23.05.2020 19:00
Quelle: schweizerbauer.ch - jgr
Coronavirus
Tierschützer wollen Schlachtviehmärkte verbieten
Wegen angeblicher Virengefahr fordert die Tierschutzorganisation Peta einzelne Gemeinden auf, die Schlachtviehmärkte zu schliessen.

Über 100 Schlachtviehmärkte finden jährlich im Kanton Bern statt. So auch in Aarberg, Biglen und Sumiswald. Letzte Woche bekamen die jeweiligen Gemeindepräsidenten Post von der Tierschutzorganisation Peta. Die Organisation fordere wegen Virengefahr die umgehende Schliessung der Schlachtviehmärkte, schreibt die Berner Zeitung. 

Gesundheitsrisiko

«Die Corona-Krise könnte nur ein erster Vorgeschmack auf das sein, was durch die Ausbeutung von Tieren immer öfter passieren könnte», zitiert die Berner Zeitung Lisa Kainz, Sprecherin von Peta Schweiz. Die Organisation glaubt, dass an Tiermärkten künftig noch mehr Krankheitserreger von den Tieren auf die Menschen überspringen werden.

Als Herkunft des Coronavirus wird ein Wildtiermarkt in der zentralchinesischen Stadt Wuhan vermutet, doch Peta Schweiz sieht ein Gesundheitsrisiko auch an Schweizer Märkten wo lebende Tiere zum Verkauf angeboten werden. 

Virus: Schweine und Hühner nicht empfänglich

Doch gemäss Gertraud Schüpbach, Professorin und Leiterin des Veterinary Public Health Instituts an der Universität Bern, spielen Nutztiere bei der Verbreitung von Covid-19 kaum eine Rolle. «Schweine und Hühner zeigten sich für das Virus bei Versuchen bisher nicht empfänglich.» Schüpbach verweist auf eine kürzlich durchgeführte Studie des deutschen Friedrich-Loeffler-Instituts.

Mit Kühen wurden bislang noch keine Tests gemacht. Aufgrund ihrer genetischen Veranlagung dürften aber auch sie kaum als möglicher Wirt des Virus infrage kommen, sagt die Expertin gegenüber der Berner Zeitung. 

Dass ein neuer Krankheitserreger einfach so von einem Tier auf einen Menschen überspringt, sei eher die Ausnahme als die Regel. Doch es gibt Ausnahmen, auch bei Nutztieren. «Bedenken gab es in den vergangenen Jahren vor allen wegen der Influenza-Viren», sagt Schüpbach. Diese anpassungsfähige und schnell mutierende Virengattung zirkuliert nicht nur beim Menschen, sondern in abgeänderter Form auch bei Schweinen (Schweinegrippe) und Hühnern (Vogelgrippe). 

Tweet von Köpfli

Die Kantonsbeiträge für Schlachtviehmärkte sind im Kanton Bern umstritten. In der letzten grossen Spardebatte im Herbst 2017 wurden die jährlichen Beiträge um gesamthaft 200’000 Franken gekürzt, aber nicht ganz gestrichen. Diesen Antrag stellte damals GLP-Grossrat Michael Köpfli (Wohlen). Im Budget 2020 sei für die Schlachtviehmärkte noch eine Gesamtsumme von 2,09 Millionen Franken vorgesehen, schreibt die Berner Zeitung. 

Köpfli stiess es sauer auf, als die Berner Regierung grünes Licht gab für die Durchführung der Schlachtviehmärkte. Zu dieser Zeit war der Entscheid, dass der Kanton Bern Kindertagesstätte und Eltern in der Corona-Krise unterstützen wird noch nicht gefällt. «Während die Situation für unzählige Selbständige, Veranstalter, Gastronomie oder Kindertagesstätten ungelöst ist, sorgt der Kanton Bern schon mal dafür, dass die Schlachtviehmarktsubventionen trotzdem fliessen», twitterte Köpfli am 17. April. jgr

Tierschutzorganisation Peta

People for the Ethical Treatment of Animals, abgekürzt Peta (englisch für „Menschen für die ethische Behandlung von Tieren) ist mit nach eigenen Angaben mehr als fünf Millionen Unterstützern weltweit die grösste Tierrechtsorganisation. Sie wurde 1980 unter anderem von der Aktivistin und Peta-Chefin Ingrid Newkirk gegründet und hat ihren Sitz in Norfolk, Virginia in den Vereinigten Staaten. Die Organisation ist als gemeinnützig anerkannt und daher von Steuern befreit. Sie finanziert sich fast ausschliesslich über Spenden. Büros existieren in Städten weltweit. Quelle: wikipedia.org

 

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