8.03.2013 13:58
Quelle: schweizerbauer.ch - Ruth Bossert
Energie
Wärme und Strom aus Pferdemist
Aus landwirtschaftlichen, biogenen Abfällen liesse sich Wärme und Strom herstellen. Politische und gesetzliche Widerstände blockieren den Durchbruch. Bei der Firma Schmid AG aus Eschlikon steht der Ofen bereit.

Landwirtschaftsbetriebe sind heute im Fokus der erneuerbaren Energien. Dank der zunehmenden Umweltsensibilität und der steigenden Preise für fossile Energieträger, aber auch der Fortschritt der Technik bringen es mit sich, dass heute vermehrt Gratisenergien wie die Solartechnik oder Biogas auf Bauernhöfen wirtschaftlich genutzt werden. 

Stoffkreislauf geschlossen

Eine neue Idee verfolgt Bioburn AG, welche in Zell LU ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum betreibt und mit einem neuartigen Verfahren aus Biomasse und nachwachsenden Rohstoffen Biomassepellets herstellt. Diese können lokal zur Wärme und zur Stromproduktion genutzt werden. Die Asche davon kann als Dünger wieder aufs Feld gebracht werden. Es wäre auch möglich, diese auszuscheiden und als wertvollen Rohstoff weiterzuverkaufen. 

Für Janez Zekar, Mitinhaber und Geschäftsführer der Bioburn AG, schliesst sich mit der dezentralen Energie- und Düngergewinnung der Stoffkreislauf der auf dem Hof produzierten Biomasse zu einer dezentralen Energiegewinnung: «Eine lokale oder regionale Lösung, die zur Verbesserung der Umweltbilanz mit einer CO2-neutralen Wärme- und Stromerzeugung beiträgt. Diese generiert den Landwirten ein besseres Einkommen.»

Politischer Widerstand

«Obwohl unsere innovative Technologie die Voraussetzungen schafft, verschiedenste Arten von ungenutzter Biomasse sinnvoll einzusetzen, stossen wir auf politische und gesetzliche Widerstände», konstatiert Janez Zekar. Sie seien immer wieder sowohl auf kantonaler als auch auf Bundesstufe zwischen Abteilungen und Departementen hin und her geschoben und vom Kanton zum Bund und wieder zurück verwiesen worden. Die Biomassestrategie sei festgelegt, auch entsprechende Gesetze und Verordnungen würden existieren. «Dazwischen, in der Umsetzung, besteht jedoch ein undefinierter Raum, wo man mit einer Innovation zwischen den Fronten zerrieben wird.»

Zekar ist der Meinung, dass die aktuelle gesetzliche Lage, insbesondere die Luftreinhalte- und Gewässerschutzverordnung, eine Markteinführung neuer Technologien auch dann verhindert, wenn sie strategisch erwünscht, ökologisch vorteilhaft und ökonomisch sinnvoll ist. Als Beispiel nennt er das Verbot des Verbrennens biogener Abfälle, das der Vision des Bundesrates zur Biomassestrategie entgegensteht. 

Kot von Tieren als Basis

Als Basis für die Herstellung der Heizpellets aus Biomasse dienen alle Arten von nachwachsenden Rohstoffen und Kot von Nutztieren – beispielsweise Pferdemist, erklärte Zekar. Zur Herstellung werde nur ungefähr die Hälfte an Energie benötigt, weil die Biomasse mit einer relativen Feuchtigkeit von 30 bis 35 Prozent verarbeitet wird. Seine Erfahrungen sowie zahlreiche Studien basieren auf der Herstellung und Verwertung von Pferdemist-Brennpellets.

Weitere Biomassen, beispielsweise aus eiweisshaltigem, ölhaltigem, harzhaltigem oder faserreichem Rohmaterial aus der landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion, können ebenfalls verwendet werden. Einzelne Rohmaterialien allein ergeben noch keine optimale Pelletqualität. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Zell werden passende Zusatzbiomassen entwickelt, welche zu einer optimalen Mischung passen. Mit einem speziellen Verfahren wird die feuchte Biomasse verdichtet, und in der Pelletieranlage entstehen die gedrehten Pellets, welche geruchsneutral, staubarm und durch ihre Härte eine effiziente Verbrennung gewährleisten, erklärt Zekar. Zur Verbrennung der Pellets ist ein Holzschnitzel-, Pellet- oder Biomasseofen mit einem gekühlten Vorschubrost nötig.

Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung eingehalten

Unterstützung erhält der Unternehmer von der Heiztechnikfirma Schmid AG in Eschlikon TG. Natalie Lüscher-Schmid erklärt, dass die Schmid AG die Heizpellets der Bioburn getestet habe und das Fazit positiv ausgefallen sei. Der Brennstoff könne problemlos verbrannt werden, und die Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung wurden eingehalten. Natalie Lüscher-Schmid ist überzeugt, dass dieser Brennstoff an Bedeutung zunehmen wird. Insbesondere, da  das Ausgangsmaterial als «Abfallprodukt» keine andere Verwendung hat und daher die Kosten für den Brennstoff gering sind.

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