13.04.2018 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans-Peter Widmer
Milchmarkt
Weg frei für Mittelland-Milch
Die Delegierten der Milchproduzenten-Genossenschaft Mittelland (MPM) haben nach einer lebhaften Diskussion den Vorbereitungen zur Fusion mit Berner und Ostschweizer Milchproduzenten-Organisationen zugestimmt.

Wichtigstes Traktandum in den nacheinander durchgeführten Delegiertenversammlungen der Genossenschaft Milchproduzenten Mittelland (MPM) und des Vereins Produzenten-Milchverwerter-Organisation Mittelland-Molkerei (PMO Mimo) war die Vorbereitung des Zusammenschlusses der Aargauer, Berner, Zentralschweizer sowie Nord- und Ostschweizer Emmi-Milchlieferanten. Die neue Organisation, die im Herbst gegründet werden und den Namen «Mittelland Milch» sowie den Zusatz «exklusiv für Emmi» tragen soll, wird 2000 Mitglieder mit einer Milchmenge von 364 Mio. Kilo umfassen.

Zweidrittelmehrheiten

Die Genossenschaftsdelegierten stimmten dem Fusionsprojekt mit 86 Ja gegen 5 Nein deutlich zu, bei den Vereinsdelegierten hingegen wurde die ebenfalls erforderliche Zweidrittelmehrheit mit 58 Ja, 21 Nein und 20 Enthaltungen nur um 5 Stimmen überschritten. Den Entscheiden gingen lebhafte Diskussionen voraus. Für eine Verschiebung des Geschäfts um ein Jahr war die Versammlung nicht zu haben. 

Die Vorstände unter der Leitung von Andreas Hitz argumentierten, der Rückgang der Milchproduzenten verlange eine Bereinigung der Verbandsstrukturen. Der Zusammenschluss stärke die Position der Emmi-Lieferanten auf dem Milchmarkt. Das sei ein wegweisendes Signal, lobte ein Delegierter. Laut Geschäftsführer Marco Genoni bleibt die AZM Verwaltungs AG mit Immobilien und Beteiligungen beim MPM, ebenso das Rückvergütungswesen, der Betriebshelferdienst und der Liebegger Milchtag.

Immer 1 Rp./kg mehr

Eine kritische Stimme fragte, ob die Fusion einen besseren Milchpreis verspreche. Andreas Hitz antwortete, auch die neue Produzenten-Organisation fordere Emmi-Milchpreise, die mindestens um 1 Rp./kg über dem schweizerischen Durchschnitt liegen würden. Ein weiterer Skeptiker «störte sich» am Namenszusatz «exklusiv für Emmi»: Wer sage denn, dass künftig kein anderer Milchabnehmer in Frage komme? 

Unterschwellig klang in mehreren Voten die Ansicht mit, Emmi könnte dank dem ausgezeichneten Geschäftsgang den Milchproduzenten mehr entgegenkommen. Die neue Organisation besteht aus 13 Wahlkreisen, 13 Vorstandsmitgliedern und 92 Delegierten – noch ein Delegierter pro 4 Mio. kg Milch könnte den Kontakt zur Basis erschweren, wurde befürchtet. Emmi ist künftig im Vorstand nicht mehr vertreten. Bedenken wurden zur Milchpreissegmentierung geäussert. Für Mittelland-, Zentral- Nord- und Ostschweizer Mitglieder ist nur noch der Verzicht auf C-Milch möglich, nicht mehr auf B-Milch.

Die MPM steht auf einer soliden Finanzbasis. Zwar sanken Ertrag und Gewinn in der Rechnung 2017, aber die Bilanz glänzt unter anderem mit Immobilien im Wert von 17,4 Mio. Fr. und mit Beteiligungen im Wert von 20,0 Mio. Fr. Deren Erträge machten auch im vergangenen Geschäftsjahr Rückvergütungen von knapp 3 Mio. Fr. möglich. Im Rahmen der Delegiertenversammlung erläuterte Marc Heim, Leiter Division Schweiz, wie Emmi im gesättigten Inlandmarkt und bei wachsendem Importdruck für Schweizer Milchprodukte internationale Absatzkanäle ausbaut – mit Erfolg, wie ein neuer Käse-Exportrekord (in die USA) zeigt.

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