Montag, 27. Juni 2022
15.04.2019 19:24
Telekommunikation

Umfrage: Natel-Antenne auf Hof?

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In den kommenden Monaten und Jahren wird in der Schweiz der neue Mobilfunkstandard 5G implementiert. Dieser verspricht mehr Leistung. Es werden aber tausende neue Antennen benötigt. Würden Sie auf Ihrem Landwirtschaftsbetrieb eine Mobilfunk-Anlage bauen lassen? Abstimmen und mitdiskutieren

In der Mobilfunkbranche steht ein Umbruch bevor. Bereits sind die Anbieter Swisscom und Sunrise daran, in urbanen Räumen ihre Antenne auf den neuen Standard 5G umzurüsten. Die «fünfte Generation» (5G) ermöglich eine deutliche Verbesserung der Datenübertragung.

Doppelt so schnell wie 4G+

Der neue Mobilfunkstandard bietet eine weit höhere Geschwindigkeit als seine Vorgänger 3G bis 4G+. Wie die «NZZ» berichtet, will Swisscom Geschwindigkeiten von bis zu 2 GBit/s ermöglichen. Der Download eines hochauflösenden Films würde nur noch rund eine Minute dauern. Das ist aber nur bei optimalen Bedingungen so. 5G ist in der Praxis etwa doppelt so schnell wie 4G+, dem heutigen Standard.

Die neue Technik soll auch an Orten, die nicht mit Glasfaser über das Festnetzt erschlossen sind, einen raschen Datenverkehr ermöglichen. Dies soll nun über das Handynetz erfolgen.

Maschinen vernetzen

Viel wichtiger als die Geschwindigkeit ist aber die kurze Latenzzeit. Das ist jene Zeitdauer, die zwischen einem Ereignis und einer Reaktion verstreicht. Bei 4G-Netzen sind es 5 bis 10 Millisekunden. In einem 5G-Netz soll die Latenzzeit noch bei rund einer Millisekunde liegen, schreibt die «NZZ».

Der 5G-Standard wird es ermöglichen, Maschinen und Roboter zu vernetzten. Und das ist auch für die Landwirtschaft interessant. Das Smart Farming, also der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie bei der Feld- und Hofarbeit, ist eine gute Abdeckung vonnöten. «Nur mit Smart Farming sind noch enorme Effizienzgewinne möglich, die für das Überleben kleiner Anbieter am Ende entscheidend sein können», sagt beispielsweise der Landtechnikkonzern Claas. Dazu sind aber genügen Sendemasten unabdingbar.

Tausende neue Antennen

Und das dürfte viele rote Köpfe sorgen. «Wir gehen davon aus, dass ohne Anpassung der Anlagegrenzwerte rund 15’000 zusätzliche Mobilfunkstandorte neu gebaut werden müssen», sagte Christian Grasser, der Geschäftsführer des Branchenverbands Asut, im Februar 2019 zur «NZZ am Sonntag». Die bestehenden Anlagen stiessen an ihre Leistungsgrenzen, weil der mobile Datenkonsum stark steige und die Sendeleistungen sich aufgrund strenger Strahlenschutzvorschriften nicht erhöhen dürften.

Höherfrequente Mikrowellen haben nur eine geringere Reichweite und durchdringen Baumasse nur schlecht. Deshalb sollen solche Sendeanlagen wohnungsnah installiert werden. Das erfordert Tausende neue Sendeanlagen. Das Erstellen eines neuen Sendemasts benötigt mit den hiesigen Baubewilligungsverfahren jedoch viel Zeit.

Forscher sehen keine Gesundheitsrisiken

Auch bezüglich Gesundheit gibt Bedenken. Die biologische Wirkung der elektromagnetischen Strahlung hängt aber von der Stärke und Frequenz ab und nicht von der Technologie. Es gibt zwar Studien, die einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischer Strahlung und gesundheitlichen Schäden nahelegen.

«Es gibt keine Indizien dafür, dass 5G stärkere oder andere Auswirkungen hat als bisherige Netze», sagte Martin Röösli, Experte für Mobilfunk am Tropen- und Public-Health-Institut in Basel, vergangene Woche zum «Tages-Anzeiger». Für die bisherige Mobilfunknutzung finden sich nur wenig Hinweise auf mögliche Risiken. Auch ein Krebsverdacht konnte nicht erhärtet werden.

Ritter skeptisch

Skeptisch eingestellt gegenüber Mobilfunk und insbesondere gegen Antennen mit 5G-Technologie ist der Präsident des Schweizer Bauernverbandes, Markus Ritter. «Mir macht diese massiv steigende Anzahl Antennen Sorgen. Die Intensität der Strahlung wird deutlich zunehmen. Welche Konsequenzen dies für Mensch und Tier haben wird, wissen wir nicht», sagte er jüngst gegenüber «Schweizer Bauer».

Für das Erstellen von Sendemasten brauchen die Telekomanbieter neue Standorte. Standorte bei landwirtschaftlichen Gebäuden stehen auch im Fokus. Für die Bauern könnte dies einen finanziellen Zustupf bedeuten.

Entschädigung: Keine allgemeine Höhe

Wie hoch fällt die Entschädigung aus, wenn ich eine Mobilfunkantenne auf dem Hof habe? «Es kann keine allgemeine Antwort dazu gegeben werden. Die Entschädigung kann frei vereinbart werden. Immerhin kann gesagt werden, dass verschiedene Eigenschaften wie Standort, Region sowie Bedeutung der Anlage für den Mobilfunkanbieter die Entschädigungshöhe mitbestimmen», sagt Ruedi Streit, stellvertretender Bereichsleiter Bewertung & Recht beim Schweizer Bauernverband, zu schweizerbauer.ch.

Eine Vorgabe zu Entschädigungshöhen gibt es laut Verband nicht. Ein Merkblatt von Agriexpert enthält wichtige Informationen zu Verträgen über Mobilfunkanlagen. Wie viele Antennen tatsächlich auf Landwirtschaftsbetrieben stehen, ist dem Verband unbekannt. Soll man als Landwirt verzichten? «Der Verband keine Empfehlung dazu ab. Wenn sich die Frage nach dem Abschluss eines Vertrages über eine Mobilfunkanlage stellt, ist zu empfehlen, dem Vertrag die nötige Aufmerksamkeit zu widmen», hält Streit fest.

Ritter toleriert keine Antenne auf seinem Hof

Markus Ritter hat seine Meinung zum Thema bereits gefasst. Und diese ist unmissverständlich. «In der Nähe unseres Wohnhauses und des Stalles möchte ich keine solche Antenne. Ich habe grossen Respekt vor möglichen Auswirkungen. Ist die Antenne einmal installiert, bringt man sie kaum mehr weg», sagte er zu «Schweizer Bauer». Ein im Sommer erscheinender Bericht zu den Auswirkungen von 5G des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) soll mehr Infos bringen.

Würden Sie auf Ihrem Hof eine Mobilfunkanlage zulassen? Wenn ja, warum? Oder ist Ihnen das Risiko zu gross? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Einführung von 5G hat auch die Kontroverse um die gesundheitliche Gefahr durch Mobilfunkstrahlung wiederbelebt. Die Parlamente in den Kantonen Genf und Waadt haben ihre Regierungen im April dazu aufgefordert, ein Moratorium für die Installation von 5G-Antennen auf Kantonsgebiet zu erlassen beziehungsweise zu prüfen. 

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