagiert Bühler. «Die Zahl stimmt so nicht. Jede Frau zahlte 150 Franken Mitgliederbeitrag, die restlichen 150 kamen aus dem Beitrag des BLW.»

Gastgeberin bleiben

Auch Swiss-Tavolata-Gastgeberin Christa Strub aus Attelwil AG sagt: «Mir war der Beitrag von 20 Prozent nie zu viel. Ich wusste das ja von Anfang an, und die Geschäftsstelle hat vor allem am Anfang sehr viel geleistet.» Im letzten Jahr sei die  Kommunikation mit der Geschäftsstelle aber etwas schwierig geworden. «Für mich war das nicht so schlimm. Ich hatte viel zu tun und sehe die Tavolata nicht als eigenen starken Betriebszweig an, eher als Zustupf.» Die Frauen, die die Tavolata als Betriebszweig einplanten, hätten schon von Anfang an zusätzlich und selbst Werbung gemacht und auf ihr eigenes Netzwerk zurückgegriffen, so Strub.

Sie richte die Tavolatas aber sehr gerne weiter aus und werde auch unter der neuen Geschäftsstelle Gastgeberin bleiben. «Wir wissen zwar nicht so genau, wie es dann weitergeht. Wir werden aber das Inkasso selbst regeln müssen, dafür können wir die 20 Prozent behalten», so Strub. Genaues wisse sie aber noch nicht, das werde in der nächsten Zeit kommuniziert. 

Homepage nutzen

Auch Christine Bühler und der SBLV scheinen ein Interesse daran zu haben, dass es mit Swiss Tavolata weitergeht. «Die neue Geschäftsstelle und die Gastgeberinnen können die Internetseite, die wir aufgebaut haben, weiterhin nutzen, und wir verlinken auf unserer Homepage auf sie. Dafür verweisen sie wiederum auf uns und bleiben als Gastgeberinnen Mitglieder beim SBLV. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE