26.11.2015 07:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Wer nicht an Lactofama zahlt, fliegt raus
Rund 170 von knapp 1200 Mitgliedern der Thurgauer Milchproduzenten weigern sich, den Beitrag an die Lactofama zu bezahlen. Bis am 10. Dezember muss die Rechnung beglichen sein, sonst werden die Bauern ausgeschlossen.

Rund 170 Milchproduzenten aus dem Gebiet der Thurgauer Milchproduzenten (TMP) haben die Beiträge an die Lactofama AG nicht bezahlt. Diese betragen 0,35 Rappen pro Kilogramm Verkehrsmilch. Der Vorstand der TMP hat deshalb an der letzten Sitzung einstimmig beschlossen, bei Nichterfüllung der statutarischen Verpflichtungen die betreffenden Mitglieder auszuschliessen.

Er lädt die Lactofama-Verweigerer nächsten Montag zu einer Aussprache in Müllheim TG, an der auch SMP- und Lactofama-Präsident Hanspeter Kern als Gastreferent auftritt. Aber der Vorstand macht klar: Wer bis zum 10. Dezember 2015 die ausstehenden Rechnungen nicht bezahlt, wird aus der Genossenschaft TMP ausgeschlossen.

«Alle haben profitiert»

In der Einladung zur Aussprache schreibt TMP-Präsident Ruedi Schnyder, die Gründung der Lactofama sei zum Nutzen der Produzenten und nicht zur Freude der Milchverarbeiter erfolgt. Die Aktivitäten der Lactofama hätten im letzten Frühjahr den Milchmarkt nachweislich entlastet und den A-Milch-Preis indirekt gestützt. «Die Beiträge an Lactofama bedeuten faktisch eine Investition in eine höhere Preisstabilität zum direkten oder indirekten Nutzen aller Milchproduzenten», heisst es.

Der Vorstand der TMP sei nicht bereit, die Entsolidarisierung einer Minderheit hinzunehmen. TMP-Präsident Ruedi Schnyder sagt: «Jeder Milchbauer, den wir deswegen ausschliessen müssen, ist einer zu viel.» Ausschlüsse zu vollziehen, wäre unangenehm, «aber es ist Aufgabe des Vorstandes, die Beschlüsse und Statuten umzusetzen», so Schnyder auf Anfrage.

Godi Siegfried erklärt sich

Wie zu hören ist, sind es vor allem Lieferanten der Thur Milch Ring AG (inkl. Präsident Roland Werner) und der PMO Züger/Forster, die sich standhaft querstellen. Einer, der nicht an die Lactofama bezahlt, ist Biomilchproduzent Godi Siegfried aus Sitzberg im Hinterthurgau. Als Präsident der PMO Züger/Forster erklärt er im jüngsten Rundbrief an deren Mitglieder die Hintergründe.

Es gebe zwei Systeme, wie die Bauern Milch verkauften: via eine Handelsorganisation oder als Direktlieferant. «Mit einer Handelsorganisation tragen die Händler, sprich die Bauern, das Mengenrisiko wie auch die Auswirkungen der grossen saisonalen Schwankungen», so Siegfried. Nun hätten sich in der Lactofama AG die grossen Handelsorganisationen zusammengetan und für die überschüssige C-Milch ein Kässeli gegründet.

Nicht gerechtfertigte Doppelbelastung

Siegfried: «Dagegen ist auch nichts einzuwenden, hätte man dieses Gebilde nicht über einen SMP-Verbandsbeschluss für alle verbindlich erklärt.» Die Mitglieder der PMO Züger/Forster hingegen hätten einen Direktlieferantenvertrag mit klar definierter Jahresmenge beim jeweiligen Verarbeitungsbetrieb. Zuwiderhandlungen würden mit dem halben Milchpreis bestraft. «Dadurch halten wir Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht, und das Risiko der saisonalen Schwankungen haben wir bei den Verarbeitern angesiedelt.»

Auswirkungen dieser Risikoübertragung seien bei ihrer PMO bereits im Milchpreis berücksichtigt. «Wir brauchen keine zusätzliche Versicherung», stellt Siegfried klar. Die Bezahlung der Lactofama-Beiträge führe bei der PMO Züger/Forster zu einer nicht gerechtfertigten Doppelbelastung.

Delegierte entschieden

Gegenüber dem «Schweizer Bauer» sagt Siegfried: «Ich habe den Eindruck, dass mit der Lactofama die Handelsorganisationen den Gewinn (aus hohen Preisen für Spotmilch im Sommer) für sich wollen, den Verlust (aus tiefen Preisen für C-Milch im Frühling)  dagegen auf alle verteilen wollen.» Für den Fall, dass der Ausschluss umgesetzt werde, verweist Siegfried auf die Möglichkeit eines Rekurses an die Vollversammlung der TMP. Er betont auch, dass er als Mitglied der TMP zur Lactofama nie habe Stellung nehmen können.

Die TMP berufen sich auf den Beschluss der Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) vom November 2014. Dort hätten die Delegierten mit 135 zu 10 Stimmen Ja gesagt, die Thurgauer Delegierten seien gar einstimmig dafür gewesen. Ein Thema unter den Milchbauern, denen nun allein wegen der Lactofama-Beiträge der Ausschluss droht, ist auch das grosse Vermögen der TMP (allein Immobilien im Wert von rund 17 Millionen Franken). Davon hätten die Ausgeschlossenen nie mehr etwas. 

Auch bei VMMO

Auch die Vereinigten Milchbauern Mitte Ost (VMMO) haben in ihren Reihen einige Mitglieder der PMO Züger/Forster, die den Lactofama-Beitrag verweigern. VMMO-Geschäftsführer Andreas Ritter sagt auf Anfrage, der Vorstand habe dazu noch keine Beschlüsse gefasst. sal

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