26.01.2016 16:27
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
User möchten Lactofama abschaffen
Die Mehrheit der User von schweizerbauer.ch erachtet die Lactofama als überflüssig. Die Bauern müssten sich selbst organisieren, so der Tenor der Kommentierenden. Auch unter den Produzenten wird der Widerstand gegen die Exportfirma lauter.

Die Lactofama AG sei eine Selbsthilfeorganisation mit dem Ziel, saisonale Ungleichgewichte auf dem Markt abzufedern, hiess es vonseiten der Schweizer Milchproduzetnen SMP im März 2014. „Lactofama ist somit kein Ersatz für eine marktgerechte Produktion auf Stufe der Milchproduzenten“, wurde betont. Das Unternehmen stehe im Dienste der Schweizer Milchproduzenten zur Förderung der Wertschöpfung in der gesamten schweizerischen Milchwirtschaft.

67,5 Mio. Kilo Milch abgeräumt

Lactofama verwertet nur Milch, „welche den saisonalen Inlandbedarf übersteigt ("C-Milch")“, lautet das Ziel des Unternehmens. Sie dient den Aktionären als Alternative auf dem Markt.

„Lactofama hat bei der Umsetzung der Massnahmen ihre Eigenständigkeit stets gewahrt und gleichzeitig im übergeordneten Interesse der Milchproduzenten und der Milchbranche gehandelt“, teilten die SMP im März 2015. Das Unternehmen hat 2015 den Milchfettmarkt um rund 67,5 Mio. Kilo C-Milch bzw. um 3425 Tonnen Butter entlastet. Im Kalenderjahr 2014 wurde insgesamt 42,4 Mio. kg C-Milch abgeräumt.

Widerstand wächst

In den vergangenen Wochen regte sich Widerstand gegen das Unternehmen. Ein Grund dafür ist der Widerwillen, dass die Last der Überschussverwertung von allen Produzenten gleichermassen getragen wird. Einige Bauern sind nicht mehr bereit, die Beiträge zu bezahlen. Man habe nichts gegen die gemeinsame saisonale Überschussverwertung, erklärte Godi Siegfried, der Präsident der PMO Züger/Forster, Anfang Januar 2016. „Dass aber die Schweizer Milchproduzenten (SMP) durch das Hintertürchen „Delegiertenversammlung“ entschieden haben, dass dieses „Kässeli“ auch von denjenigen zu speisen ist, die nicht Lactofama-Aktionäre sind, verstehe ich nicht“, so Siegfried.

Auch wurden Stimmen laut, die besagten, dass die Michhandelsfirmen Miba und die Nordostmilch aus der Lactofama austreten würden. Die beiden Organisationen dementierten dies. Man werde wie beschlossen bis Ende April 2016 die Lactofama unterstützen, teilte die Nordostmilch mit. Die beiden Unternehmen werden fusionieren. Zusammen werden sie rund 20 Prozent der Schweizer Milchmenge kontrollieren.

57 Prozent der schweizerbauer.ch-User für Abschaffung

SMP-Direktor Kurt Nüesch warnte aber eindringlich vor einem Ende des Exportunternehmens: «Es ist absehbar, dass ohne eine Marktentlastung via Lactofama diesen Frühling mit zusätzlichem Preisdruck und Preissenkungen auf breiter Front gerechnet werden müsste.»

Eine nicht repräsentative Umfrage auf schweizerbauer.ch ergab ein deutliches Bild. Für 57 Prozent der Teilnehmenden gehört die Lactofama abgeschafft. 14 Prozent sind sich nicht sicher. Nur rund 26 Prozent erachten es als wichtig, dass das Unternehmen weiter am Markt agiert. Insgesamt haben 239 User an der Abstimmung teilgenommen.

Bauern müsse sich organisieren

Zum Thema Lactofama wurde eifrig kommentiert. Einige der User fordern, dass sich die Produzenten selber organisieren sollen. „Wir Bauern müssen uns bestmöglich organisieren, sonst gehen wir alle drauf“, ist User „Ueli de Knecht“ der Ansicht. Auch „Fredy“ ist der Meinung, dass sich die Bauern selber helfen müssen. Nicht mehr der Bund regle die Milchmenge, sondern das sei nun die Aufgabe der Milchbauern.

Um die Solidarität unter den Produzenten sei es nicht gut bestellt, halten die Kommentatoren fest. „Im Moment ist nun einmal so, dass jeder gegen jeden ist“, betont der „Realist“. Andere User wie der „Voralpiner“ scheren sich um das Thema Solidarität. „Ich melke, und der Rest kann mich mal. Ich brauche keine Lactofama.“

Andere Kommentatoren hingegen fordern eine Mengenregulierung. Ohne Markteingriff gäbe es immer schlechte Preise, hält „der Produzent“ fest. Zudem würden die Verbände teilweise gegen die Bauern arbeiten. „Die Politik in Bern will den Strukturwandel und unsere Verbände helfen noch mit“, moniert der „Realist“. Hans von Bühl erachtet die Verbände als unnütz. Einige User monieren, dass die Lactofama nur den Händlern und Verarbeitern nütze.

Vereinzelte Stimmen stützen aber das Exportunternehmen. Alle würden gegen die Lactofama kämpfen, weil sie meinten, nur der Milchpreis der anderen sinke. „Resultat: Der A-Richtpreis sinkt und alle haben weniger Milchgeld“, mahnt der „Schweizermilchproduzent“. „Scheitert Lactofama, wird der Milchpreis sinken“, mahnt Bergbauer Fred.

Lactofama AG

Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) haben Anfang März 2014 zusammen mit den grössten Milchvermarktungs- und Produzentenorganisationen das Exportunternehmen Lactofama AG gegründet. Dieses befasst sich einzig mit dem saisonalen Export von Milchfett, das den Inlandbedarf übersteigt. Ende November 2014 haben die Delegierten der Schweizer Milchproduzenten die Finanzierung bis Ende April 2016 verlängert.

Lactofama AG ist eine gemeinsame Exportgesellschaft von Aaremilch AG, Arnold Produkte AG, Nordostmilch AG, Milchverband der Nordwestschweiz MIBA, Berner Emmi-Milchlieferanten Organisation Bemo, Milchproduzenten Mittelland MIMO, PMO Zentral-/Nord- und Ostschweiz ZeNoOs, Prolait Fédération laitière société coopérative, Fédération des sociétés fribourgeoises de laiterie FSFL, Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP, Producteurs de lait des Laiteries Réunies LRG, Biomilchpool GmbH, Association des producteurs de lait de Cremo du Valais APLCV und Schweizer Milchproduzenten SMP.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE