7.10.2014 14:28
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Preise
Warum Preise auch bei einer Nullteuerung steigen und fallen
Die Preise in der Schweiz haben sich in den letzten sechs Jahre kaum verändert. Diesen Eindruck erwecken die regelmässig publizierten Teuerungsberechnungen des Bundes. Dieser Eindruck trügt jedoch. Denn Waren sind günstiger, Dienstleistungen dagegen teurer geworden.

Gemäss dem Bundesamtes für Statistik hat das Leben in der Schweiz seit 2008 immer etwa gleich viel gekostet. Der Landesindex der Konsumentenpreise jedenfalls veränderte sich seither kaum. Das heisst jedoch nicht, dass auch die Preise stabil geblieben sind. Kleider zum Beispiel sind heute 4 Prozent günstiger als damals. Um 6 Prozent teurer geworden dagegen sind Hotels und Restaurants.

Starker Franken lässt Kleiderpreise fallen

Das Phänomen der unterschiedlichen Preisentwicklung von Waren und Dienstleistungen ist dabei nicht neu. Es ist in der Schweiz seit Jahrzehnten zu beobachten. Neueren Datums ist jedoch, dass eine Kategorie von Konsumgütern teurer, eine andere dagegen günstiger wird. Dieses Auseinanderdriften findet erst seit Mitte 2011 statt.

Der Hauptgrund dafür ist laut Yngve Abrahamsen von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) der starke Franken. Mit einiger Verzögerung habe sich die massive Aufwertung des Frankens zwischen 2008 und 2011 auch auf die Konsumentenpreise niedergeschlagen: Importprodukte, wie Autos, Kleider oder Öl wurden kontinuierlich günstiger.

Keinen Einfluss hatte der Wechselkurs dagegen auf diejenigen Produkte, die vollständig im Inland hergestellt werden. Das sind vor allem die Dienstleistungen. Weil sie der allgemeinem Lohnentwicklung folgen, stieg ihr Preis sogar an. Der Besuch beim Zahnarzt, das Mieten einer Wohnung oder die Autoreparatur wurden im gleichen Zeitraum teurer.

Warum der Coiffeur nicht günstiger wird

Der Wechselkurs allein ist aber nicht der einzige Grund, warum sich die Preise für Güter und Dienstleistungen auseinander bewegen. Ebenso entscheidend ist, wie ein Produkt hergestellt wird. Wenn eine Maschine produziert und die Herstellung nicht ortsgebunden ist, lässt sich durch Rationalisierung und Verlagerung die Herstellungskosten und damit den Preis des Produkts senken.

Kleider aber auch Computer werden darum günstiger, der Haarschnitt dagegen nicht. Denn ein Coiffeur kann seine Dienstleistung kaum rationalisieren: Er kann weder das Haareschneiden entscheidend beschleunigen noch kann er es in ein Billiglohnland auslagern, um die Lohnkosten zu senken. Das wirke sich auch auf die Struktur der Schweizer Wirtschaft und unser Konsumverhalten aus, sagt Abrahamsen.

So habe der starke Franken die Abwanderung der Industrie beschleunigt und zu einem verstärkten Einkaufstourismus geführt. Dieser habe zudem auch bei den Dienstleistungen eingesetzt. Für die Reparatur des Autos fahren immer mehr Leute über die Landesgrenzen.

Inflation trifft reiche Haushalte etwas weniger

Wenn Dienstleistungen teurer, Güter dagegen günstiger werden, hat das auch Folgen für die Haushalte. Während sie für Mieten und Gesundheit immer mehr Geld ausgeben, sinken ihre Kosten für Kleider und Nahrungsmittel. Es fahren demnach diejenigen Haushalte besser, die viel Geld für Güter ausgeben. Die Teuerung trifft sie weniger als Haushalte, in deren Budget viele Dienstleistungen enthalten sind.

Eine Analyse des BFS aus dem Jahr 2004 zeigt jedoch, dass trotz unterschiedlichem Konsumverhalten die Differenzen zwischen den Bevölkerungsgruppen klein sind. So ist eine Rentnerin zum Beispiel kaum stärker der Teuerung ausgesetzt als eine Familie oder eine alleinerziehende Mutter. Etwas deutlicher dagegen divergieren die Inflationsraten zwischen den Einkommensklassen.

So ergibt der individuelle Teuerungsrechner des BFS, dass ein Haushalt mit monatlichen Gesamtausgaben von 3600 Franken zwischen 2000 und 2010 eine um 0,4 Prozent höhere Teuerung verkraften musste, als ein Haushalt mit monatlichen Ausgaben von 9400 Franken. Das ist für den ärmeren Haushalt eine Differenz von 14.40 Franken. Auch die Unterschiede zwischen den Einkommensklasse sind demnach eher gering.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE