9.12.2017 15:58
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Hasler
Energie
Weniger Geld für kleine Anlagen
Wegen einer neuen Verordnung fallen viele aus der KEV-Warteliste und werden mit einer Einmalvergütung abgespiesen. Nach dem Ja zur Energiestrategie 2050 hat der Bundesrat am 1.November nun das erste Massnahmenpaket beschlossen. In den Verordnungen, welche am 1. Januar 2018 in Kraft treten, werden unter anderem die neuen Vergütungsbedingungen geregelt.

Die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) wird vom Einspeisevergütungssystem (EVS) abgelöst und wird  neu nicht mehr «kostendeckend» berechnet, sondern nur noch «kostenorientiert». Zudem werden nur noch Neuanlagen mit EVS gefördert. Als neu gilt, was nach dem 1. Januar 2013 in Betrieb genommen wurde. 

Einer der Betroffenen ist Peter Aeschlimann aus Uettligen BE. Er meldete am 5. April 2012 zusammen mit seinem Dachdecker seine 30,88 kW grosse Photovoltaik-Anlage bei Swissgrid für die KEV an. Der KEV-Tarif war in dieser Zeit noch bei  gut 40 Rappen pro Kilowattstunde und wurde für 25 Jahre garantiert. 

Heute wäre Vergütung tiefer 

Am 1. Juli 2012 ging die Anlage von Aeschlimann ans Netz. Mit dem neuen Verordnungspaket zur Energiewende wird er aus der KEV-Warteliste entfernt und kann laut dem Bundesamt für Energie  (BFE) nur noch die einmalige Vergütung beantragen.

Er darf bei einer Investition von rund 165'000 Franken mit einem Beitrag von gut 40'000 Franken rechnen. Baute er heute, wäre diese Vergütung deutlich tiefer.

37'000 Projekte auf Warteliste

«Wir finden das neue System marktwirtschaftlich richtig. Wir haben uns aber dafür eingesetzt, die Grenze für die Einspeisevergütung tiefer anzusetzen», so Fabienne Thomas vom Schweizer Bauernverband (SBV). Auf der Warteliste stünden noch immer rund 37'000 Projekte, viele davon seien aber bereits gebaut.

Die Empfehlung des BFE lautet für diesen Fall aber klar: Nur wer einen positiven Bescheid für sein Projekt erhält, soll auch bauen. So werde die Reihenfolge für die Abarbeitung nach Anmeldedatum beibehalten.

Grosse Chance für Vermarktung


Laut dem SBV bietet das neue System grosse Chancen für die eigene Vermarktung der Elektrizität oder neue Formen des Eigenverbrauchs. So können neu die Nachbarn mit Eigenverbrauchs-Strom versorgt werden. Die Firma Fleco Power, die Strom aus der Landwirtschaft vermarktet, verzeichnete einen grossen Ansturm an Produzenten.

Patrik Neuenschwander von Fleco Power mahnt aber zur Vorsicht: «Wer einmal in die Direktvermarktung gewechselt hat, kann nicht mehr zurück.» Und ab 500 kW grossen Anlagen muss der Strom  innert einer Zwei-Jahres-Frist selber verkauft werden. In diesen beiden Punkten hat sich die Lobby der Stromkonzerne durchgesetzt. Generell sehen aber alle Beteiligte in der Energieproduktion eine Chance für die Landwirtschaft.

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