29.04.2015 14:25
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Fleischmarkt
Wegen Falschdeklaration - «Ombudsstelle Fleisch» eingeführt
Der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) hat die Verhaltensregeln für seine Mitglieder in einer Charta festgeschrieben und eine Ombudsstelle Fleisch geschaffen. Er reagiert damit auf zwei Schweizer Fälle von Falschdeklaration, die das Image der Fleischbranche erheblich in Mitleidenschaft gezogen haben.

Die neue Ombudsstelle sei aus Gründen der Glaubwürdigkeit ausserhalb des Verbandes beim Konsumentenforum (kf) angesiedelt, sagte SFF-Präsident Rolf Büttiker am Mittwoch an der Jahresmedienkonferenz in Zürich. Es sei eine Anlaufstelle für Konsumenten wie auch für allfällige Whistleblower, die Probleme in einem Betrieb melden wollen.

Die Falschdeklaration von Fleisch werde vom Verband aufs Schärfste verurteilt, sagte Büttiker. Aber strengere Kontrollen einzuführen lehnt er ab, denn dadurch würden «wegen schwarzen Schafen alle anderen bestraft».

Ombudsstelle will Gang vor Gericht umgehen

Die neue Ombudsstelle versteht sich als neutrale Vermittlungsstelle zwischen Kunden, Mitarbeitenden und Unternehmungen. Sie will versuchen, in einer Mediation den Gang vor Gericht zu umgehen. Betrieben werde sie vom Konsumentenforum, das bereits Erfahrungen mit einer ähnlichen Ombudsstelle habe, jener für den Onlinehandel.

Die Ombudsstelle Fleisch sei niederschwellig, kostengünstig und effizient, sagte kf-Geschäftsführer Michel Rudin. Sie soll der Kundschaft Sicherheit und Vertrauen beim Fleischeinkauf vermitteln. Wenn ein Problem im direkten Kontakt mit der Unternehmung nicht gelöst werden kann, erarbeitet die Ombudsstelle Fleisch eine Empfehlung.

Ist das Unternehmen damit nicht einverstanden, kann es dagegen rekurrieren. Das Anliegen geht dann an den Ombudsrat. Akzeptiert eine der beiden Parteien auch den Vorschlag dieser Instanz nicht,  bleibt nur noch der zivilrechtliche Weg. Der Ombudsrat wird präsidiert vom neuen Ombudsmann und ehemaligen SFF-Direktor Balz Horber. Es gehören ihm auch je ein Vertreter des SFF, des Metzgerei-Personalverbandes und des Konsumentenforums an.

Widerhandlung gegen Charta mit Bussen ahnden

Auch mit der Charta, in der die - eigentlich selbstverständlichen - Verhaltensregeln für die Verbandsmitglieder festgeschrieben werden, will der SFF das Vertrauen der Konsumenten in die Fleischbranche stärken. Der Verband erhielt die Möglichkeit, bei Verstössen gegen die Charta auch Sanktionen zu verhängen.

Bisher bestand einzig die Möglichkeit des Verbandsausschlusses, wenn ein Mitglied die Interessen des SFF verletzte oder gegen dessen Vorschriften und Beschlüsse verstiess. Neu können Zuwiderhandlungen gegen die Charta auch mit Bussen zugunsten des Berufsnachwuchses geahndet werden.

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