13.11.2014 10:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Rosmarie Brunner-Zürcher
Emmentaler
Wälti will mit Mengensteuerung 80 Rp./kg erreichen
Um dem Emmentaler AOP eine Zukunft zu ermöglichen, braucht es gezieltes Marketing und eine klare Mengensteuerung.

Seit der Liberalisierung des Käsemarktes ist der Emmentaler-Export von gut 27'000 Tonnen (2002) um 38 Prozent auf 16'900 Tonnen im letzten Jahr eingebrochen. Immerhin: «Dank der klaren Mengenführung konnte die Talfahrt des Emmentalers von 2012 gestoppt werden», sagte Pirmin Furrer an der diesjährigen Käsereitagung der ZMP in Sempach. Der Geschäftsführer der Genossenschaft betonte die Wichtigkeit der Emmentalerproduktion für die Innerschweiz. An der Tagung stand die Zukunft der gewerblichen Käsereien im Mittelpunkt.

Flaggschiff angeschlagen

Rund 50 Prozent des in der Schweiz gewerblich hergestellten Emmentalers wird von der Emmi-Gruppe eingekauft und vermarktet; die Firma ist damit der grösste Händler des Grosslochkäses. In seinem Referat zeigte Emmi-CEO Urs Riedener die Schwierigkeiten des einstigen Flaggschiffes der Käsebranche auf: Im Vergleich zum Vorjahr ging der Export des Emmentalers 2014 erneut um rund 2500 Tonnen zurück.

Dabei verfüge man mit dem Emmentaler AOC dank hoher Standards über ein hervorragendes Qualitätsprodukt. Doch das allein reicht nicht: «Wir müssen dem Konsumenten ein stimmiges Produkt verkaufen, das hohen eigenständigen Genuss bietet und genau seinen Bedürfnissen entspricht.» Der Emmentaler müsse einen Mehrwert bieten. Zentral ist für Riedener die konstant hohe und vertrauenswürdige Qualität, Convenience, aber auch das, was hinter der Marke Emmentaler steht: Regionalität und handwerkliche Tradition, Tierwohl und Family Farming.

«Dieses Mehrwertsystem müssen wir dem Kunden näherbringen, und das geht nur über gezielte Kommunikation und Werbung.» Dafür aber, und das war Riedeners wichtigste Botschaft an diesem Tag, müsse Geld investiert werden.

Exportsteigerung möglich

Schweizer Käse steht heute in vollem Wettbewerb zu EU-Konkurrenzprodukten, die Marktöffnung hat eine schlagartige Erweiterung gebracht – mit Gewinnern und Verlierern. Doch das Potenzial für eine Exportsteigerung von Schweizer Käse ist laut Urs Riedener vorhanden. Mit 2,5 Prozent Anteil am globalen Käsemarkt von rund 2,5 Mio. Tonnen jährlich sei die Schweiz zwar ein Nischenplayer, doch genau das sei ihre Chance: Im Bereich Rohmilchkäse und Spezialitäten biete diese Marktecke mit einem Volumen von bis zu 250'000 Tonnen Käse genügend Entwicklungspotenzial für Exporte.

Auch Heinz Wälti gibt sich keinen Illusionen hin. Der frühere CEO der Landi Schweiz AG ist seit Mai dieses Jahres Präsident von Emmentaler Switzerland. Für ihn ist klar: «Der Druck auf den Käse und die Schweizer Käsereien wird weiter zunehmen.» Innerhalb der Sortensektion mit ihren 3000 Milchproduzenten, 139 Käsereien, neun Affineuren und 18 Händlern sei kein Platz für Partikularinteressen. «Einzelkämpfer müssen kategorisch ausgeschlossen werden». 

Menge weiterhin steuern

Als wichtigstes Instrument für eine erfolgreiche Weiterführung der Marke sieht Wälti die Fortsetzung der Mengensteuerung. Nur wenn diese beibehalten werde, könne die Malaise durchschritten und ein Milchpreis von 80 Rappen erreicht werden – denn so viel, ist Wälti überzeugt, braucht der Bauer für einen Liter respektive ein Kilo Milch, um langfristig eine Perspektive zu haben.

«Wir müssen dem Emmentaler ein Gesicht geben, wir müssen mit unserem Produkt Geschichte und Heimat schaffen», sagte Wälti und meinte damit grosso modo, was Urs Riedener ebenfalls betont hatte: Der Emmentaler braucht einen überzeugenden, frischen und gleichzeitig geerdeten Auftritt am Markt, um eine Zukunft zu haben.

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