19.04.2018 17:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Käse
Von der Toblerone zum Emmentaler
Zum neuen Präsidenten der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) ist Daniel Meyer gewählt worden. Meyer arbeitete vorher für den Toblerone-Produzent Mondelez. Gleichzeitig wird die Emmentaler Branche in den nächsten Jahren mehr Geld ins Marketing stecken.

ES-Präsident Heinz Wälti begrüsste im Inforama Rütti BE bei Zollikofen knapp 100 Delegierte. Es sei viel gelaufen im vergangenen Jahr. So sei etwa die Zusammenarbeit mit der Schaukäserei in Affoltern i. E. vertieft worden, Alfred Rufer als stellvertretender Direktor sowie Andrea Glauser als Marketingleiterin angestellt worden. 

Vorsorgen

An der Währungsfront sei ein leichtes Absinken des Schweizer Franken zu registrieren. Aber von Entspannung könne doch noch keine Rede sein. Die USA und China würden aktuell die freie Marktwirtschaft in Frage stellen. Umso wichtiger sei es, vorzusorgen und Rückstellungen zu bilden. 

Nur so könnte man sofort eingreifen, wenn sich auf einem Markt Schwierigkeiten zeigen sollten. Er nahm die Delegierten in die Pflicht: Sie hätten es in der Hand, wie griffig die Instrumente für die Weiterentwicklung werden. Wälti tritt wegen Überschreiten der Altersgrenze ab. 

Meyer folgt auf Wälti


Präsident Heinz Wälti trat nach vier Jahren altershalber als Präsident zurück. Die Findungskommission schlug Daniel Alain Meyer als sein Ersatz vor. Meyer stellte sich kurz vor. Er ist im Aargau aufgewachsen und studierte Ökonomie an der HSG St. Gallen. Er arbeitete unter anderem bei Lindt & Sprüngli und bei der Aargauer Zentralmolkerei in Suhr AG, bevor er zu der Firma Kraft wechselte. 

Diese stellt in Bern-Brünnen unter anderem Toblerone her und wurde später zu Mondelez umbenannt. Meyer war dort zehn Jahre lang Chef des Schweizer Geschäfts. Er betonte, dass er sich auch stark verbandspolitisch engagiert habe: im Kaffeeverband, bei Chocosuisse und bei Promarca. Privat treibt er Sport (Joggen, Bergtouren) und isst gerne gut und fährt ein Cabrio. Meyer wurde von den Delegierten einstimmig gewählt unter grossem Applaus. Er sagte, er freue sich sehr, für den Emmentaler AOP tätig zu sein, «für diese Ikone, für dieses Juwel unter den Käsemarken».

4 neue Vorstandsmitglieder

Aus dem ES-Vorstand traten neben Präsident Wälti ferner zurück:
-Franz Häfliger, ZMP
-Kurt Nüesch, SMP
-Erwin Schmid, Käserei Buttisholz LUL
-Jürg Wüthrich, Alibona AG 

Neu wurden vorgeschlagen und von den Delegierten einstimmig gewählt:
Adrian Zemp-Lüscher, ZMP, Ebnet LU (Vertreter der Milchproduzenten)
Pierre-André Pittet, SMP, Schüpfen BE (Vertreter der Milchproduzenten)
Roman Zemp, Käserei Bramegg LU (Vertreter der Käsehersteller)
Josef Hardegger, Hardegger Käse AG, Jonschwil SG (Vertreter der Gruppe Reifung/Handel)

Urtyp und Smart Snack machen Freude

ES-Direktor Stefan Gasser musste konstatieren: Beim Absatz wurde 2017 die Talsohle noch nicht erreicht. Gesamthaft war er um 3,7% rückläufig. Das Minus kam vom Export und dort vor allem von Italien her. Sehr erfreulich war laut Gasser die Entwicklung im Inland, wo das Plus 6,8% betrug. In der Migros sei die Promotion mit Unspunnentickets sehr erfolgreich gewesen. Im Coop war der 1.-August-Emmentaler direkt im Gestell gelistet, was gleich zum doppelten Absatz führte. 

Hoffnung und Schwung bringen die Innovationen. Im Ausland ist der Urtyp erfolgreich lanciert worden, er kommt gut an. Seit diesen Tagen ist der Smart Snack in den grossen Migros-Läden erhältlich. Eine weitere Promotion im Ausland sei der Emmentaler AOP Smart Dip, 700'000 Stück à 250 g wurden innert einer Woche abgesetzt. Für den Smart Snack und den Urtyp konnten beim Bundesamt für Landwirtschaft zusätzliche Absatzförderungsgelder abgeholt werden. 

2018 deutlich mehr produziert als 2017

Fritz Sommer von der ES-Geschäftsstelle sprach zu Produktion und Qualität. Die Produktion war im Jahr 2017 um 8,1% grösser als 2016. Die gegenläufige Entwicklung zum Verkauf (-3,8%) erklärt sich mit dem Lagerabbau, der 2016 nötig war und noch grössere Produktionseinschränkungen zur Folge hatte. Auch Sommer betonte das sehr erfreuliche Plus im Inland (+6.8%). 

«Da haben wir die beste Wertschöpfung, da müssen wir nicht unterpreisig hineinhacken», so Sommer. Er hoffe, dass es 2018 gelinge, dieses positive Resultat zu bestätigen. Überhaupt ist Sommer nach den guten ersten drei Monaten 2018 zuversichtlich. Die Kursentwicklung beim Euro werde helfen, das Absatzminus heuer in ein Plus zu verwandeln. Die Qualität konnte noch einmal gesteigert werden, es gab 2017 anteilsmässig mehr Käse mit den Punktzahlen 19.5 und 19.0. 

Zusätzliche Millionen fürs Marketing

Der Beitrag an die Emmentaler Sortenorganisation (ES) betrug bislang 60 Rp./kg Emmentaler Käse. Zusätzlich wurde seit einigen Jahren mit 15 Rp./kg Käse ein Währungsfonds gespiesen. Er diente der Exportstützung, seit der Euro so schwach geworden war gegenüber dem Schweizer Franken. Mit diesem Geld wurde der Emmentaler Käse für die Exportmärkte etwas günstiger gemacht. Nun beantragte der Vorstand einerseits, die im Währungsfonds noch vorhandenen rund 3,6 Millionen Franken als Rückstellung zu behalten. 

Der Vorstand der ES soll dieses Geld bei ausserordentlichen Ereignissen einsetzen können. Andererseits beantragte der Vorstand, die 15 Rp./kg weiterhin zu erheben, aber neu als Erhöhung des Sortenbeitrags. Das zusätzliche Geld – für 2018 handelt es sich um 1,8 Millionen Franken - sollen in die Marktbearbeitung für Italien und Deutschland investiert werden. Mit 1,25 Millionen soll in Italien die Marke Emmentaler AOP revitalisiert und verjüngt werden, mit 0,45 Millionen soll in Deutschland das Markengeschäft in Discountern erschlossen werden. 

Die Marke Emmentaler AOP wiederbeleben 

2019 werden durch die Erhöhung des Sortenbeitrags 2,7 Millionen mehr zur Verfügung stehen. 1 Million Franken soll in die Erschliessung eines neuen Marktes investiert werden. Generell soll es darum gehen, mit dem Geld den Emmentaler AOP als Premium-Produkt aufzuwerten und wiederzubeleben. Gegenüber den Unterlagen war neu, dass diese Erhöhung des Sortenbeitrags um 15 Rappen auf vier Jahre befristet beantragt wurde – ein Zeichen dafür, dass die Erhöhung nicht ganz unumstritten war. 

Doch die Abstimmung ging sehr deutlich aus: Die ganze grosse Mehrheit sagte Ja, es gab bei Bauern, Käsern und Händlern nur 1-2 Gegenstimmen. Bedenken muss man dabei, dass mit der rückläufigen Produktion von Emmentaler Käse (weil der Absatz zurückging) auch das Marketingbudget in den letzten Jahren kleiner geworden ist. 2017 wurden laut der Erfolgsrechnung fürs Auslandmarketing 4,4 Millionen Franken eingesetzt, fürs Inlandmarketing rund 3,6 Millionen Franken.

Events mit Markenbotschaftern

Marketing-Chefin Luana Monopoli ging auf die alljährliche Schwingpromotion ein. 2017 bezog sie sich auf den Unspunnenschwinget. Diese Promotion wurde im «20 Minuten», im Migros-Magazin und im Regional-TV-Kombi beworben. Die 1. August-Rede sei heuer mit Markenbotschafterin Michelle Hunzikerin sogar viersprachig gehalten worden, mit 12 Tonnen sei gegenüber dem Vorjahr das Doppelte an Käse abgesetzt worden. 

Gross sei auch der Auftritt an der Berner Frühjahrsausstellung BEA gewesen. Am Eröffnungstag liess sich ES-Direktor von Schwingerkönigin Sonia Kälin ins Sägemehr legen. Emmentaler Switzerland (ES) war auch an der 1.-August-Feier der Stadt Bern und am Unspunnenschwinget präsent. Monopoli hob den PR-Event mit Kälin und Schwingerkönig Matthias Sempach hervor, an dem viele Medienvertreter teilgenommen hätten. Mit der Schaukäserei in Affoltern i. E. würden 2018 diverse weitere Projekte folgen.

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