8.10.2015 14:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sum/sda/blu
St. Gallen
«Unternehmerische Landwirtschaft braucht Freiraum»
In St. Gallen hat am Donnerstag die 73. Olma begonnen. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga verzichtete auf die Eröffnung und liess stattdessen Bundesratskollege Johann Schneider-Ammann den Vortritt. Die Olma dauert elf Tage. Erwartet werden 400‘000 Besucher.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann eröffnete die diesjährige Olma am Donnerstag im voll besetzten Stadttheater St. Gallen.  Es war das erste Mal, dass nicht der Bundespräsident oder die Bundespräsidentin – derzeit Simonetta Sommaruga – den Weg nach St. Gallen unter die Füsse respektive die Räder nahm.

Die Regel, dass der jeweilige Bundespräsident die Olma und den Autosalon eröffne sowie am Cupfinal anwesend ist, kippte der Bundesrat Ende 2014 aus dem Pflichtenheft für das Präsidium. Schneider-Ammann genoss den Auftritt an der Ostschweizer Landwirtschaftsmesse sichtlich. Es habe ihn ausserordentlich gefreut, dass ihn die Bundespräsidentin nach St. Gallen delegiert habe, stellte er klar.

Schneider-Ammann will Bürokratie verringern

Die Freude war einseitig und wurde von besagtem Ferkel nicht erwidert. Es quietschte aus voller Kehle beim obligatorischen Fototermin. Christian Manser, Leiter der Olma-Tierausstellung, führte den Bundesrat auch noch durch die Reihen der Elitekühe. Deren Ausstellung findet dann am Freitag nächster Woche statt.

In seiner Eröffnungsrede meinte Schneider-Ammann in Anbetracht der schwierige Situation im Milch- und Zuckermarkt, es müsse möglich sein, in diesem Land weiter Zucker produzieren zu können. Doch: „Ich den Staat nur soweit nötig im Spiel haben.“ Eine unternehmerische Landwirtschaft brauche Freiraum und den Abbau bürokratischer Hürden. Er werde dem Bundesrat noch vor Ende Jahr Anpassungsvorschläge zur Verringerung der Bürokratie in der Verordnung machen.

Bauern brauchen stabile Rahmenbedingungen

Von den Bauern forderte Schneider-Ammann unternehmerisches Handeln. Vor dem Hintergrund eines ausgeglichenen Staatshaushalts könne er aber nicht garantieren, dass nicht auch bei der Landwirtschaft gespart werden müsse. Der Landwirtschaftsminister äusserte sich auch zur Initiative «Für Ernährungssicherheit», welche vom Schweizerischen Bauernverband als Reaktion auf die Agrarpolitik 2014-2017 lanciert wurde. Die Ernährungssicherheit erlaube der Schweiz die höchst mögliche Unabhängigkeit.

Der Aargauer Regierungsrat und Landwirtschaftsdirektor Roland Brogli betonte, den Bauern werde zu Unrecht nachgesagt, dass sie gerne jammern. „Ich habe mit unseren Aargauer Bauern andere Erfahrungen gemacht -  und dabei immer wieder erlebt, wie sie sich trotz ändernden Rahmenbedingungen dem Markt stellen.“ Sein Kanton habe eine leistungsfähige und innovative Landwirtschaft, so Brogli. Doch die Bauern bräuchten die Rahmenbedingungen, um eigeständig und nachhaltig zu produzieren. Hier sei eine klare Haltung der Politik gefordert.

400‘000 Besucher erwartet

Die Olma dauert elf Tage und wird gegen 400'000 Besucherinnen und Besucher anlocken. Auf einer Fläche von 27'000 Quadratmetern präsentieren sich 630 Aussteller. Gastkanton an der 73. Ausgabe ist der Aargau mit einer Sonderschau unter dem Motto «Kanton Aargau - Menschen machen Zukunft». Zum Auftritt gehört am Samstag der traditionelle Olma-Umzug mit rund 1600 Teilnehmenden. Zu sehen gibt es über 20 Sonderschauen, viele Informationsstände sowie Präsentationen von Produkten. Die 73. Olma dauert bis am 18. Oktober.

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