11.07.2014 08:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Trotz Lactofama ruft Emmi nach Branche
Das Milchaufkommen ist auch nach Beginn der Sömmerung hoch. Zwar hat die Lactofama mit ihrer Intervention Druck vom Markt genommen. Doch bei Emmi sieht man punkto Milchfettverwertung weiterhin schwarz.

Gemäss Marktlagebericht Milch vom Juni haben die Milcheinlieferungen im April 2014 gegenüber dem Vorjahresmonat um 22'718 Tonnen oder 7,5 Prozent zugenommen. Auch wenn für die Monate Mai und Juni noch keine offiziellen Zahlen vorliegen, scheint sich das hohe Produktionsniveau auch nach Einsetzen der Sömmerung im Juni fortgesetzt zu haben.

Butter bleibt Problem

«Bei Emmi lagen die Milcheinlieferungen im Juni über Vorjahr. Auch Juli und August dürften hoch bleiben, unter anderem auch aufgrund der beschlossenen Einschränkung bei der Emmentaler-Produktion. Die Differenz zu den entsprechenden Vorjahresmonaten wird jedoch abnehmen», sagt Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker. Zwar seien die Verarbeitungskapazitäten für die viele Milch vorhanden: «Allerdings fehlen Fettabsatzmöglichkeiten für zusätzliche Milch. Folglich wird sich die Branche weiterhin mit der Finanzierung der entstehenden Butterlager befassen müssen.»

3131 Tonnen mehr

Trotz Eingriff der Lactofama bleiben die Butterlager ziemlich voll.  In der Kalenderwoche 27 lagen 5815 Tonnen in den Kühllagern. Im Vorjahr waren es in der gleichen Woche 2684 Tonnen. Aktuell sind es also  3131 Tonnen mehr als im Vorjahr. sam

Lactofama nützlich

Auf die Frage, ob die Abräumung der Lactofama denn nichts gebracht habe, meint Umiker: «Lactofama hat verhindert, dass in der milchreichsten Zeit günstige Milch auf den Markt gekommen ist und damit einen allgemeinen Preisdruck hätte auslösen können. Aus dieser Optik war die Intervention von Lactofama erfolgreich.»

Auch die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) als Hauptaktionäre der Emmi bestätigen, dass viel Milch vorhanden sei. Zwar sei saisonal die Milch deutlich zurückgegangen, sagt Sprecherin Carole Aschwanden. Es sei aber tatsächlich der Fall, dass die Milcheinlieferungen im Juni und Juli deutlich über Vorjahr lägen. «Gründe dafür sind die guten Milchpreise, relativ tiefe Kraftfutterkosten und günstige Witterung sowie hohe Einschränkung beim Emmentaler», fügt sie an. Diese hohen Einschränkungsmilchmengen von den Emmentaler-Käsereien seien so nicht erwartet worden.

Markt ist käuferfreundlich

Auch bei den anderen grossen Milchhandelsorganisationen wird bestätigt, dass diesen Sommer viel Milch fliesst. Im Juni seien die Milcheinlieferungen bei der Nordostmilch hoch gewesen, sagt Geschäftsführer René Schwager. «Der Juli hat erst angefangen. Hier ist eine Aussage noch nicht klar.» Zwar sei die Verarbeitung der Sommermilch sicher problemlos möglich. «Es gibt aber keine Milchknappheit, und der Markt ist entsprechend käuferfreundlich», fügt er an.

Ähnlich tönt es bei der Aaremilch. «Ja, die Milcheinlieferungen liegen über Vorjahr», so Geschäftsführer Donat Schneider. Die Preise für Spotmilch lägen demnach deutlich unter Vorjahr. Miba-Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler weiss gar von vorübergehenden Engpässen bei der Verarbeitung zu berichten, welche aber behoben seien. Auch im Juli sei die Produktion tendenziell höher, jedoch noch nicht ganz abschätzbar, fügt er an.

Im Westen ist es besser

Im Westen der Schweiz tönt es zwar ähnlich, aber mit etwas anderem Akzent. Gemäss Cremo-Generalsekretär Michel Pellaux ist generell etwas zu viel Milch auf dem Markt: «Es sind etwa 4 bis 5 Prozent mehr Milch auf dem Markt als letztes Jahr zur gleichen Zeit. Die Situation bei uns im Westen der Schweiz ist aber nicht besorgniserregend.»

Die Lactofama habe mit ihren Butterexporten bis im Juni den Markt stabilisiert. Auch letztes Jahr sei nach Beginn der Sömmerung verhältnismässig viel Milch gekommen, dann aber sei das Milchvolumen doch noch zurückgegangen.

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