11.11.2013 08:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Wallis
Vollerwerbsbauer oder Golfplatz?
Im Saastal gibt es keinen Vollerwerbs-Landwirt. Das soll sich aber bald ändern und namentlich die Milchwirtschaft mit ganzjähriger Verkäsung gefördert werden. Doch eine Zonenplanänderung gefährdet das Projekt.

Der Klimawandel hätte für das Berggebiet gravierende Auswirkungen. Im Saastal wurden beträchtliche Konsequenzen für die fast ausschliesslich vom Tourismus abhängige lokale Wirtschaft 2011 durch eine Fallstudie bestätigt. Es muss mit häufigerem Steinschlag gerechnet werden, wobei unter Umständen die Strassenverbindung unterbrochen würde. Das Sommer-Skierlebnis könnte nicht mehr angeboten werden. – Wo aber bleibt bei diesen Überlegungen die Landwirtschaft?

Nur Nebenerwerb

«Die Landwirtschaft hat mehr mit Tourismus zu tun, als manch ein Touristiker zugeben möchte», sagt Christoph Gysel, der als Vertreter des Tourismus in einem neu aufgegleisten Projekt «Landwirtschaft mit Zukunft im Saastal» mit arbeitet. Gerade im Sommer-Tourismus zeige es sich, dass Feriengäste an der Landwirtschaft interessiert sind.

Aktuell gibt es im ganzen Saastal aber keinen einzigen Vollerwerbsbauern, nur zahlreiche Nebenerwerbsbauern mit Schafen, Milchkühen oder auch Lamas. Mangels Abnehmern sind jedoch insbesondere die Milchvieh-Bauern gezwungen, ihre Milch an Kälber zu vertränken, «aber nicht aus Überzeugung», wie Gysel weiss. Nur im Sommer wird auf zwei Alpen oberhalb Saas-Balen und Saas-Almagell Käse hergestellt, in Saas-Fee ausserdem Ziegen-Alpkäse. In den zahlreichen Hotels, Restaurants und Geschäften von Saas-Fee und Umgebung wäre aber die Nachfrage nach Käse aus dem Saastal vorhanden.

Fleischvermarktung

Seit Anfang dieses Jahres eruiert ein Komitee, bestehend aus Vertretern der Gemeinden, des Tourismus und der Landwirtschaft, Möglichkeiten eines Projekts zur Regionalen Entwicklung (PRE) im Saastal. So soll mit dem Teilprojekt Fleischvermarktung dafür gesorgt werden, dass das Fleisch für die typische traditionelle Saaser Hauswurst aus dem Saastal stammt. Will heute ein Nebenerwerbsbauer eine Kuh schlachten, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als sie ins Rhonetal zu verkaufen, ohne dass das Fleisch je wieder zurückkehrt.

Ebenfalls die Zusammenarbeit zwischen Landwirten und regionalen Verkaufslokalen soll verbessert, und schliesslich der Agrotourismus gefördert werden. «Schlaf im Stroh etwa dürfte vor allem auf Alpen von Interesse sein, wo Gästen zusätzlich auch die Möglichkeit geboten werden soll, Produkte direkt einzukaufen, was bisher nicht möglich war», glaubt Christoph Gysel. Bisher wurde Alpkäse auf die Bauern verteilt, die auf den Saaser Alpen ihr Vieh sömmern, welche diese überwiegend privat absetzen konnten.

Schwierige Umsetzung


Zu den Kernstücken des PRE-Projekts zählt auch die ganzjährige Milchwirtschaft. «Allein Saas-Fee könnte mindestens einen Vollerwerbs-Bauern ertragen», meint Gysel. Aktuell hält jedoch nur ein Nebenerwerbs-Landwirt Schottische Hochlandrinder und Schafe. Gleich zwei junge, gegenwärtig noch in Ausbildung befindliche Landwirte zeigen sich jedoch interessiert am Bau eines Milchviehstalls mit integrierter Ganzjahres-Käserei, in welche auch andere Bauern aus dem Saastal ihre Milch abliefern könnten. Ob daraus mehr wird als nur eine Vision, hängt jedoch auch noch von politischen Entscheidungen ab.

Konkret stimmt die  Bevölkerung der Gemeinde Saas-Fee am 24. November über eine Zonenplanänderung ab. Landwirtschaftsflächen sollen in Sport- und Freizeitzonen umgewandelt werden, unter anderem, um einen Golfplatz zu errichten. Gysel glaubt, dass die Umsetzung des Teilprojekts Milchwirtschaft zwar schwieriger, aber selbst dann nicht gefährdet wäre, wenn die Stimmberechtigen von Saas-Fee der Zonenplanänderung zustimmen. Die beiden angehenden Junglandwirte sehen das allerdings etwas skeptischer und mögen sich dazu öffentlich nicht äussern.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE