6.02.2018 17:40
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Umfrage: Soll Kanton Bauer bleiben?
Mehrere hundert Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) bewirtschaftet der Kanton Bern noch selbst. Mitglieder des Grossen Rats wollten dies ändern. Doch sie scheiterten. Soll der Staat noch Agrarflächen bewirtschaften? Oder soll dies nicht mehr möglich sein? Mitdiskutieren und abstimmen.

Der Kanton Bern bewirtschaftet insgesamt 867 Hektaren Landwirtschaftsland. Der mit Abstand grösste Betrieb ist jener der Strafanstalt Witzwil im Berner Seeland mit rund 700 Hektaren. Die Justizvollzugsanstalt Witzwil ist eine offene Strafvollzugsanstalt für 184 erwachsene Männer.

Kein Grundauftrag des Staates

Einige Berner Grossräte sind der Meinung, dass die Bewirtschaftung von landwirtschaftlicher Nutzfläche nicht zum Grundauftrag des Staatswesens gehöre. Gemüseproduzent Jakob Etter aus Treiten BE, Landwirt Bernhard Riem aus Iffwil BE und Landwirt Ulrich Stähli aus Köniz reichten deshalb Postulat ein. Die BDP-Grossräte wollten wissen, wie sich eine parzellenweise Verpachtung der staatlich bewirtschafteten Landwirtschaftsflächen an private Landwirte in finanzieller, personeller, struktureller Hinsicht auswirkt. Überprüft werden sollte dies von einer neutralen Stelle.

Ebenso sollte die Selbstversorgung der Staatsbetriebe berücksichtigt werden und berechnet werden, wie viele zusätzliche Direktzahlungen durch die Verpachtung in den Kanton Bern geholt werden könnten (Witzwil erhält nur Biodiversitäts- und Landschaftsqualitätsbeiträge).

Bauern und Staat profitieren

Witzwil sei die letzte Kolchose Westeuropas, monierte Riem im Grossen Rat. Die drei Bauern sind der Ansicht, dass der Kanton seinen Auftrag auch mit 200 bis 250 ha ausführen könnte. Die übrigen 550 bis 600 ha könnten anschliessend parzellenweise Bauern verpachtet werden. Aus der Sicht der drei Bauern eine Win-Win-Situation. Denn mit einer Verpachtung spare der Kanton und die Bauern profitierten.

«Lassen wir die Landwirtschaft noch Landwirtschaft sein»

Der Regierungsrat empfahl das Postulat zur Ablehnung. Die grosse Mehrheit (SVP, FDP, SP und Grüne) folgte in der Januarsession der Regierung. Lediglich die BDP, die GLP und einige SVP-Grossräte waren dem Postulat wohlgesinnt. Der Entscheid des Rates fiel mit 113 Nein- zu 22 Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen klar aus.

Witzwil sei ein Vorzeigeobjekt für die Ökologie, sagte Fritz Ruchti (SVP) während der Debatte im Grossen Rat. «Wir wollen als Kanton noch ein bisschen Fläche haben, auf der wir über die Bewirtschaftung selbst bestimmen können», führte er weiter aus. Der Betrieb sei wichtig für die Resozialisierung im offenen Strafvollzug. Und: ««Lassen wir auf diesem Betrieb die Landwirtschaft noch Landwirtschaft sein, lassen wir diese Grösse sein.» Bei nur noch 30 ha könnten sich die Leute nicht mehr bewegen, so Ruchti

Chance für Wachstum verhindert

Der Seeländer Gemüseproduzent Etter ist enttäuscht. «Mit der Zupacht von Staatsland hätten zahlreiche Betriebe im Seeland die Chance bekommen, ihre Strukturen zu verbessern und damit marktgerechter zu produzieren.» Die Voraussetzungen würden durch diesen Entscheid verwehrt.

Sollen Kantone Agrarflächen selber bewirtschaften? Oder wäre eine Verpachtung nicht besser, damit bestehende Betriebe sich entwickeln könnten? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab. 

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