16.12.2016 09:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Max Hugelshofer*
Waadt
Von 6 auf 50 Tiere
Die ausgedehnten Langlaufloipen ziehen im Winter viele Besucher nach Le Couvent im Kanton Waadt. Familie Marmet kam vor 13 Jahren nicht wegen des Sports hierher. Dafür blieb sie gleich für immer.

Der Himmel ist stahlblau, die sanften Hügel sind mit einer dichten, weissen Schneeschicht bedeckt. Unter den Langlaufskiern knirscht der Schnee, sonst ist kein Ton zu hören. Kilometerweit zieht sich die Loipe über die Hügelkette des Chasseron zwischen dem Val de Travers und dem Neuenburgersee. Wer will, kann vom Creux du Van im Osten bis fast nach Sainte-Croix im Westen langlaufen. Das zieht Langlaufbegeisterte aus der ganzen Schweiz an. Trotzdem ist man meist allein unterwegs, so weitläufig ist es.

Hof zu klein

In Le Couvent, wenige Meter vom Start der Loipe entfernt, liegt der Hof von Familie Marmet. Jakob, Eva und ihre vier Kinder sind allerdings keine Langläufer. «Es würde mir wahrscheinlich gefallen, aber ich hatte nie Zeit dafür», sagt Jakob. Seine Zeit in Le Couvent war immer schon von viel Arbeit geprägt. Angefangen hat alles 1977. Damals absolvierte Jakob hier ein Lehrjahr seiner Landwirtausbildung, um Französisch zu lernen. Mit seinem damaligen Chef blieb er in losem Kontakt.

Auch als er später seine Eva heiratete, vier Kinder bekam und zu Hause im Berner Oberland gemeinsam mit seinem Bruder den elterlichen Hof führte. Doch der Hof war viel zu klein für zwei Familien. Beide Brüder mussten zusätzlich auswärts arbeiten. Die Situation war unbefriedigend. Auch, weil am Hof Investitionen anstanden und sich eine Neuausrichtung aufdrängte. «Und so etwas geht selten gut, wenn zwei Chefs da sind», sagt Jakob Marmet. 

Umzug war nicht leicht

Er und seine Frau grübelten stundenlang über ihre Zukunft, dachten ans Aufhören – da kam plötzlich der Anruf von Marmets altem Lehrmeister: Er lasse sich pensionieren, seine Kinder hätten kein Interesse am Hof. Ob er ihn nicht pachten wolle? Diese Chance liessen sich Marmets nicht entgehen, und schon wenig später waren sie mit Kind und Kegel vom Berner Oberland in den Jura gezogen.

«Es war nicht einfach, alle Freunde zurückzulassen und irgendwo hinzuziehen, wo man die Sprache nicht richtig konnte», sagt Eva rückblickend. Auch für die Kinder. Die beiden jüngeren, die damals 5-jährige Sonja und die 3-jährige Nicole, hatten sich schnell eingelebt. Für die beiden Älteren war es hingegen schwierig. Anita war 13, Adrian 11. In der Schule zählte Französisch nicht gerade zu ihren Lieblingsfächern, und sowieso: Sie hielten gar nichts davon, fortzuziehen.

2007 Hof gekauft


Doch auch sie fanden sich am neuen Wohnort zurecht und fühlen sich heute hier zu Hause. Anita lebt und arbeitet inzwischen in Bern, aber Adrian ist im Jura geblieben. Er arbeitet Teilzeit als Metzger im Tal und hilft seinem Vater auf dem Hof. In ein paar Jahren wird er den Betrieb übernehmen.

Doch der Reihe nach: Als Marmets vor 13 Jahren nach Le Couvent kamen, hatten sie nur sechs Milchkühe und etwas Jungvieh. Heute sind es rund 50 Tiere; Kälber und Rinder mitgerechnet. 2007 konnten Jakob und Eva Marmet dann den Hof kaufen. Bereits damals war klar, dass beim Wohnhaus erhebliche Investitionen anstanden. Es zog durch die Ritzen, die vier Kinder schliefen alle zusammen in einem dunklen Zimmer, das nur ein kleines Fenster hatte. Die Stube war so dunkel, dass die Neonröhre den ganzen Tag über brannte.

Leben im Heizungsraum

In den ersten Jahren nach dem Kauf des Hofs war aber kein Geld für einen Umbau da. Erst als die Heizung auszusteigen drohte, die Trinkwasserzisterne leckte und von Gesetzes wegen ein neuer Güllenkasten gebaut werden musste, konnten sie es nicht mehr länger hinausschieben. «Sanieren wäre teurer gekommen als abreissen und neu aufbauen», so Jakob. Zwar hatten Marmets seit dem Kauf des Hofes gespart und etwas auf die Seite legen können. Für den Neubau reichte es jedoch trotz Aufstockung der Hypothek nicht. Erst als die Schweizer Berghilfe ihre Unterstützung zusagte, konnten sie loslegen.

Die Bauzeit war sehr streng. Marmets machten viel selbst. Und sie lebten während eines Sommers alle zusammen im kleinen Heizungsraum. «Wenn alle um den runden Tisch herum sassen, konnte man kaum mehr aufstehen, so voll war der kleine Raum», erinnert sich Eva. «Und geschlafen haben wir unter dem Dach des Räumchens, gedrängt wie die Ölsardinen. Aber es war ja absehbar.»

Inzwischen wohnen Marmets schon seit fast zwei Jahren im neuen Haus. Ganz fertig ist es aber immer noch nicht. Jakob: «Wir haben das Wichtigste sofort gemacht. Der Rest folgt etappenweise, immer wenn wir wieder etwas Geld haben.

*Max Hugelshofer ist Redaktor bei der Schweizer Berghilfe. 

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