1.01.2019 20:22
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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2018 war für viele Bauern ein schwieriges Jahr. Einerseits setzten die klimatischen Bedingungen den Kulturen zu. Das heisse und warme Wetter führte insbesondere im Futterbau, aber auch beim Getreide zu tieferen Erträgen. 

2018: Wetter mit grossem Einfluss


Die Trockenheit führte dazu, dass je nach Region 20 bis 30 Prozent der normalen Dürrfuttermenge auf dem Heustock fehlen. Milchauern mussten Futter zukaufen und hatten so Zusatzkosten, die sie nicht in Form von höheren Preisen kompensieren konnten. Besonders unter der Trockenheit in der zweiten Hälfte des Sommers litten neben dem Futterbau Mais und Rüben. Der Mais bildet vielerorts keine Kolben aus, und die Rüben waren deutlich kleiner als in normalen Jahren.

Für die Gemüseproduzenten war 2018 ein anspruchsvolles Jahr. Es war geprägt durch tiefe Preise, vereinzelte Überproduktion und Trockenheit. Beim Obst und Wein hingegen brachte das vergangene Jahr gute Ernten. Nach den frostbedingt schlechten Ernten des Vorjahres meint es die Natur heuer besser mit den Obstbauern: Rekordhohe Zwetschgen-Ernte, überdurchschnittliche Erträge bei Äpfeln, Birnen, Kirschen, Aprikosen und Himbeeren.

Preissturz am Fleischmarkt

Auf den Fleischmärkten zeigte sich ein uneinheitliches Bild. Bei den Schlachtkühen lagen die Preise bis Mitte Jahr auf der Höhe des Vorjahres, dann folgte der grosse Preiseinbruch. Beim Bankvieh (Muni/Rinder) hingegen lagen die Preisnotierungen deutlich unter den Vorjahreswerten. Der Kälber- und Schweinemarkt bewegte sich preismässig auf dem Niveau der Vorjahre.

Auf dem Milchmarkt gab es für die Produzenten 2018 ein wenig mehr zu holen. 2019 kommt ein Nachhaltigkeitsstandard. Die ausbezahlten Milchpreise waren im vergangenen Jahr gemäss Daten des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) etwas höher als 2017. Trotzdem sind sie insbesondere für die konventionelle Molkereimilch aus Produzentensicht nach wie vor sehr unbefriedigend, da in den meisten Fällen nicht kostendeckend.

2019: Neue Anforderungen

Für 2019 sind die Prognosen je nach Branche unterschiedlich. Die Aussichten für den Milchmarkt sind gemischt. Ab Mitte Juli wird ein neuer Nachhaltigkeitsstandard eingeführt. Wer diesen Standard erfüllt, erhält ab 1. Juli 2019 zwei Rappen zusätzlich. In der Branche geht die Befürchtung um, dass der Basispreis entsprechend gekürzt werden könnte. Unter Druck geraten könnte auch die Verkäsungszulage.

Auf dem Fleischmarkt dürfte die Nachfrage nach Kühe gross bleiben, ob der Markt für Bankvieh anzieht, bleibt ungewiss. Probleme gibt es im Labelbereich bei den Schweinen und bei den Kälbern. Im Ackerbau werden weiterhin Betriebe gesucht, die Zuckerrüben anbauen. Der Bundesrat führt auf 2019 einen Mindestgrenzschutz für Zucker von 7 Fr./100 kg ein und erhöht den Einzelkulturbeitrag für Zuckerrüben um 300 Fr./ha.  Bei Kulturen wie Getreide oder Kartoffeln sind Aussagen schwierig, die Preisbänder dürften aber stabil bleiben. Ob sich beim Obst wieder ein so ertragreiches Jahr einstellen wird, wird sich weisen.

In der Eierproduktion verschärft die Migros die Anforderungen. Spätestens ab Ende 2020 will die Detailhändlerin nur noch Freilandeier verkaufen will. Die Schaleneier aus Bodenhaltung fliegen aus dem Regal.

Agrarpolitik 2022 und Freihandel

2019 dürfte auch die Politik einen grossen Einfluss auf die Landwirtschaft haben. Die Agrarpolitik 2022+ befindet sich derzeit in der Vernehmlassung. Umgebaut werden soll das Direktzahlungssystem, zudem wurden Massnahmen zur weiteren Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes in die Vorlage aufgenommen. Dies deshalb, um der Trinkwasser-Initiative zu entgegnen. Die Initiative will allen Bauern, die giftige Pflanzenschutzmittel einsetzen oder Futter zukaufen, alle Direktzahlungen streichen. Der Bundesrat hat im Dezember beschlossen, dass er zur Initiative ein Nein ohne Gegenvorschlag beantragt.

Im kommenden Jahr dürfte die Schweiz auch weitere Freihandelsabkommen anstreben. Diese könnten je nach Land auch Druck auf die Schweizer Landwirtschaft ausüben, beispielsweise ein Abkommen mit Malaysia (Raps) oder mit den Mercosur-Staaten (Fleisch). 

Will der Konsument so viel Tierwohl?

Bei der Revision des Raumplanungsgesetzes will sich der Bauernverband für bessere Bedingungen einsetzen, schreibt hallowil.ch. «Die Landwirtschaft wird bei neuen Bauvorhaben im Ökonomiebereich deutlich schlechter gestellt als heute», kritisiere Präsident Markus Ritter. Für die Landwirtschaft sei das nur eine Verschlechterung, die nächste Generation habe keine Chance, sagte er an einem Anlass der Krieger AG im November. Das Volumen von Neubauten über Abbrüche zu kompensieren, steigere die Kosten für die Bauvorhaben deutlich steigen oder verschlechtere die Kreditwürdigkeit der Bauten.

Zu guter Letzt gilt es auch die Konsumenten ins Boot zu holen. Sind sie bereit, für Schweizer Produkte mehr zu bezahlen. Oder schauen sie hauptsächlich auf den Preis. «Entscheidet am Schluss beim Einkauf doch nur der Preis, wieviel Tierwohl im Einkaufskorb landet», fragte sich der Schweizer Bauernverband im Dezember. Coop gab bekannt, dass das Naturafarm-Label bei den Kälbern abgeschafft wird und bei Schweine um 30 Prozent gekürzt wird. 

Investitionsentscheide auf Umfragen abgestützt


Von den rund 65 Prozent Schweinefleisch, das nach besonders tierfreundlichen Bedingungen in der Schweiz produziert wird, kann nur etwa 30 Prozent zum Mehrpreis verkauft werden. «Wir produzieren deutlich mehr Fleisch aus tierfreundlicher Haltung als der Konsument verlangt», sagte Adrian Schütz von Suisseporcs, dem Schweizerischen Schweinezucht- und Produzentenverband, im Dezember zur Luzerner Zeitung.

Zwischen angegebener und effektiver Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Nahrungsmittel besteht ein grosser Unterschied. Umfrageresultate seienfür die Bauern eine schlechte Grundlage für betriebswirtschaftliche Entscheide. "Sie zeigen vor allem, wie der Konsument sein Einkaufsverhalten überschätzt. Sie führen aber auch dazu, dass Landwirte ihre Investitionsentscheide auf diesen Umfragen abstützen", folgert die Luzerner Zeitung weiter.

Investitionen brauchen Sicherheit

«Investitionen brauchen Sicherheit, aber die Bauern sind verunsichert und scheuen deshalb das Risiko einer Investition. Die Politik muss endlich erkennen, dass die Landwirte eine langfristige und verlässliche Planungssicherheit brauchen», sagte beispielsweise der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, im vergangenen Herbst.

Der Schweizer Bauernverband will auf politischer Ebene die Gesetzgebung und auch das Budget massgeblich mitgestalten. Im Fokus sind dabei stabile Rahmenbedingungen für die Schweizer Landwirtschaft. Stabile Verhältnisse haben positive Effekte auf das Einkommen und damit auf die Investitionsbereitschaft der Landwirte.

Wir möchten von Ihnen wissen, ob Sie in diesem Jahr Investitionen geplant haben und wenn ja, wo Sie den Schwerpunkt legen. Wie schätzen Sie die Lage ein? Lässt die wirtschaftliche Lage eine Investition zu? Oder warten Sie ab? Stimmen Sie ab und diskutieren Sie mit

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