13.06.2014 13:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wallis
Weinaffäre: Giroud gibt Fehler zu
Wenige Tage vor seiner Verhaftung hat der Walliser Winzer Dominique Giroud der Zeitung «L'Agefi» ein Interview gegeben. Dabei sprach er über seine Auseinandersetzung mit den Steuerbehörden. Computer-Piraterie, der Grund für seine Verhaftung am Mittwoch, war im Interview kein Thema.

Die Affäre Giroud macht vor allem in der Westschweiz seit Monaten Schlagzeilen. Der Winzer selbst hat sich aber, ausser ganz zu Beginn der Entwicklungen, nicht dazu geäussert.

Was die Steuern betrifft, gibt Giroud zu, nicht sein gesamtes Einkommen angegeben zu haben. Die betroffenen Beträge lägen nicht mehr als zwei Prozent über dem Umsatz der Firma in der betroffenen Periode, sagte er einem Interview, das am Freitag in der Westschweizer Wirtschaftszeitung erschienen ist.

Falsche Belege

Der Winzer gesteht auch, dass er mit falschen Rechnungen geschäftet hat. «Es handelt sich um falsche Belege für reelle Geschäfte. Das ist allein meine Verantwortung, wie ich bei der Anhörung auch gesagt  habe.»

Bereut Giroud sein Vorgehen? «Ich habe die Wichtigkeit von dem, was mir heute vorgeworfen wird, wirklich unterschätzt. Das hat schwere Konsequenzen für meine Angehörigen und meine Mitarbeiter.» Weiter sagte er: «Heute, mit 43 Jahren, nachdem ich mit fast nichts angefangen habe, ohne viel Bildung und nach viel Schufterei, bereue ich die aktuelle Situation, die mich dazu zwingt, mich aus den Geschäften zurückzuziehen.»

Einnahmen unterschlagen und Wein gepanscht

Gegen den bekannten Weinhändler Giroud laufen mehrere Verfahren. Sein Firmenimperium soll Einnahmen von rund 13 Millionen Franken unterschlagen haben. Zudem wird Giroud beschuldigt, über 350'000 Liter Wein illegal gepanscht zu haben. Unter anderem soll die Weinkellerei billigen Fendant in St-Saphorin-Flaschen verkauft haben.

Am Mittwoch wurden Giroud und drei weitere Personen verhaftet. Sie werden verdächtigt, Computer von Journalisten gehackt zu haben, die über den Fall berichtet hatten.

Walliser Grosser Rat behält sich Möglichkeit einer PUK vor

Der Walliser Grosse Rat behält sich die Möglichkeit einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) in der Affäre Giroud vor. Das Kantonsparlament will aber zunächst den Bericht seiner Geschäftsprüfungskommission abwarten.

Wenn die Geschäftsprüfungskommission Licht in die Affäre bringe, sei die Motion obsolet, mit der die CVP eine PUK verlangt, sagte Grossrat Jérôme Buttet am Freitag im Grossen Rat. Wenn allerdings die Kommission nicht die gewünschten Antworten bringe, so wolle sich die CVP die Möglichkeit einer PUK nicht verbauen.

Die Geschäftsprüfungskommission des Walliser Grossen Rates beschäftigt sich seit Januar mit dem Steuerdossier des Walliser Winzers Dominique Giroud. Sie untersucht dabei auch, ob es allenfalls in der Verwaltung zu Verfehlungen gekommen ist. Der Bericht über die Steueraffäre wird im kommenden September erwartet.

Im vergangenen März hatte die Geschäftsprüfungskommission entschieden, die Untersuchungen auf das unrechtmässige Verschneiden der Weine auszudehnen, das Giroud vorgeworfen wird. Der diesbezügliche Bericht ist bereits vorgelegt worden. Darin wird auch der Kantonschemiker kritisiert, der es an Strenge in diesem Dossier habe vermissten lassen. sda

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