31.07.2019 18:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Russland
Warum Cremo eine Botschaftseröffnung sponsert
Mit einer grossen Feier wurde die neue Schweizer Botschaft in Moskau eröffnet. 30 Unternehmen unterstützten den Anlass – darunter der Milchverarbeiter Cremo als Goldsponsor. Für Cremo wie auch Emmi ist der russische Markt wichtig. Die Käseexporte nach Russland nehmen zu.

Sie sorgte in den vergangenen Tagen für viel Gesprächsstoff: Die Eröffnung der Schweizer Botschaft Mitte Juli in Moskau. Für rund 42 Millionen Franken wurde diese erweitert und renoviert.

An den viertägigen Eröffnungsfestivitäten wurden ein Alphornquartett aus der Schweiz eingeflogen, Champagner serviert und Schweizer Raclette Käse serviert. Illustre Gäste nahmen am Anlass teil. 

Türöffner

Wie die Zeitung «Der Bund» berichtete, betrug das Budget für die Eröffnung rund 700'000 Franken. Davon übernahmen Sponsoren mit 550'000 Franken den grössten Teil der Kosten. Die Unternehmen zahlten in bar oder in Naturalleistungen. Die 30 Sponsoren bekamen je nach Beitrag unterschiedliche Gegenleistungen: Sie erhielten Gratistickets, durften Logos präsentieren oder eigene Cocktailpartys abhalten. Es «natürlich gewesen, sie bei der Eröffnung unserer neuen Botschaft einzubeziehen», erklärte Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA.

Einerseits habe man so den Anlass finanzieren können, andererseits gehe es um Imageförderung. «Unser Land wird oftmals mit seinen Marken identifiziert», so das EDA zur Zeitung. Der Anlass galt als Türöffner für den russischen Markt. Am Grand Opening nahm beispielsweise der russischen Aussenminister Sergei Lawrov teil. Grosse Unternehmen wie ABB, Roche, Glencore, Philip Morris oder die Bank Vontobel zeigten Präsenz. Die Sponsorenpakete waren in drei Kategorien unterteilt: Goldsponsoren zahlten 45'000, Silbersponsoren 20'000, Bronzesponsoren 10'000 Franken.

Die 30 Sponsoren

Gold: ABB, Vontobel, Cremo, Sika, Philip Morris.
Silber: UBS, Volga-Gruppe, Oerlikon, Roche, SGS, Zürich, Ferring, Nord Stream.
Bronze: Condair, Eurochem, Glencore, Kühne & Nagel, LafargeHolcim, MSC Cruises, Nestlé, Omya, Schindler, Stadler, Sulzer, Villars, Victorinox, Burnier, Hotel Metropol, Swissôtel.

Cremo investierte 45'000 Franken

Goldsponsoren zählte der Anlass deren fünf. Es waren dies ABB, Vontobel, Sika, Philip Morris und der Freiburger Milchverarbeiter Cremo. schweizerbauer.ch hat bei Cremo nachgefragt, weshalb sich der Milchverarbeiter als Goldsponsor engagierte und welche Bedeutung der russische Markt für das Unternehmen hat.

Die hohe Dichte an russischen Politikern und Unternehmern war ein Grund, weshalb sich Cremo als Sponsor engagierte. «Cremo hat sich mit Unterstützung seines russischen Handelspartners als Sponsor dieses einmaligen und vor Ort viel beachteten Anlasses engagiert», erklärt Thomas Zwald, Generalsekretär von Cremo, gegenüber schweizerbauer.ch.

«Ambitionen unterstreichen»

Was verspricht sich Cremo von diesem Sponsoring? «Dieses Engagement hat uns erlaubt, ausgewählte Premiumkäse zu präsentieren - Raclette und Gruyère   sowie unsere Ambitionen auf dem russischen Markt zu unterstreichen», hält Zwald fest. Cremo misst dem russischen Markt strategische Bedeutung zu.

Wie viel Cremo nach Russland ausführt oder ob sich das Geschäft lohnt, gab sich das Unternehmen bedeckt. «Über länderspezifische Volumen und Kosten respektive Preise geben wir, da nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, grundsätzlich keine Auskunft», so Zwald.

Emmi exportiert Käse und Jogurt

Nicht nur Cremo, sondern auch Emmi ist am russischen Markt tätig. Der grösste Milchverarbeiter exportiert vor allem Halbhartkäse, Hartkäse und Fondue. Nebst Käse werden auch Swiss Premium Jogurt und Swiss Premium Greek Style Jogurt nach Russland geliefert. Nehmen die Mengen zu? «Ja. Die Mengen an Schweizer Käse nach Russland haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen», sagt Marco Cioci, Key Account Manager International, zu schweizerbauer.ch. Welchen Anteil die russischen Exporte am Gesamtexport einnehmen, will Cioci nicht sagen. Für die Botschadtseröffnung hat Emmi nach eigenen Angaben keine Anfrage erhalten.

Exporte nach Russland haben deutlich zugenommen

Lohnen sich die Ausfuhren nach Russland? «Trotz den Hürden und den strengen Auflagen, die durch die lokalen Behörden gestellt werden, lohnt sich der Export nach Russland», fährt er fort. Wo genau liegen die Schwierigkeiten? « Die Herausforderungen sind primär auf der administrativen Seite, beispielsweise Zollformalitäten oder Zulassungen der produzierenden Betriebe in der Schweiz. Zudem ist der russische Markt anspruchsvoll», hält Cioci fest.

Der russische Markt ist für den Schweizer Käse insgesamt ein Wachstumsmarkt. Dies bestätigt Christa Wettstein von Swiss Cheese Marketing (SCM): «Die Exporte von Käse nach Russland haben sich sehr gut entwickelt, die Ausfuhren sind in den vergangenen Jahren sind deutlich gestiegen.» Der Exportanteil von Russland am Gesamtexport ist 2018 auf knapp 4% gewachsen. Gemäss SCM werden Le Gruyère AOP, Tête de Moine AOP, Sbrinz AOP und Emmentaler AOP.

Politik reagiert unterschiedlich

Das Sponsoring kam in der Politik unterschiedlich an. Gemäss der Zeitung «Der Bund» waren an der Eröffnung zwei Vertreter der Parlamentarischen Gruppe Schweiz-Russland mit dabei, einer davon war SP-Nationalrat Fabian Molina (ZH). Er konnte dem Anlass nicht viel Positives abgewinnen. Der Staat müsse diesen aus eigenen Mitteln finanzieren – auch wenn so bescheidener werde. «Es kann doch nicht sein, dass die Schweiz im Ausland primär über Firmen wie Glencore oder Philip Morris wahrgenommen wird», sagte Molina zur Zeitung.

CVP-Ständerat Filippo Lombardi (TI) hingegen erachtet das Sponsoring als problemlos. «Wir müssen sparsam umgehen mit den Bundesfinanzen. Da ist es richtig, dass wir vermehrt auf privates Sponsoring zurückgreifen», sagte Lombardi zu «Der Bund».  Allein die Tatsache, dass Lawrow persönlich teilgenommen habe, sei wesentlich.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE