6.09.2017 07:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Datenerfassung
«Systeme sind zu komplex»
Vier Systeme gibt es für die Abwicklung der Direktzahlungen. Bei der Datenerfassung brauchen viele Bauern Hilfe.

Agricola ist das Agrarinformationssystem für Direktzahlungen von zwölf Kantonen: Graubünden, Aargau, Zürich, St.Gallen, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden und Tessin. Über das System, in das sich die Landwirte via Agriportal einloggen, werden jährlich Direktzahlungen im Umfang von über einer Milliarde Franken abgewickelt.

Bern will effizientes Vollzugssystem

Kürzlich haben sich die beteiligten Kantone auf eine weitere vertiefte Zusammenarbeit geeinigt. Dies auch, um Kosten zu sparen, denn Agrarinformationssysteme für die komplexe Agrarpolitik sind teuer. «Deshalb hätten wir es begrüsst, wenn sich weitere Kantone Agricola angeschlossen hätten», sagt Lukas Keller vom Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich. Nebst Agricola sind für den Agrarvollzug nämlich noch drei weitere Systeme im Einsatz: Lawis (Baselland, Luzern, Schaffhausen, Thurgau, Zug), Acorda (Genf, Jura, Neuenburg, Waadt) und Gelan (Bern, Freiburg, Solothurn). Der Kanton Wallis hat eine Sonderlösung.

Für Susanna Regli von der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern stand ein Wechsel von Gelan zu Agricola nicht zur Debatte: «Für den Kanton Bern besteht kein Handlungsbedarf. Als grösster Agrarkanton ist er auf ein effizientes Vollzugssystem angewiesen, das auf die Bedürfnisse der Nutzer   zugeschnitten ist und den Vollzug kantonaler Bestimmungen gewährleistet.» Gelan werde zwar nur in drei Kantonen eingesetzt, aufgrund deren Grösse  werde aber der Agrarvollzug für einen Viertel aller Ganzjahres- und Sömmerungsbetriebe der Schweiz bewältigt.

Schweizer Lösung hätte Geld gespart

Dass  sich die Schweiz vier Systeme leistet, hat nicht nur finanzielle Folgen. Konrad Ryser ist Inspektionsstellenleiter bei Agrocontrol, der Kontrollstelle für die Kantone Solothurn und Basel. «Je nach Wohnort der Bauern muss ich meine Kontrolldaten entweder bei Lawis oder bei Gelan eingeben», sagt er. Hinzu kämen noch die diversen Label-Datenbanken. «Ein Versuch, mit Basel zu Gelan zu wechseln, konnte nicht realisiert werden.»

Die Kontrollstellen hätten gehofft, dass der Bund ein einheitliches System schaffe. Da die Bundeslösung Acontrol aber nicht genügt habe, hätten sich die Kantone anderweitig orientiert, sagt Ryser: «Mit einer Schweizer Lösung hätte man Kosten sparen können.» Und er spricht ein weiteres Problem an: «Die Systeme sind zu komplex. Die Dateneingabe ist für die Bauern ohne Hilfe fast nicht mehr möglich. So passieren ohne bösen Willen Fehler, die schlimmstenfalls Beitragskürzungen zur Folge haben.»

 

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