18.02.2015 12:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Viele müssen C-Milch liefern
Die Milchpreise werden im Februar nur noch rund 50Rp./kg betragen. Ein Grund sind hohe Anteile von Milch im B2- oder im C-Segment. C-Milch müsste eigentlich niemand liefern. Doch die meisten können nicht ausweichen.

Die Meldung im «Schweizer Bauer» vom Samstag liess aufhorchen: Emmi bezahlt im Februar nur noch einen C-Milch-Preis von netto 10 Rp./kg nach allen Abzügen. Im Gegensatz zu anderen Molkereien oder Milchhändlern herrscht bei den Emmi-Direktlieferanten damit immerhin Transparenz. Und die Emmi-Direktlieferanten müssen die C-Milch nicht zwingend abliefern, auch wenn sie dafür Mengeneinbussen in Kauf nehmen müssen.

Freiwlligkeit müsste gewährleistet sein

Eigentlich wäre das gemäss Reglement Segmentierung der Branchenorganisation Milch (BOM) der Normalfall. Denn dort steht wortwörtlich: «Die Freiwilligkeit der Lieferung von C-Milch durch den Milchlieferanten (Erstmilchkauf) /die Milchlieferantenorganisationen (Zweitmilchkauf) muss gewährleistet sein.» Die Realität ist eine andere.

Die meisten Produzentenorganisationen bezahlen für die Vertragsmenge einen Mischpreis, der A- und B-Milch und derzeit wohl auch C-Milch umfasst. Wer sein Lieferrecht nicht ausnutzt, verliert dann auch  A- und B-Milch. Milchproduzent Walter Brunner aus Schmiedrued-Walde AG kritisiert dies scharf. «Die BOM muss durchsetzen, dass die C-Milch bis zum Bauern ausgewiesen wird und dass diese freiwillig ist.»

«Die Milchverarbeiter wollen billige Milch»

Wie Brunner hat auch Daniel Frei aus Adlikon ZH als Emmi-Direktlieferant auf die Lieferung von C-Milch verzichtet. Er betont aber, er habe sich dafür im Herbst gleich für das ganze Jahr 2015 entscheiden müssen. Emmi-Lieferanten, die sich damals dagegen entschieden hätten, könnten den hohen C-Milch-Mengen jetzt nicht mehr ausweichen. Frei möchte auch die B-Milch nicht mehr abliefern. Für ihn ist klar: «Die Milchverarbeiter wollen diese billige Milch. Sie wollen ihre Anlagen auslasten. Vielleicht haben sie Überkapazitäten.»

Für BIG-M-Sekretär Werner Locher aus Bonstetten ZH hat die Katastrophe auf dem Milchmarkt eine neue Eskalationsstufe erreicht. «Ich will doch abends nicht nur müde sein und gar nichts verdient haben», sagt er. Als Nordostmilch-Lieferant sieht er auf seiner Abrechnung nichts von C-Milch: «Wenn unser Preis noch bei 51 Rp./kg liegt, muss darin im Minimum ein sogenanntes B2-Segment enthalten sein.» Auch er möchte nicht nur auf C-, sondern auch auf B-Milch verzichten. Er betont, Marktanteile für No-Name-Produkte wie Käse für Fertigpizzas um jeden Preis verteidigen zu wollen, sei keine Option für die Schweizer Milchwirtschaft.

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