12.01.2016 06:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Verbände
Verbandsbeiträge summieren sich
Es braucht starke Verbände für eine wirksame Interessenvertretung. In der Summe ergeben sich für die Bauern aber beachtliche Beiträge, die nicht immer goutiert werden. Die grossen Summen fliessen dabei ins Marketing.

Es gibt Bauern, die, auch geplagt von Liquiditätsproblemen auf ihren Betrieben, gar keine Verbandsbeiträge mehr bezahlen möchten. So etwa ein Landwirt aus dem Kanton St. Gallen, der sagt, die hohen Summen würden zur Belastung (vgl. Tabelle). Die Schwierigkeit der Verbände besteht auch darin, ihre Tätigkeiten sichtbar zu machen.

Aufgaben wie die Beziehungspflege (z.B. mit Politikern oder mit Marktpartnern) können nicht in der Presse ausgebreitet werden. Zu bedenken ist, dass Verbände für das Marketing vom Bund nur Unterstützung erhalten, wenn sie mindestens 50 Prozent der Mittel selbst aufbringen können.

«Erschütterung kommt»

Andreas Wyss ist Geschäftsführer des Berner Bauernverbands (BEBV), der den Bauern jährlich eine Rechnung für seine Mitgliederbeiträge zustellt (in 14 Kantonen werden diese ja von den Direktzahlungen abgezogen). Kürzlich machte Wyss dazu ausgerechnet in der Verbandszeitung «BauernZeitung» die folgende brisante Aussage: «Dort, wo die Beiträge einfach kommen, ohne dass man sich anstrengen muss, ist die Motivation nicht so gross, sich einzusetzen. Das Geld kommt ja einfach. Aus Sicht des Bauern denke ich, soll er aufgrund unserer Leistungen entscheiden können, ob er die Rechnung bezahlen will oder nicht. Was das angeht, denke ich, dass die Verbandswelt in den kommenden Jahren erschüttert werden wird. Das muss so sein, so selbstkritisch sollte die Verbandswelt sein.»

Wie meint er das genau? Auf Anfrage erklärt Wyss: «Aus vielen Gesprächen mit Landwirten stelle ich fest, dass die Bereitschaft, allgemeinverbindliche oder produktgebundene Beiträge zu bezahlen, nicht zunimmt.»

«Junge sind kritischer»

Die kommende Generation der Betriebsleiter sei diesbezüglich kritischer, so Wyss. Wegen der vielerorts sehr angespannten finanziellen Lage auf den Betrieben sei es auch verständlich, wenn die Beiträge hinterfragt würden. Er stellt aber fest: «Die meisten Bauern, die mit uns (dem BEBV) sprechen, bezahlen danach, weil wir ihnen aufzeigen konnten, was wir alles tun.»

Die wachsende Skepsis könnten die Verbände aktiv angehen oder warten, bis sie dereinst reagieren müssten. Wyss betont: «Es ist die Verantwortung der Verbände, sich laufend auf Effizienz zu trimmen.» Beispielsweise hätten mit der Auflösung der PO Lobag und deren Integration in den BEBV eine Viertelmillion Franken Beiträge von den Bauern eingespart werden können. Klar ist: Die Marktpartner wie Molkereien und Detailhändler sind auf jeden Fall organisiert, und zwar schlagkräftig.

Nur für 2 Jahre allgemeinverbindlich

Der Bund unterstützt vier Landwirtschaftsorganisationen, indem er die Beiträge für die Finanzierung ihrer Kommunikationsmassnahmen für allgemeinverbindlich erklärt. Das heisst, dass auch Nichtmitglieder zahlen müssen. Am 11. Dezember hat der Bundesrat diese Massnahmen verlängert. Es profitieren der Schweizer Bauernverband, die Schweizer Milchproduzenten, Emmentaler Switzerland und GalloSuisse. Allerdings hat der Bundesrat die Allgemeinverbindlichkeit nur für zwei Jahre und nicht wie von den Organisationen begehrt um vier Jahre gewährt.

Niklaus Neuenschwander, Fachbereichsleiter beim BLW, erklärt dazu, das Parlament habe im Rahmen der AP 14–17 die Bedingungen für eine Ausdehnung der Selbsthilfemassnahmen verschärft. Trotzdem sei der Bundesrat zum Schluss gekommen, dass die Voraussetzungen gegeben seien. Denn die momentan teilweise schwierige Lage auf den Märkten habe die Gefährdung der Massnahmen erhöht. Aber der Bundesrat erwarte, dass sich die Branchen an die Auswirkungen der Frankenaufwertung anpassten. 

Der Bundesrat schrieb am 11. Dezember: «Die Bereitschaft der Mitglieder, sich an den gemeinsamen Selbsthilfemassnahmen zu beteiligen, sinkt.» Neu steht im Gesetz, dass die Selbsthilfemassnahmen gefährdet sein müssen. Vorher reichte es, wenn die Selbsthilfemassnahmen gefährdet werden könnten. Für diese Verschärfung engagierte sich u.a. der mittlerweile abgewählte Jean-René Germanier (FDP, VS), Mitglied der Migros-Verwaltung. sal

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