19.01.2015 07:27
Quelle: schweizerbauer.ch - rab, gro
Milchmarkt
«Verheerende Auswirkungen»
Mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sackten diverse Währungen am Donnerstag ab. Stephan Kohler von der Branchenorganisation Milch hat berechnet, welche Auswirkungen dies für die Milchbauern haben könnte.

Überraschend hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag entschieden, den Mindestkurs des Schweizer Frankens zum Euro fallen zu lassen. In der Folge ist der Wert des Frankens unter anderem gegenüber dem Euro und dem US-Dollar um 15 bis 20% gestiegen. «Der massiv stärkere Franken hat unmittelbare Auswirkungen auf den Schweizer Milchmarkt», prognostiziert Stephan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM).

B- und C-Preis dürften deutlich sinken

Berechnungen von Kohler zeigen, dass bei einem Dollarkurs wie gestern von 88 Rp. der B-Milch-Preis gegenüber Dezember (Kurs 1.02 Fr.) um 2,5 Rp. auf 48,8 Rp/kg. sinken würde. «Unter der Annahme, dass 13% der Schweizer Milch im B-Segment eingekauft werden, führt dies zu einer Wertschöpfungs-Vernichtung von rund 11 Mio. Fr.», zeigt Kohler auf.

Noch drastischer wirkt sich die Situation auf den C-Milch-Preis aus. Nebst dem Dollar- hat hier der Eurokurs eine verstärkte Wirkung auf die Preisbildung. Der BOM-Geschäftsführer rechnet damit, dass ein Eurokurs von 1.02 Fr. bzw. ein Dollarkurs von 88 Rp. den C-Milch-Preis um 3,7 Rp. auf 20,1 Rp./kg. reduziert.

Mehr Mittel für Schoggigesetz

Was die Aufhebung des Mindestkurses für das A-Segment bedeutet, ist für die Branche derzeit schwer einschätzbar. Sicher ist, dass sowohl Importe als auch der Einkaufstourismus für Handel bzw. Konsumenten attraktiver werden. Den Importdruck werden in erster Linie die gewerblichen Käsereien zu spüren bekommen. Für den LTO+-Preis, also für den Mindestpreis für verkäste Milch, geht Kohler bei einem Eurokurs von 1.02 Fr. von einem Preisrückgang von 6,3 Rp. auf 49,8 Rp/kg aus. Für Kohler ist zudem klar, dass die im Rahmen des Schoggigesetzes aufgewendeten Bundesmittel im Umfang von 70 Mio. Fr. jährlich nicht mehr ausreichen werden.  

Ob die Aufhebung des Mindestkurses für die Schweizer Landwirtschaft auch Vorteile punkto Produktionsfaktoren bringt, bleibt abzuwarten. Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband sieht diesbezüglich durchaus Potenzial, beispielsweise bei Dünger oder Pflanzenschutzmitteln. «Wo die Landwirtschaft jetzt aber unbedingt aufpassen muss, ist, dass unter dem Deckmantel des Wechselkurses kein ungerechtfertigter Druck auf die Produzentenpreise ausgeübt wird», so Rufer. Die Aufhebung des Mindestkurses dürfte für alle Branchen in der Landwirtschaft mehr oder weniger gravierende Folgen haben.

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