13.01.2013 15:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Milchmarkt
Überschüsse künftig selber managen?
Sollen die Milchproduzenten künftig Überschüsse aufkaufen, verbuttern lassen und auf eigene Rechnung exportieren? Mit einem solchen Projekt liebäugeln einige bereits seit 2011. Ob es nur bei der Idee bleiben wird?

Der Butterberg war Ende letztes Jahr weg. 60 Millionen Franken aus Milchbauers Taschen auch. Da von der Branchenorganisation Milch (BOM) aber noch nicht alle eingegangenen Rechnungen von Exporteurseite beglichen werden konnten, müssen die Milchbauern bis Ende April weiter einen Rappen je Kilo produzierte Milch in den Entlastungsfonds einbezahlen.

Für das aktuelle Jahr liegen ausserordentlich nur noch gerade finanzielle Mittel für den Export von etwa 400 Tonnen Butter bereit. De facto wird der C-Milchpreis bereits jetzt nicht mehr durch die BOM gestützt. Und so liegt der C-Richtpreis momentan bei 32,8 Rappen je Kilo.

Kritik an Exporten

Jetzt kommt Kritik an den vollzogenen Butterexporten auf. Kritik, man habe die Butter zum falschen Zeitpunkt zu schlechten Preisen auf den Weltmarkt gebracht.  Dies weil die Exporteure kein finanzielles Interesse hatten. Schliesslich glichen die Bauern die Preisdifferenz aus– grossmehrheitlich zumindest. Anderseits waren sich die Butterproduzenten der begrenzt verfügbaren Mitteln bewusst. Und weil sie nicht auf der Butter sitzen bleiben wollten, nutzten sie die Gelegenheit.

So könne das nicht weitergehen, findet etwa Roland Werner, Präsident der ThurMilchring AG. Er kritisierte jüngst in einem «Schweizer Bauer»-Interview, wie die Gelder ausgeschüttet werden. Er ist überzeugt, wer bezahlt, auch sagen kann, wann wie viel Butter exportiert wird. Soll es zu weiteren von Bauern finanzierten Butterexporten kommen, müsse man über die Bücher gehen.

Eigene Firma gründen

So denken viele in der Branche – zumindest auf Milchproduzentenseite. Auch der neue Geschäftsführer der Lobag Milch AG, Donat Schneider, liebäugelt mit einer Überschussverwertung in Produzentenhand. «Damit unsere Produzenten nicht C-Milch für 25 Rappen abliefern müssen», argumentiert er.

Hinter den Kulissen werden deshalb Pläne geschmiedet, die Überschüsse – insbesondere saisonale Überschüsse – selber aufzukaufen und dann zu einem günstigen Zeitpunkt zu exportieren. Dies würde das Festhalten an einem Entlastungsfonds und die Gründung einer eigenständigen Firma bedingen. Etwa einer Butterexport AG in Produzentenhand.

Stillschweigen vereinbart

Christoph Grosjean-Sommer, Sprecher der Schweizer Milchproduzenten (SMP), bestätigt, dass sich der SMP-Vorstand bereits seit 2011 Gedanken zu einem solchen Projekt mache. Doch dazu sei Stillschweigen vereinbart. «Für die Umsetzung jeglicher Marktmassnahmen, inklusive der Segmentierung, sind aber schlussendlich die Vermarktungsorganisationen und die BOM verantwortlich», fügt er an.

BOM-Geschäftsführer Daniel Gerber geht nach wie vor von jährlich bis zu 8'000 Tonnen überschüssiger Butter aus. «Die Branche muss dafür eine Lösung finden», sagt er. Mit der Segmentierung seien die Voraussetzungen für eine Finanzierung der Exporthilfe gewährleistet, und eine ergänzende Stützung über eine Fondslösung müsse jetzt rasch diskutiert werden.

Gerber erachtet es als machbar, dass die Produzenten die Überschüsse auf eigene Verantwortung abbauen. «Dazu müssen sie am selben Strick ziehen und einen breiten Konsens finden», sagt er. Gerber äussert aber Bedenken, bei Exportanstrengungen der Produzenten dürften keine wertschöpfungsstärkeren Exportmärkte der Verarbeitungsindustrie kannibalisiert werden.

Verarbeiter sind offen

Emmi, der grösste Milchverarbeiter der Schweiz und selber Butterexporteur, steht diesem Projekt offen gegenüber. «Beim Reguliergeschäft handelt es sich um ein wertschöpfungsarmes Geschäft. Es gilt jedoch zu bedenken, dass die (im Voraus zu erfolgende) korrekte Bestimmung der Überschussmenge eine grosse Herausforderung darstellt. Es besteht die Gefahr, dass allenfalls zu viel Milch als Überschuss disponiert und so unnötig Wertschöpfung vernichtet wird», schreibt Emmi auf Anfrage.

Ähnlich sieht es Lorenz Hirt, Geschäftsführer der Vereinigung Milchindustrie Schweiz. «Wenn die Milchbauern die Milch in den bestehenden Kapazitäten im Lohn verarbeiten lassen wollen, dann sehe ich persönlich keine Probleme», sagt er. Hirt weist aber auf die Schwierigkeiten im Exportgeschäft hin.

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