17.04.2015 10:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Weitere Grenzöffnungsschritte aktuell kein Thema»
Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), freut sich auf die Swissness-Kleber, die es ab Mai gibt. Er äussert sich im Interview auch zu einer möglichen Öffnung des Milchmarktes.

«Schweizer Bauer»: Wie weit ist die von den SMP geplante Marketing-Aktion?
Hanspeter Kern: Die läuft. Die Entscheidungen sind getroffen. Im Mai kommen wir damit in die Läden. Das war eine super Idee unserer Marketing-Abteilung. Die Umsetzung ist natürlich sehr aufwendig.

In welche Läden gelangt sie?
Unser hehres Ziel ist, dass alle Produkte mit Schweizer Milch mit unserem Swissness-Kleber ausgezeichnet werden. Nun, ganz alle werden es nicht sein. Aber namhafte und grosse Verarbeiter und Detailhändler haben zugesagt. Mit anderen sind wir noch im Gespräch. Alle sind sehr willkommen!

Und was erhält der Kunde?
Ab einer gewissen Anzahl Punkte erhält man als Kunde etwas von den Schweizer Milchproduzenten. Das kann ein Gutschein oder ein Produkt sein. Dabei achten wir darauf, dass möglichst viel Wertschöpfung in der Schweiz anfällt. Eine Tasche wird zum Beispiel in einem Schweizer Behindertenheim gefertigt. Ein Käsebrettli wird aus Schweizer Buchenholz hergestellt.

Nordostmilch-Präsident Robert Bischofberger sagte in Salez, eine Zollunion mit der EU wäre allenfalls sinnvoller als eine Öffnung nur des Milchmarktes gegenüber der EU. Was sagen die SMP zu einer Zollunion?
Grundsätzlich sind weitere Grenzöffnungsschritte aktuell kein Thema. Nach der Freigabe des Euro-Franken-Wechselkurses am 15. Januar 2015 ist für uns die sogenannte Öffnung der weissen Linie gegenüber der EU erst recht keine Option. Überhaupt könnte man über weitere Marktöffnungsschritte erst diskutieren, wenn umfassende Ausgleichsmassnahmen nicht nur virtuell, sondern real garantiert wären. Ich erinnere daran, dass bei der Öffnung der gelben Linie (Käsefreihandel) die Verkäsungszulage eingeführt wurde. Aber damals lag der Wechselkurs Fr./EUR bei 1.70 und nicht fast bei 1.00 wie heute.

Laut Bischofberger würden bei einer Zollunion immerhin auch die Kosten der vor- und nachgelagerten Branchen sinken.
Es ist so, dass bei einer solchen Öffnung auch die gesamten Kosten auf das EU-Niveau sinken müssen. In diesem Zusammenhang müsste man eigentlich gleich über einen EU-Beitritt reden. Es bleibt dabei: Die sektorielle Öffnung nur bei der Milchwirtschaft ist die schlechteste aller schlechten Ideen. Man würde damit kurzfristig und einseitig genau diesen Sektor gewaltig unter Druck setzen, der wohl längerfristig am wettbewerbsfähigsten ist und auch nachhaltig wirtschaftet. Bei der Milch sind wir nämlich am nächsten am EU-Preis. Das Resultat wäre, dass sich Bauern von der Milch weg in weniger wettbewerbsfähige Produktionsrichtungen bewegen würden. 

Die Molkereimilchpreise sind nach wie vor sehr tief. Sehen Sie Licht am Ende des Tunnels?
Wichtig ist die Feststellung, dass wir derzeit kein Produktionsproblem haben. Aktuell liegen die Mengen drei Prozent unter dem Vorjahr. Aber wir haben ein Absatzproblem und das vor allem auch wegen der Einschränkungen im Käsebereich. In den letzten Wochen zogen die internationalen Preise an, bis sie letzte Woche wieder rückläufig waren. Wir müssen den Markt weiter verfolgen.

Die EU-Quote ist Geschichte. Hat das bereits unmittelbar Konsequenzen gehabt?
Nein. Wir wissen es nicht genau, warum die Märkte letzte Woche nachgegeben haben. Die Menge kann es nicht sein. Vielleicht spielen emotionale Gründe mit.

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